LVR-Institut für Landeskunde
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Tag der Demokratiegeschichte im LVR-Landeshaus: Kommunale Selbstverwaltung im Fokus

Podiumsdiskussion „Kommunale Selbstverwaltung jenseits der Sonntagsrede. Geschichte – Strukturen – Zukunft“ im LVR-Landeshaus (v. l. n. r.): Dr. Alexander Olenik (Moderation, LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte), Dr. Clemens Rehm (Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte), Christian Küsters (Städtetag NRW / Bürgermeister Nettetal), Dr. Ralf Nolten (Landrat Kreis Düren) und Ulrike Lubek (Direktorin des Landschaftsverbandes Rheinland)

Am 18. März 2026 wurde erstmals bundesweit der erste Tag der Demokratiegeschichte begangen. Aus diesem Anlass lud das LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte gemeinsam mit dem Landschaftsverband Rheinland und in Kooperation mit der Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte zur Veranstaltung „Selbstverständlich?! Selbstverwaltung und Demokratie vor Ort“ in das LVR-Landeshaus in Köln ein. Das Gebäude, das seit 2025 als Ort der deutschen Demokratiegeschichte ausgezeichnet ist, bot dafür einen ebenso symbolischen wie passenden Rahmen.

Demokratie vor Ort: Anspruch und gelebte Praxis

Im Zentrum der Veranstaltung stand die Frage nach der Bedeutung der kommunalen Selbstverwaltung für die Demokratie – historisch wie gegenwärtig. LVR-Direktorin Ulrike Lubek eröffnete die Veranstaltung mit einem klaren Plädoyer für Demokratie als gelebte Praxis: „Dieses Haus ist mehr als ein Verwaltungsgebäude. Es ist ein Ort gelebter Demokratie.“ Zugleich erinnerte sie daran, dass demokratische Grundwerte keine Selbstverständlichkeit sind, sondern täglich neu erarbeitet und verteidigt werden müssen.

Auch Anne Henk-Hollstein, Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland, betonte die zentrale Rolle der kommunalen Ebene. Sie verwies auf die wachsenden Anforderungen an Städte, Kreise und kommunale Verbände und warnte vor einer Überlastung: Kommunale Selbstverwaltung könne ihre demokratische Funktion nur dann erfüllen, wenn sie über ausreichende Handlungsspielräume verfüge.

Forschungsprojekt „Demokratie und Landschaft“

Ein inhaltlicher Schwerpunkt lag auf dem neuen Forschungs- und Vermittlungsprojekt „Demokratie und Landschaft“, das von Dr. Helmut Rönz, Leiter des Instituts, vorgestellt wurde. Im Mittelpunkt des Projekts steht die Frage, welche Rolle höhere Kommunalverbände für die Demokratisierung der Gesellschaft nach 1945 gespielt haben – und welche Bedeutung ihnen heute zukommt.

Rönz hob hervor, dass kommunale Selbstverwaltung ein zentraler Indikator für ein funktionierendes demokratisches Gemeinwesen sei. Gleichzeitig werde ihre Bedeutung oft erst dann sichtbar, wenn sie unter Druck gerate. Ziel des Projekts ist es daher, die kommunale Ebene stärker in das öffentliche Bewusstsein zu rücken und ihre Rolle innerhalb der Demokratiegeschichte sichtbar zu machen.

Podiumsdiskussion: Herausforderungen für die kommunale Selbstverwaltung

In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass die kommunale Selbstverwaltung aktuell vor erheblichen Herausforderungen steht. Finanzielle Belastungen, wachsende Aufgaben und zunehmende Regulierungen prägen die Situation vieler Kommunen.

Ulrike Lubek unterstrich die besondere Rolle der Landschaftsverbände als verbindende Ebene innerhalb der kommunalen Struktur. Sie erfüllen eine wichtige Ausgleichs- und Bündelungsfunktion und tragen zur Stabilität der kommunalen Solidargemeinschaft bei. Gleichzeitig warnte sie vor den Folgen zunehmender Bürokratisierung und einem daraus resultierenden Vertrauensverlust: Staatliches Handeln müsse nachvollziehbar und verlässlich bleiben.

Auch die weiteren Diskutanten – Dr. Ralf Nolten (Landrat des Kreises Düren), Christian Küsters (Städtetag NRW / Bürgermeister von Nettetal) und Dr. Clemens Rehm (Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte) – betonten die Notwendigkeit, kommunale Handlungsspielräume zu sichern, Verfahren zu vereinfachen und die Bedeutung der kommunalen Ebene stärker sichtbar zu machen.

Ein zentrales Ergebnis der Diskussion: Demokratie wird vor Ort konkret erfahrbar – und muss dort aktiv gestaltet, vermittelt und immer wieder neu ausgehandelt werden.

Demokratie sichtbar machen

Die Veranstaltung hat eindrücklich gezeigt, dass kommunale Selbstverwaltung weit mehr ist als ein organisatorisches Prinzip: Sie ist ein wesentlicher Bestandteil gelebter Demokratie. Gleichzeitig bleibt es eine dauerhafte Aufgabe, ihre Bedeutung zu vermitteln und ihre Rahmenbedingungen zu stärken.

Mit dem Projekt „Demokratie und Landschaft“ sowie Formaten wie dem Tag der Demokratiegeschichte leistet das LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte hierzu einen wichtigen Beitrag – am Ort der Demokratiegeschichte und darüber hinaus.

Bildnachweis:

© LVR-ILR (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte

Weiterführende Links:

Demokratie und Landschaft. Höhere Kommunalverbände und ihre Bedeutung für die Demokratiegeschichte nach 1945 - Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte

LVR-Seite zum Tag der Demokratiegeschichte: https://demokratie-staerken.lvr.de/de/gedenk__und_lernorte/tag_der_demokratiegeschichte/tag_der_demokratiegeschichte.html