LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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„geSCHICHTEN Rheinisches Revier“ - Vermittlungskonzepte für eine Region im Umbruch

Die als Rheinisches Revier bezeichnete Region zwischen Köln, Aachen, Mönchengladbach und
Zülpich ist seit Jahrhunderten durch den Braunkohletagebau geprägt. Der damit einhergehende vielschichtige Wandel verändert nicht nur die Kulturlandschaft durch Industrialisierung und Umsiedlung, sondern beeinflusst auch Alltag, Arbeitswelten und soziale Strukturen ebenso wie Politik und gesellschaftliche Diskurse. Die politische Entscheidung zum beschleunigten Ausstieg aus der Kohleförderung und -verstromung sowie die gegenwärtige weltpolitische Lage betreffen die Menschen der Region in ihren aktuellen Lebenszusammenhängen und Zukunftsplanungen also existenziell.

Diese als „Strukturwandel“ zusammengefassten Vorgänge und komplexen Phänomene ziehen inzwischen vielfältige Aufmerksamkeit aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft auf sich. Mit einstimmigem Beschluss vom 16. Dezember 2019 hat der Landschaftsverband Rheinland hier Position bezogen. Entwickelt wurde ein Projektvorschlag, um in der gerade beginnenden Restrukturierung einer ganzen Region seine Kompetenzen in Bezug auf Industriekultur, Erinnerungskultur, Archäologie und Kulturerbe einzubringen.

Das hieraus entstandene interdisziplinär arbeitende Projekt „geSCHICHTEN Rheinisches Revier“ begreift den Strukturwandel dabei als explizit kulturelle Herausforderung. Diese manifestiert sich in vielgestaltigen SCHICHTEN – z. B. ZeitSCHICHTEN, ErzählSCHICHTEN, ErinnerungsSCHICHTEN – des über Jahrtausende entstandenen kulturellen Erbes der Region. So wird veranschaulicht, dass die Geschichte des Reviers nicht der einen Meistererzählung, sondern einer Vielzahl von Handlungssträngen und Perspektiven folgt.

Aufgeschüttete Erdschichten unter dem Fundament des mittelalterlichen Wohnturms des Ritterguts Haus Palant, Borschemich (© Foto: LVR-ABR). Verlassenes Haus bei Düren-Merken an der Abbruchkante vom Tagebau Inden, Schaufelbagger im Hintergrund (© Foto: LVR-ADR / Silvia Margrit Wolf).

Das Team erschließt, bündelt und vernetzt das kulturelle Erbe, entwickelt darauf aufbauende Vermittlungsstrategien und erforscht erinnerungskulturelle Positionen. Im Mittelpunkt steht das Leben mit Umbrüchen von der Jungsteinzeit bis in die Gegenwart. Betrachtet werden Architektur und Landschaft, Agrar- und Industriekultur, Wirtschafts- und Sozialgeschichte, materielle und immaterielle Kultur sowie Erinnerungskulturen.

Zudem wird eine partizipative Plattform entstehen, auf der verschiedene kulturell engagierte Akteur*innen interagieren, kooperieren und Synergien entwickeln können. Gemeinsam mit den Kommunen, zivilgesellschaftlichen Engagements, Museen, Vereinen, Archiven, Verbänden und weiteren Initiativen der Region werden vielfältige kulturelle Möglichkeitsräume eröffnet und miteinander vernetzt.

Beteiligt sind das LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte, das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege, das LVR-Amt für Denkmalpflege und das dezentrale LVR-Industriemuseum.

Projektteam

Alrun Berger, M.A. (Projektkoordinatorin; Historikerin)

LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte
Projekt „geSCHICHTEN Rheinisches Revier“

Koordinatorin
Endenicher Straße 133
53115 Bonn
Tel 0228/9834-253
Fax 0228/9834-119
Alrun.Berger@lvr.de

Forschungsschwerpunkte

Deindustrialisierungsgeschichte, Erinnerungsgeschichte, Geschichte sozialer Bewegungen

Akademischer Werdegang

Seit Oktober 2020
Wissenschaftliche Referentin am LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte, Bonn

Januar 2019 – Mai 2020
Wissenschaftliche Mitarbeiterin in Forschung und Lehre an der Ruhr-Universität Bochum/Institut für soziale Bewegungen

April 2016 – Dezember 2018
Projektkoordinatorin und wissenschaftliche Bearbeiterin des Kooperationsprojekts "Zeit-Räume Ruhr" (Erinnerungsorte des Ruhrgebiets) an der Ruhr-Universität Bochum (Förderung: Regionalverband Ruhr, Land NRW; Projektpartner: Ruhr Museum, Institut für soziale Bewegungen/RUB)

September – Dezember 2017
Stipendium im Rahmen des European Union’s Marie Curie International Exchange Scheme Project "SPECTRESS" (Social Performance, Cultural Trauma and the Reestablishing of Solid Sovereignities), Forschungsaufenthalt an der Yale University, Center for Cultural Sociology, New Haven, USA

Februar 2017
Forschungsaufenthalt/Workshopteilnahme im Rahmen des Kooperationsprojekts "History, Memory, and Social Movements" an der University of Melbourne, School of Historical and Philosophical Studies, Melbourne, Australien

2016
Stipendium der RUB Research School (International Realisation Budget, IRB)

April 2015 – heute
Promotion an der Ruhr-Universität Bochum/Neuere Geschichte zum Thema "Die Erinnerungsräume der westdeutschen Friedensbewegung (1958-1968)"

Juni 2014 – Mai 2016
Projektkoordinatorin und -betreuerin des internationalen Lehrprojekts "Industrial Heritage in South Wales and the Ruhr" an der Ruhr-Universität Bochum (Förderung: Bundesministerium für Bildung und Forschung)

Mai 2014
Master of Arts, Ruhr-Universität Bochum

2012 – 2014
Private Forschungsassistentin Prof. Dr. Benjamin Ziemanns, University of Sheffield, Department of History (von Bochum aus)

2011 – 2014
Studentische Mitarbeiterin am Institut für soziale Bewegungen, Ruhr-Universität Bochum

2010 – 2014
Masterstudium der Geschichte mit Ergänzungsbereich Soziologie an der Ruhr-Universität Bochum und Humboldt-Universität zu Berlin

November 2009
Bachelor of Arts, Ruhr-Universität Bochum

März – April 2008
Studien-/Sprachaufenthalt im Rahmen eines Universitätsprogramms an der Staatlichen Universität für Verkehrswesen Moskau, Russland

2006 – 2009
Bachelorstudium der slawischen Philologie und Geschichte an der Ruhr-Universität Bochum

Publikationen

Erfolgs- versus Verlustgeschichte? Eine theoretische und praktische Annäherung anhand industriekultureller Bemühungen im Ruhrgebiet und in Südwales, in: Deutsches Technikmuseum Berlin 3 (2019), S. 14-17.

"Für'n Tacken Gemischtes" - das frühe "Facebook" des Reviers. Erinnerungsort Trinkhalle, in: S. Berger / U. Borsdorf / L. Claßen et. al. (Hg.): Zeit-Räume Ruhr. Erinnerungsorte des Ruhrgebiets, Essen 2019, S. 614-632.

Die Onlineplattform www.zeit-raeume.ruhr. Erinnerungsorte im Netz, in: S. Berger / U. Borsdorf / L. Claßen et. al. (Hg.): Zeit-Räume Ruhr, Essen 2019, S. 906-915.

The Historical Cultures of the 1960s’ West German Peace Movement: A Learning Process?, in: S. Berger and C. Cornelissen (ed.): Marxist Historical Cultures and Social Movements in Western Europe during the Cold War. Case Studies from Germany, Italy and Other Western European States, London 2019, S. 187-216.

Rez. zu: History is unwritten. Linke Geschichtspolitik und kritische Wissenschaft. Ein Lesebuch, in: Mitteilungen des Archivs der Arbeiterjugendbewegung, 2016-I, S. 38-42.

Konferenzbericht: Reconsidering the Political in Contemporary History, 04.03.2016 – 05.03.2016 Berlin, in: H-Soz-Kult, 04.10.2016, http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/index.asp?id=6725&view=pdf&pn=tagungsberichte&type=tagungsberichte.

Konferenzbericht: Marxistische Geschichtskulturen und soziale Bewegungen während des Kalten Krieges in Westeuropa, 29.09.2014 – 01.10.2014 Loveno di Menaggio, in: H-Soz-Kult, 05.05.2015, http://www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-5970.

"Smartphone, also bin ich?" Versuch einer Kritik anhand Paul Virilios Dromologie, Studienarbeit, Norderstedt 2013.

Vorträge (Auswahl)

06/2019
"Just familiar narratives? A web page for the places of memory of the Ruhr’s inhabitants", 3rd Annual Conference of the Memory Studies Association, Complutense University Madrid, Spanien.

10/2018
"Zwischen Zeitlichkeit und Erinnerung: Eine theoretische und praktische Annäherung anhand der Erinnerungslandschaften des Ruhrgebiets und Südwales" (Keynote), 6. Berliner Forum für Industriekultur und Gesellschaft, Deutsches Technikmuseum Berlin.

06/2018
"Erinnerungsorte im Netz", Vortrag und Moderation einer Gesprächsrunde mit Nutzerinnen und Nutzern des Onlineportals www.zeit-raeume.ruhr, Konvent „ZEIT-RÄUME RUHR“, Zeche Zollverein, Essen.

05/2018
"Industrielles Erbe als Erinnerung – Das Ruhrgebiet und Südwales", Tagung "Industrielles Erbe – Bedeutung und Visionen für NRW" der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, Maschinenhalle der Zeche Zweckel, Gladbeck.

Marian Fritz, M.A. (Historiker)

LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte
Projekt „geSCHICHTEN Rheinisches Revier“
Endenicher Straße 133
53115 Bonn
Tel 0228/9834-251
Fax 0228/9834-119
marian.fritz@lvr.de

Forschungsinteressen

(Post)kolonialismus und Globalgeschichte, Erinnerungskultur, Public History

Beruflicher Werdegang

Seit November 2021
Wissenschaftlicher Referent am LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte, Bonn

2017 - 2020
Masterstudium der Neueren Geschichte an der Universität zu Köln

September 2017 - Juli 2019
Wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für die Geschichte Europas und des europäischen Kolonialismus, Historisches Institut, Universität zu Köln

2013 - 2017
Bachelorstudium der Geschichte und Ethnologie an der Universität zu Köln

Dr. Kerstin Schierhold (Archäologin)

LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte
Projekt „geSCHICHTEN Rheinisches Revier“
Endenicher Straße 133
53115 Bonn
Tel 0228/9834-254
Kerstin.Schierhold@lvr.de

Forschungsschwerpunkte und Interessen

Megalithik, Landschaftsarchäologie, Vermittlung/Präsentation von archäologischen Denkmälern

Berufliche Tätigkeiten

Seit März 2022
LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte, Bonn
Wissenschaftliche Referentin im Projekt „geSCHICHTEN Rheinisches Revier“

Dezember 2021 – Februar 2022
Stadtarchäologie Münster (Stadtplanungsamt, Denkmalschutz und Denkmalpflege, Bodendenkmalschutz und -pflege, Stadtarchäologie)
Wissenschaftliche Mitarbeiterin; Grabungsleitung Prospektion Baugebiet Münster-Angelmodde Süd

Juli 2019 – Oktober 2021
LWL-Museum für Archäologie, Westfälisches Landesmuseum, Herne
Wissenschaftliche Mitarbeiterin; Kuratorin und Projektmanagement Sonderausstellung „Stonehenge – Von Menschen und Landschaften“

Januar 2019 – Juli 2019
Gesellschaft zur Förderung der Archäologie in Ostwestfalen e.V. (GeFAO)
Zusammenführung der Ergebnisse des DFG-Forschungsprojekts „Genese und Struktur der Hessisch-Westfälischen Megalithik am Beispiel der Soester Gruppe“

April 2015 – Juli 2018; Juli 2014 – Dezember 2014
Altertumskommission für Westfalen, Projekt „Megalithik in Westfalen“
Wissenschaftliche Mitarbeiterin; Aufarbeitung der Megalithgräber in Westfalen, Publikation der Ergebnisse und Vorbereitung der touristischen Erschließung im Rahmen der europäischen Kulturstraße des Europarats „Megalithic Routes“

April 2015 – Mai 2015; Juli 2009 – Juni 2014
Abteilung Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie des Historischen Seminars, Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Schwerpunktprogramm 1400 „Frühe Monumentalität und soziale Differenzierung“ der DFG, Projekt „Genese und Struktur der Hessisch-Westfälischen Megalithik am Beispiel der Soester Gruppe“. Ausgrabung zweier Megalithgräber in Erwitte-Schmerlecke, Kr. Soest

August 2007 – Juni 2009
Editionsprojekt „Prähistorische Bronzefunde“ der Akademie der Wissenschaften und der Literatur (Mainz), Arbeitsstelle Frankfurt
Wissenschaftliche Mitarbeiterin; Redaktion J. Martin, Die Bronzegefäße in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen. PBF II, 16 (2009)

August 2003 – Juli 2007
Römisch-Germanische Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts, Frankfurt am Main

Wissenschaftliche Hilfskraft; inhaltliche Erschließung der Bestände für die Bibliotheksdatenbank Dyabola

Januar 2003 – Juli 2003
Westfälisches Museum für Archäologie, Münster
Wissenschaftliche Volontärin; Unterstützung bei der Organisation und Koordination der Verlagerung des Fundmagazins an einen neuen Standort

Ausbildung

2003 – 2008
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Promotion (Dr. phil.), Thema: Studien zur hessisch-westfälischen Megalithik: Forschungsstand und -perspektiven unter Berücksichtigung des europäischen Kontexts

1996 – 2003
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Studium der Ur- und Frühgeschichte, Klassischen Archäologie und Alten Geschichte
Magistra Artium (M.A.), Thema: Anthropomorphe Terrakotten großen Formats in der ägäischen Bronzezeit

Publikationen (Auswahl)

LWL-Museum für Archäologie, Westfälisches Landesmuseum / Ludwig Boltzmann Institut für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie; D. Mölders / M. M. Rind / K. Schierhold / W. Neubauer / J. Richards (Hg.), Stonehenge. Von Menschen und Landschaften. Ausstellungskatalog Herne, Petersberg 2021.

Darin:
Zusammen mit T. Malter / D. Mölders / W. Neubauer / M. M. Rind / E. Woschitz, Prolog: Stonehenge kommt nach Herne! Eine Ausstellung mit Perspektive auf geprägte Landschaften von der Steinzeit bis zur Moderne, S. 28-35.

Zusammen mit B. Stapel, Dauerhafte Erinnerungsorte in der Landschaft. Die Megalithgräber Westfalens, S. 154-165.

Zusammen mit L. Klinke / V. Brieske, Der „Weg der großen Steine“. Von der Erforschung zur öffentlichkeitswirksamen Präsentation westfälischer Megalithgräber, S. 174-179.

Aus der Reihe „Megalithgräber in Westfalen“ der Altertumskommission für Westfalen (Führer):

Zusammen mit I. Pfeffer, Das Galeriegrab von Soest-Hiddingsen, Kreis Soest. Megalithgräber in Westfalen 5 (2020).

Zusammen mit B. Stapel, Das Großsteingrab von Lengerich-Wechte, Kreis Steinfurt. Megalithgräber in Westfalen 4 (2018).

Zusammen mit B. Stapel, Die Düwelsteene bei Heiden, Kreis Borken. Megalithgräber in Westfalen 3 (2018).

Das Megalithgrab von Westerkappeln-Seeste, Kreis Steinfurt. Megalithgräber in Westfalen 2 (2017).

Die Großen Sloopsteene bei Lotte-Wersen, Kreis Steinfurt. Megalithgräber in Westfalen 1 (2016).

Case Study of Erwitte-Schmerlecke, Westphalia. An archaeological contribution to Hessian-Westphalian megaliths and their role in early monumentality of the Northern European plain, in: J. Müller / M. Hinz / M. Wunderlich (Hg.), Megaliths – Societies – Landscapes. Early Monumentality and Social Differentiation in Neolithic Europe. Proceedings of the international conference Megaliths – Societies – Landscapes. Early Monumentality and Social Differentiation in Neolithic Europe (16th – 20th June 2015) in Kiel. Frühe Monumentalität und soziale Differenzierung 18 (2019), S. 289-318.

Westphalian Megaliths go Touristic: Archaeological Research as a Base for Development of Tourism, in: D. C. Comer / A. Willems (Hg.), Feasible Management of Archaeological Heritage Sites Open to Tourism, Cham (CH) 2019, S. 141-149.

Zusammen mit I. Pfeffer, Wegeforschung 2.0 oder die Entdeckung einer alten Wegtrasse im Digitalen Geländemodell. Archäologie in Westfalen-Lippe 2014 (2015), S. 230-233.

Studien zur hessisch-westfälischen Megalithik. Forschungsstand und -perspektiven im europäischen Kontext. Münstersche Beiträge zur ur- und frühgeschichtlichen Archäologie 6 (2012).

The Gallery Graves of Hesse and Westphalia: Expressions of different Identity (ies)?, in: M. Furholt / F. Lüth / J. Müller (Hg.), Megaliths and Identities. Early Monuments and Neolithic Societies from the Atlantic to the Baltic. Third European Megalithic Studies Group Meeting 13th-15th May 2010 at Kiel. Frühe Monumentalität und Soziale Differenzierung 1 (2011), S. 177-184.

Zusammen mit A. Posluschny, Einsichten aus Aussichten. Sichtbarkeitsanalysen zu einer Gruppe von Galeriegräbern im Altenautal bei Paderborn, Nordrhein-Westfalen, Deutschland, in: T. Armbruester / M. Hegewisch (Hg.), Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte der Iberischen Halbinsel und Mitteleuropas. Studien in honorem Philine Kalb. On pre- and earlier history of Iberia and Central Europe. Studies in honorem Philine Kalb, Bonn 2010, S. 89-96.

Gallery Graves in Hesse and Westphalia, Germany: extracting and working the stones, in: Chr. Scarre (Hg.), Megalithic quarrying: sourcing, extracting and manipulating the stones. Kongressbericht 15. UISPP Kongress Lissabon, Sep. 2006. British Archaeological Reports, International Series 1923 (2009), S. 35-44.

Dr. Judith Schmidt (Kulturanthropologin)

LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte
Projekt „geSCHICHTEN Rheinisches Revier“
Endenicher Straße 133
53115 Bonn
Tel 0228/9834-252
Judith.Schmidt@lvr.de

Forschungsschwerpunkte

Arbeitskulturen, Umweltanthropologie, Kulturelles Erbe und Regionalität, Agro-Food-Studies, Ökonomische Anthropologie, Politische Anthropologie, Mobilität und Migration

Beruflicher Werdegang

Seit Juni 2022
Wissenschaftliche Referentin im Projekt „geSCHICHTEN Rheinisches Revier“, LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte, Bonn

November 2019 – Mai 2022
Wissenschaftliche Referentin im Projekt „Zur Bedeutung des kulturellen Erbes im Strukturwandel. Umsiedlung im rheinischen Braunkohlerevier“, LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte, Bonn

November 2013 – Oktober 2015
Wissenschaftliche Volontärin in der Abteilung Volkskunde des LVR-Instituts für Landeskunde und Regionalgeschichte, Bonn

Akademischer Werdegang

Januar 2016 – September 2020
Promotionsstudium, Titel der Promotion: „Kalkulierte Mobilität. Ökonomische und biographische Perspektiven auf Saisonarbeit. Eine Ethnographie zwischen Rumänien und Rheinland-Pfalz“

Oktober 2006 – August 2012
Magisterstudium (Kulturanthropologie/Anglistik/Anthropologie) an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Thema der Magisterarbeit: „Wettbewerb Integration: Integrationspreise im Rhein-Main-Gebiet“.

VORTRÄGE (Auswahl)

04/2021
„Wenn ein Dorf umziehen muss. Der letzte tagebaubedingte Umsiedlungsprozess". LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte Bonn: Tag der Landeskunde.

10/2020
„Wem gehört das Dorf? Der Umsiedlungsort Keyenberg als Aushandlungsarena“. Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn: Das partizipierende Dorf.

12/2019
„Arbeit im Ausland als Lebensstrategie. Das Beispiel saisonaler Arbeitskräfte aus Rumänien“ Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Südosteuropa Gesellschaft, Zweigstelle Mainz; Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz: Migration – Heimat – Identität. 7. Studientag Rumänien.

04/2019
„Saisonarbeit und Landwirtschaft mit System: Ein Blick in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“ Julius-Maximilians-Universität Würzburg: Ländliches vielfach! Leben und Wirtschaften in erweiterten sozialen Entitäten.

11/2018
„Kompromisse schließen: Autoethnographische Einblicke in den Forschungsprozess“ Universität Freiburg: How to …? Tipps und Tricks für die Promotion. 13. dgv-Doktorand*innen-Tagung.

09/2018
„‚Should I stay or should I go?‘ Flüchtige Zukunftsperspektiven und multiple Verortungen im Leben rumänischer Saisonarbeitskräfte und ihrer Arbeitgebenden“ Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn: Planen. Hoffen. Fürchten. Zur Gegenwart der Zukunft im Alltag. dgv Hochschultagung.

09/2018
„‚Man erntet, aber man weiß noch nicht, was man dafür kriegt‘. Kalkulationen in einer Lebenswelt auf dem Feld.“ Universität Zürich: Vernetzt, entgrenzt, prekär: Arbeit im Wandel und in gesellschaftlicher Diskussion. 18. Arbeitstagung der dgv-Kommission Arbeitskulturen.

Publikationen (Auswahl)

(2021) Kalkulierte Mobilität. Ökonomische und biographische Perspektiven auf Saisonarbeit. (=Arbeit und Alltag. Beiträge zur ethnografischen Arbeitskulturenforschung, Bd. 20). Frankfurt a.M.: Campus.

(2021) Landwirtschaft und Saisonarbeit mit System: Ein Blick in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. In: Fenske, Michaela/Peselmann, Arnika/Best, Daniel (Hg.). Ländliches vielfach! Leben und Wirtschaften in erweiterten sozialen Entitäten. Würzburg: Königshausen & Neumann. 347–369.

(2021) Gehen oder Bleiben? Unmittelbare, nahe und ferne Zukunftsperspektiven rumänischer Saisonarbeitskräfte und deutscher Landwirte. In: Hänel, Dagmar/Sutter, Ove/Eggel, Ruth Dorothea /Freiberg, Fabio/Graf, Andrea/Huszka, Viktoria/Wolff, Kerstin (Hg.). Planen – Hoffen –Fürchten. Zur Gegenwart der Zukunft im Alltag (=Bonner Beiträge zur Alltagskulturforschung, Bd. 13). Münster u.a.: Waxmann. 155–173.

(2020) Umsiedlungsgeschichte als Lebensgeschichte. Biografische Positionierungen. In: Alltag im Rheinland. Mitteilungen der Abteilungen Sprache und Volkskunde des LVR-Instituts für Landeskunde und Regionalgeschichte, Bonn. 71–84.

(2020) Zwischen Mobilität und Immobilität. Zur internationalen Dimension biographischer und ökonomischer Strategien von Landwirten und Saisonarbeitskräften. In: Trummer, Manuel/Decker, Anja (Hg.). Das Ländliche als kulturelle Kategorie. Aktuelle kulturwissenschaftliche Perspektiven auf Stadt-Land-Beziehungen. Bielefeld: Transcript. 125–134.

(2020) „Man erntet, aber man weiß noch nicht, was man dafür kriegt“: Kalkulationen deutscher Landwirte und rumänischer Saisonarbeitskräfte. In: Groth u.a. (Hg.). Vernetzt, entgrenzt, prekär. Arbeit im Wandel und in gesellschaftlicher Diskussion. Kulturwissenschaftliche Perspektiven (=Arbeit und Alltag. Beiträge zur ethnografischen Arbeitskulturenforschung, Bd. 17). Frankfurt a.M.: Campus. 67–84.

(2018) Zahnrad Saisonarbeit. Generationelle Ordnungsmuster in Erzählungen deutscher Landwirte über ihre polnischen und rumänischen Angestellten. In: Scholl-Schneider, Sarah & Kropp, Moritz (Hg.). Migration und Generation im östlichen Europa (=Mainzer Beiträge zur Kulturanthropologie/Volkskunde, Bd.16). Münster u.a.: Waxmann. 171–192.

(2015) Mobilität hat Saison. Lebenswelten osteuropäischer Arbeitskräfte. In: Alltag im Rheinland. Mitteilungen der Abteilungen Sprache und Volkskunde des LVR-Instituts für Landeskunde und Regionalgeschichte, Bonn. 57–65.

(2012) gemeinsam mit Sandra Keßler und Michael Simon: Interkulturalität und Alltag (=Mainzer Beiträge zur Kulturanthropologie/Volkskunde, Bd. 4) Münster u.a.: Waxmann.

Aktuelles

Konferenzankündigung „Strukturwandel als kultureller Möglichkeitsraum“

Wir verstehen die Veranstaltung als Beginn eines gemeinsamen Aushandlungsprozesses, in dem verschiedene kulturelle Möglichkeitsräume eröffnet und miteinander diskutiert werden sollen. Welche Bedeutung kommt der „Kultur“ im aktuellen Strukturwandelprozess zu und welche Rolle spielen kulturelle Akteur*innen dabei? Diesen Fragen wird am 24./25. Oktober 2022 in der Abtei Brauweiler weiter nachgegangen.

Wir laden Sie herzlich ein mit uns gemeinsam das kulturelle Erbe des Rheinischen Reviers zu erkunden, zu beleuchten und zu gestalten.

Nähere Anmeldungs- und Teilnahmeinformationen werden in Kürze an dieser Stelle veröffentlicht. Das aktuelle Konferenzkonzept kann unten eingesehen werden.

Konferenzkonzept


SONNTAG, 23. OKTOBER 2022

Auftakt-Exkursion

Besichtigung der eisenzeitlichen Hofanlage in Titz-Höllen

MONTAG, 24. OKTOBER 2022

Begrüßung und Grußworte

Podiumsdiskussion - Perspektiven kultureller Möglichkeitsräume im Rheinischen Revier

Panel I „geSCHICHTEN“ über das Rheinische Revier Panel I wirft Schlaglichter auf verschiedene Facetten des Kulturerbes der Region und lässt dazu unterschiedliche Akteur*innen und Institutionen bereits bestehender kultureller Zugänge zu Wort kommen. Das kulturelle Erbe des Rheinischen Reviers reicht u. a. von jungsteinzeitlichen Siedlungen über römische Gräber und mittelalterliche Burganlagen bis hin zu industriekulturellen Hinterlassenschaften. Es steht für Vielfalt und Viel(ge)SCHICHTigkeit und ist bereits jetzt an zahlreichen Orten erleb- und erfahrbar.

  • Welche „geSCHICHTEN“ lassen sich über das vorhandene Kulturerbe erzählen?
  • Welche Kooperationen sind bisher wichtig in der Region?
  • Wie werden die „geSCHICHTEN“ erschlossen und vermittelt?

Panel II „geSCHICHTEN“ aus dem Rheinischen Revier Lokale und regionale Perspektiven aus der Mitte des Rheinischen Reviers zeigen individuelle Umgänge mit dem aktuellen Umbruch auf. In einem „Walk and Talk“-Format können sich die Teilnehmenden mit diesen individuellen „geSCHICHTEN“ auseinandersetzen. „geSCHICHTEN“ von Heimat, Gemeinschaft und Wir-Gefühl, damit einhergehend auch VerlustGESCHICHTEN, bewegen die Menschen. In Museums- und ArchivGESCHICHTEN werden unterschiedliche Perspektiven auf Vergangenes bewahrt und zugänglich gemacht. Gleichzeitig liegt aber auch ein großes Potenzial des Neubeginns im partizipativen und zukunftsorientierten Umgang mit dem Umbruch. Dies zeigt sich vor allem im Spannungsfeld sozialer „geSCHICHTEN“ und der Arbeit an einem neuen Selbstverständnis und einer neuen Außenwahrnehmung, ohne die diese alten Verbindungen in Vergessenheit geraten. Dabei spielen Erinnerungsorte als Bindeglied zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eine herausragende Rolle.

Abendprogramm Künstlerische „geSCHICHTEN“

DIENSTAG, 25. OKTOBER 2022

Panel III „geSCHICHTEN“ für das Rheinische Revier Die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und dem kulturellen Erbe ist essentiell für das künftige Innen- wie Außenbild der Region. Vor diesem Hintergrund bringt der LVR seine interdisziplinären Kompetenzen zum Kulturerbe unter dem Leitgedanken „geSCHICHTEN Rheinisches Revier“ zusammen. Denn Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Reviers folgen nicht etwa der einen „Meistererzählung“ (z. B. des technischen Fortschritts), sondern einer Vielzahl von Handlungssträngen und Perspektiven. Entlang des Lebens mit Umbrüchen entwickeln wir eine rahmende, nah an den Menschen orientierte multiperspektivische Erzählung für das Rheinische Revier. Unter anderem erforschen wir den Alltag der Umsiedlung und dokumentieren unterschiedliche Facetten der gegenwärtigen Veränderungsprozesse, richten den Blick aber auch auf die letzten 7.500 Jahre.

  • Welche UmbruchsgeSCHICHTEN prägen das Rheinische Revier?
  • Wie können sie vermittelt werden?
  • Welche Rolle spielt das kulturelle Erbe für die gegenwärtige und zukünftige Selbst- und Fremdwahrnehmung der Region?

Panel IV Transregionale „geSCHICHTEN“ Andere ehemals schwerindustriell geprägte Regionen Deutschlands haben ähnliche Umbruchsprozesse durchlaufen bzw. tun es noch immer. Ohne Frage speichert die Industriekultur die Erinnerung an diese Vergangenheit. Sie kann damit auch zu einer selbstbewussten regionalen Identität verhelfen und diesen Regionen ein wichtiges kulturelles Kapital zur Gestaltung ihrer Zukunft mit an die Hand geben. Eine soziale Selbstverständlichkeit ist dies indes nicht. Vielmehr hängt eine mehr oder minder erfolgreiche postindustrielle Erinnerung von mindestens zwei Faktoren ab: zum einen davon, wie der wirtschaftliche Strukturwandel in der jeweiligen Region gehandhabt wird. Zum anderen bedarf es einer aktiven Förderung der Erinnerung an die schwerindustrielle Vergangenheit. Das heißt: (Zukunftsgerichtete) Erinnerungskulturen, gleich welcher Art, entstehen nicht von selbst, sondern werden aktiv errichtet, aufrechterhalten, angepasst und gegebenenfalls kritisch hinterfragt.

  • Wie werden „geSCHICHTEN“ über die Stein- bzw. Braunkohle im Ruhrgebiet, Sachsen-Anhalt und in der Lausitz erzählt?
  • Welche Akteur*innen und Perspektiven sind dort relevant?
  • Welche Kultur-, Zeit- und Erinnerungs(ge)SCHICHTEN dominieren in den Veränderungsprozessen dieser Regionen?
  • Welche Bedeutung haben schwerindustrielle „geSCHICHTEN“ für die jeweilige regionale Identität?
  • Wie werden diese (Erinnerungs-) Kulturlandschaften zukunftsorientiert weiterentwickelt?

Abschlussdiskussion