LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Was wir vermissen

#waswirnichtvermissenmüssen: Maibäume 2020

Seit letzter Woche dachte ich über einen weiteren Beitrag unserer Rubrik „was wir vermissen“ nach. Denn Ende April beginnen normalerweise die Vorbereitungen zum 1. Mai, zu denen im Rheinland auch das Aufhübschen von Birken mit buntem Krepppapier und roten Herzen gehört. In der Nacht zum 1. Mai werden von jungen Männern diese Birken als Maibäume vor die Häuser ihrer Liebsten gestellt. Weil das Ganze auch ein großer Spaß ist, begegneten mir in den letzten Jahren am 30. April regelmäßig Gruppen gut gelaunter junger Männer mit diesen Bäumen, einer oder mehrerer Bierkisten und Werkzeug, zwischen spätem Nachmittag und den frühen Morgenstunden unterwegs zum Maibaumsetzen. Diese Gruppenveranstaltungen gehen in diesem Jahr wohl nicht, aber ein meist doch mehr als 10 Meter hoher Maibaum lässt sich nur schlecht im Alleingang aufstellen. Dazu ist 2020 ein Schaltjahr: in Schaltjahren hat sich seit einiger Zeit eine kleine Variante etabliert: die Frauen stellen den Maibaum für ihre Männer. Auch hier mit entsprechender Gruppenunterstützung. Wie soll das gehen unter Corona-Bedingungen?

Im Außenbereich einer Gärtnerei werden geschmückte Maibäume verkauft. Maibäume im Kübel, Angebot in einer Gärtnerei in Alfter (2020); Fotografin: Dagmar Hänel, ©LVR

Es ist gegangen, ziemlich gut sogar. Gärtnereien und Floristen boten kleine Maibäume im Kübel zum Verkauf an, wie mir eine Floristin erzählte, hätten die Frauen auch schon vor vier Jahren gerne auf die kleinere Variante des Maibaums zurückgegriffen. Gut zu transportieren, selbst mit dem Fahrrad, und geben wir es doch zu: irgendwie auch niedlich, die kleinen Maibäume.

Eine junge Frau stellt einen Maibaum im Kübel auf den Gepäckträger ihres Fahrrades. Der gerade erstandene Maibaum im Topf wird mit dem Fahrrad transportiert (Bonn-Endenich, 2020); Fotografin: Dagmar Hänel, ©LVR

Als ich am 19.04. bei oben schon zitierter Floristin einen Blumenstrauß kaufte, musste eine junge Frau schon unverrichteter Dinge und ohne Maibaum nach Hause: Den letzten hatte genau die Kundin vor mir gekauft. „25 Stück hatten wir heute Morgen vom Markt geholt, die sind schon alle weg.“ Die Floristin plauderte auch über die eigenen Familienrituale: „Meine Tochter stellt für ihren Freund einen großen Maibaum auf. Da hat sie den Papa bequatscht, der hat ihr den organisiert und hilft beim Aufstellen heute Abend. Das geht ja, zwei Leute, die eh zusammen im selben Haus leben, da hat sie Glück.“ Glück hatten wir irgendwie alle, denn die Frauen haben selbstverständlich dafür gesorgt, dass auch 2020 der Brauch des Maibaumstellens in seiner besonderen Schaltjahresvariante und unter Corona-Beschränkungen funktioniert hat. Gelernt haben wir dabei zusätzlich noch, das der Allerweltsbaum Birke auf botanisch „betula pendula“ heißt.

Schild an einem Maibaum in einer Gärtnerei. Botanisch korrekte Beschriftung an einem Maibaum (Alfter 2020); Fotografin: Dagmar Hänel, ©LVR

#waswirvermissen: Den Museumsbesuch

Das Dach der Bundeskunsthalle mit den markanten Pyramiden wird im Sommer zur Open-Air-Ausstellungsfläche für historische Gartenkultur. Die Bundeskunsthalle in Bonn nutzt ihr Dach mit den markanten Pyramiden im Sommer für Gartenausstellungen. © LVR-ILR

Museumsbesuche gehören zum Alltag, auch oder vielleicht gerade für uns im Kulturbetrieb. Ob die weitläufigen Gelände der Freilichtmuseen, Highlights der Kunst oder die Geschichte von Städten, Museen bereiten Wissen über Kultur und Geschichte anschaulich für uns alle auf, bieten Erlebnis- und Erfahrungsräume. Im Moment sind sie alle geschlossen. Während wir uns schon auf die Zeit freuen, wenn wir wieder rein dürfen in die Mussen, können wir bei vielen digital in die Ausstellungen schauen. Besuchen Sie auch die Seiten unserer Kolleg*innen der LVR-Museen oder auch der Bundeskunsthalle, deren Dach Sie im Bild sehen!

#waswirvermissen: Rambazamba

Klatschende Menschenmenge in einem Festzelt, in der Mitte steht eine Frau auf einer Bank LVR-ILR, Fotografin: Dagmar Hänel

Rambazamba, Halligalli, Jubeltrubelheiterkeit, Riesenauflauf, das Zelt ist rappelvoll, Jan, Pitt un allemann sin da, auf der Party is mordsmäßig wat los, Remmidemmi – das vermissen wir und das werden wir vielleicht auch dann noch vermissen, wenn wir schon wieder arbeiten dürfen.

#waswirvermissen: Die Kneipe

Einige Männer stehen an der Theke in einer Kölner Kneipe, lachen und trinken. Kneipenszene ©LVR-ILR

Abends auf ein Bier oder Kölsch oder eine Apfelsaftschorle in die Kneipe, mit Freund*innen treffen, lachen, quatschen, klönen, quasseln, praatschen, quatern, vielleicht auch kaaten oder kniffeln, also Karten spielen oder Knobeln, das gehört eigentlich zum Alltag dazu. Auf diese Abende freuen wir uns, wenn wir wieder dürfen.

#waswirvermissen: Pusemuckel

Ortsansicht des Ortsteils Berk der Gemeinde Dahlem mit umliegender, flacher Landschaft Sehnsuchtsziel Pusemuckel? Fotograf: Peter Weber

Pusemuckel, Pampa, JWD, inne Karpaten, hinterm Mond, Hintertupfingen, Kleinkleckersdorf, schäl Sick, gönne Kant, Achterhoek, Zitterhuck – Destinationen, die früher vielleicht nicht zu unserem Zielkatalog gehört haben, aber jetzt möchten wir unbedingt mal dorthin, wenn wir wieder dürfen.

Eine Karte dazu gibts im Atlas zur deutschen Alltagssprache.

#waswirvermissen: Dreharbeiten

Dreharbeiten in einem niederrheinischen Dorf: Der Kameraassistent versucht eine Kuh an den Zaun zu locken, damit sie gut ins Bild gesetzt werden kann. Wir geben alles für ein gutes Bild: Der Kameraassistent versucht eine Kuh anzulocken, Dreharbeiten für den Film "Von Blasorchester, Bürgerbus und Bauernhof. Leben im Dorf", ©LVR-ILR

Unsere Dokumentarfilme gehören zu unseren wichtigsten Produkten. Die Filmarbeit im Wissenschaftsbetrieb ist etwas ganz Besonderes. Zurzeit läuft hier garnix, wegen der notwendigen Kontaktreduktionen. Wenn auch im Homeoffice vieles gut läuft, die besondere Arbeit bei einer Filmproduktion vermissen wir sehr! Traurig macht uns, dass gerade unsere freiberuflich arbeitenden Kolleg*innen an Kamera, Mikrofon und Schnittplatz eine echte Corona-Krise erleben und sich gerade in ihrer beruflichen Existenz bedroht sehen. Wir drücken die Daumen, dass wir schnell wieder mit ihnen arbeiten können, darauf freuen wir uns.

Bis dahin können Sie viele unserer Filme online anschauen: Youtube.

#waswirvermissen: Enkelkinder

Fotograf: Peter Weber

Pänz, Blagen, Büfkes, Kids, Kinder, Enkelschen, Maximilian, Louisa, Rabauken, Tausend-sassas, Nimmersatte, Augensterne, Ullige, Lütte – und wie sie alle heißen und genannt werden mögen, die Enkelkinder, die uns besuchen wollen, wenn sie wieder dürfen.

#waswirvermissen: Fußball spielen

Foto: Erkan Şibka, CC BY-ND 2.0

bolzen, pöhlen, fußballen, Fußi zocken, Fuppes spielen, pengen, kicken, flabben, botschen, dötschen, flatschen, knülzen, knolzen - rheinländische Bezeichnungen für ein Spiel, auf das wir uns schon freuen, wenn wir wieder dürfen. mehr