LVR-Institut für Landeskunde
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Der Ton macht die Musik. Weihnachtliche Klänge und Klavierbau im Rheinland

Bildnachweis: Archiv der Firma RUD. IBACH SOHN GmbH & Co. KG

In vielen Familien gehört das gemeinsame Singen weihnachtlicher Lieder am Tannenbaum während der Feiertage zur festen Tradition. Wenn dann auch noch Mutter, Vater, Schwester, Bruder, Oma oder Opa den vielstimmigen Chor am Klavier begleitet, weiß jeder im Raum um die Festlichkeit des Augenblicks. Doch wer sind eigentlich die Hersteller des in den Hauptformen Flügel und Pianino auftretenden Instruments? Im Rheinland waren und sind noch immer eine große Anzahl Instrumentenbauer ansässig.

Denn der Klavierbau hat hier eine lange Tradition. Im Laufe des 19. Jahrhunderts erfuhr die Klavierindustrie einen Boom, als das Klavier insbesondere durch öffentliche Konzerte und Auftritte nicht nur in der bürgerlichen Oberschicht, sondern auch in breiten Bevölkerungskreisen populär wurde. Der Besitz und Gebrauch des Tasteninstruments wurde üblich. Um der Nachfrage der Bevölkerung nachzukommen, entwickelten sich sowohl die Klavierindustrie als auch die Produktpalette an Instrumenten stetig weiter. Ein regionales Beispiel für diesen Trend war das in Wuppertal ansässige Familienunternehmen Ibach.

Nachdem die Firma 1794 offiziell als „Werkstatt für Klavier- und Orgelbau“ von Johann Adoplh Ibach in Beyenburg gegründet worden war, wurden nicht nur Kunden aus dem Rheinland auf sie aufmerksam, sondern auch darüber hinaus. Nach der Übernahme des Betriebs durch seine Söhne wurden erste Verkaufsniederlassungen in Düsseldorf, Bonn und Essen errichtet. In den 1840er Jahren wurde insbesondere der Orgelbau beliebter, weshalb sich das Unternehmen fast 20 Jahre hauptsächlich auf den Bau von Orgeln spezialisierte, bevor es sich ab den 1860ern wieder verstärkt dem Klavierbau widmete. Der unternehmerische Erfolg schlug sich im Bau einer Fabrik in Barmen und der Gründung von Verkaufsniederlassungen in Schwelm, Köln und Düsseldorf nieder.

Bis zum Ersten Weltkrieg verzeichnete das Unternehmen hervorragende Verkaufszahlen. Die in die Hunderte angewachsene Belegschaft stellte jährlich ca. 5.000 Klaviere her. In dieser Zeit zeichnete sich die RUD. IBACH SOHN Gmbh & Co. KG neben ihrer handwerklichen Qualität durch ein hohes Maß an Experimentierbereitschaft und Innovationsfreude aus. Die Mehreinnahmen sind ebenfalls durch erweiterte Absatzmärkte erzielt worden: neben den Niederlanden wurden Kunden im Niederrheingebiet sowie im Sieger- und Sauerland zu Hauptabnehmern der Klaviere.

Einen großen Beitrag zur Popularität des Unternehmens leisteten weltbekannte Komponisten und Künstler, die auf Klavieren des Familienunternehmens spielten. Zu diesen gehörten Clara Schumann, Franz Liszt und Johannes Brahms. Mehr noch schaffte es Richard Wagner das Ansehen der Klaviere aus dem Hause Ibach zu steigern. Auf dem Flügel „Nr. 7.000“ komponierte er 1879/80 Teile des „Parsifal“ und bezeichnete das Modell einst als „seinen freundlichen Tongehilfen“. Die Popularität des Unternehmens veranlasste auch Unternehmerfamilien anderer Branchen, wie Thyssen oder Krupp, auf Ibach-Klaviere zurückzugreifen. Für sie wurden jeweils Sondermodelle angefertigt.

Nicht anders als heute war es damals üblich, dass die Firma Ibach einige Veranstaltungshäuser und Konzertsäle sponserte. Der Veranstaltungssaal im Stadtmuseum Düsseldorf trägt noch heute den Namen der rheinischen Klavierbauerfamilie.

Das bis 2007 in der Familie gebliebene Unternehmen hatte einen unschätzbaren Einfluss auf die Industrie des Klavierbaus im Rheinland und die Entwicklung des Tasteninstruments als Musikinstrument der breiten Bevölkerung. Nennen auch Sie ein Tischklavier oder Flügel aus dem Hause Ibach Ihr Eigen? Eines ist gewiss: In der Weihnachtszeit bleiben die Häuser und Wohnungen – mit oder ohne Klavierbegleitung – nicht stumm.

Wenn Sie mehr über den Klavierbau im Rheinland erfahren möchten, lesen Sie gerne unseren dazu erschienenen Beitrag im „Portal Rheinische Geschichte“ [hier klicken!]

Quizfrage: Welcher bekannte Musiker brachte der Firma Ibach internationale Popularität ein?

Die Antwort senden Sie bitte an lavinia.fahnster@lvr.de.