LVR-Institut für Landeskunde
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Sprachlicher Zweifelsfall – 'Das' oder 'der' Virus?

Corona macht Schlagzeilen – durch Berichterstattungen in Zeitungen, im Radio und im Fernsehen. Manchen macht das (oder der) Virus auch in sprachlicher Hinsicht unsicher: Da ist einerseits von das Virus die Rede, andererseits wiederum auch der Virus zu hören. Das grammatische Geschlecht (Genus) dieses Erregers scheint ähnlich wandelbar wie seine Oberflächenstruktur. Das führt zu Verwirrungen und der Frage "Das oder der Virus?"

dargestellt ist eine Erdkugel, die einen medizinischen Mundschutz trägt Das/der Virus bedroht momentan die gesamte Welt

Als Fachbegriff ist der Erreger als das Virus bekannt. Das sächliche Wortgeschlecht (das) stammt vom ursprünglich lateinischen Wort vīrus, das so viel wie 'Schleim', 'Saft' oder 'Gift' bedeutet und ebenfalls sächlichen Genus ist. Übernehmen wir im Deutschen ein Wort aus einer anderen Sprache, übernehmen wir (zumeist) gleichzeitig dessen grammatisches Geschlecht; besonders bei bildungssprachlichen Entlehnungen ist dies der Fall ("Gestaltprinzip", Donalies 2008). Da Sprache aber kein starres System ist, sondern sich stetig im Wandel befindet, können sich Wortgeschlechter durchaus verändern: Mit zunehmender Verwendung in der Alltags- und Umgangssprache wird der Virus geläufiger, wir passen das Wort und sein dazugehöriges Genus an die anderen auf -(ism)us endenden Wörter im Deutschen (der Luxus, der Egoismus, der Rhythmus) an und wählen das Genus, welches für uns üblich klingt – der Virus. Das heißt: Sowohl das Virus als auch der Virus sind verbreitet und korrekt.

Schwankungen beim Gebrauch des Genus bei Virus lassen sich dennoch feststellen, teilweise sogar regionale Unterschiede (wie etwa bei der Genusvergabe für Sellerie im Regiolekt): Überwiegend wird zwar überall im deutschsprachigen Raum das Virus verwendet, in den östlichen Gebieten Deutschlands ist aber die Variante der Virus ähnlich häufig im Gebrauch (vgl. Variantengrammatik). Bleibt zu beobachten, ob der derzeit vermehrte Gebrauch des Wortes neue Verbreitungsmuster hervorbringt oder sich gar eine der Varianten durchsetzt.

Literatur: