LVR-Institut für Landeskunde
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"Coronamäßige" Wortbildungen: Zusammensetzungen, Kurzwortbildungen und Akronyme

Corona und die Auswirkungen des Virus sind das derzeit beherrschende Thema – in den Medien, den Nachrichten, aber auch im täglichen Austausch (per Telefon, Mail, Skype, …) miteinander. Und da immer neue Informationen an uns herangetragen werden, immer neue Informationen auf uns einprasseln, entsteht auch eine Vielzahl neuer Wörter, wie Corona-Krise, Corona-Pandemie oder Corona-Hilfen und Corona-Schutzschild. Auch das Kurzwort Corona ist in aller Munde, ebenso wie der Name der Krankheit COVID-19 oder des Erregers SARS-CoV-2 selbst. So unerfreulich und schwierig diese Krankheit und seine Folgen für uns sind, so sehr sie uns einschränken und unser Leben im täglichen Miteinander lähmen, für die Sprachwissenschaft weisen diese Bezeichnungen und Begriffe im Zusammenhang mit Corona interessante Wortbildungsphänomene auf – zum einen neuartige Zusammensetzungen (Corona-Krise, Corona-Pandemie), zum anderen auch die Abkürzungen COVID-19 und SARS wie die Verwendung des Kurzwortes Corona selbst.

Zusammensetzungen und Kurzwörter mit Bezug zu Corona im Kreuzgitter dargestellt Neue Wortbildungen in Zeiten von Corona

Für das Deutsche besonders typisch sind Zusammensetzungen, momentan häufig mit dem Erstglied Corona-. Diese zeichnen sich häufig dadurch aus, dass der zweite Teil dieser Zusammensetzungen den ersten näher beschreibt – so meint Corona-Pandemie etwa die Pandemie, die durch Corona ausgelöst wird, Corona-Hilfen diejenige Unterstützung, welche im Zusammenhang mit der Krankheit steht. Eine weitere sprachliche Besonderheit dieser Zusammensetzungen ist der Bindestrich zwischen den einzelnen Bestandteilen (die es auch ohne Bindestrich gibt). Die Vielzahl deutscher Zusammensetzungen kommt ohne diesen Bindestrich aus (teilweise wird alternativ ein Fugenelement verwendet); bei neueren Zusammensetzungen, die (noch) nicht sehr gängig im Sprachgebrauch sind oder ein Fremdwort enthalten, wird allerdings oft ein Bindestrich verwendet, um die einzelnen Wortteile besonders hervorzuheben. So bleibt jeweils die Form der einzelnen Bestandteile der Zusammensetzung erhalten und kann von den Leser*innen schnell erschlossen werden.

Wurde anfangs in der Krise noch häufig vom Corona-Virus gesprochen, hört man mittlerweile hingegen meist nur noch das Kurzwort Corona. Auch diese Verkürzung von Wörtern ist im deutschen Sprachgebrauch sehr geläufig: Corona verhält sich in diesem Fall ähnlich wie Auto(mobil) oder Lok(omotive); jeweils der letzte Teil des Wortes wird abgeschnitten, das Wort ist dann als Kurzwort in der deutschen Sprache präsent. Zwar bleibt auch die Langform erhalten, meist aber ist diese weniger frequent, teilweise sogar unbekannt.

Auch bei der Bezeichnung des Erregers SARS-CoV-2 und dem Namen der Krankheit COVID-19, die dieser auslöst, handelt es sich sprachlich gesehen um Kurzformen, um sogenannte Akronyme: "Aus den Anfangsbuchstaben oder -silben einer Wortgruppe oder eines Kompositums (Zusammensetzung) gebildete Abkürzung, die als Wort verwendet wird." (Metzler Lexikon 2010). Damit verhalten sich die Bezeichnungen COVID-19 und SARS-CoV-2 hinsichtlich ihrer Wortbildung ähnlich wie Hans Riegel Bonn oder Auszubildende*r – aus den ersten Buchstaben oder Silben eines Wortes oder einer Wortgruppe entstehen so neue Wörter, die auch als solche ausgesprochen werden. Auch diese Bildungsweise von Akronymen ist im Deutschen durchaus geläufig. Dabei dienen Akronyme häufig dazu, die Sprache ökonomischer, also schneller, greifbarer und effektiver zu machen. Das heißt nicht, dass die Langformen verloren gehen; sie bleiben als Varianten neben den Kurzwörtern bestehen. Auffällig sind Akronyme neben ihrer Bildungsweise auch aufgrund ihrer Schreibweise – häufig erscheinen sie in Großbuchstaben, die typisch für neu gebildete Akronyme ist. Teilweise richtet sich die Schreibweise auch nach der Ausgangsform; werden in dieser Klein- und Großbuchstaben verwendet (Gesellschaft mit beschränkter Haftung), weist das Akronym die Schreibweise der Ausgangsform auf. Mit zunehmender Verwendung im allgemeinen Sprachgebrauch werden dann meist nur noch die Erstbuchstaben des Akronyms groß geschrieben (Nato).

Literatur: