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Die Zukunft der Vergangenheit – Ein Methodenvergleich von KI und Citizen Science in der Erschließung eines digitalen Bildbestands
Wolfgang Schiffer/LVR (ws-0169-09a/Archiv des Alltags im Rheinland) | Landarbeiter laden Zuckerrübenblätter auf einen Anhänger, der an einem Traktor hängt – ein typisches Schiffer-Bild.
Das wissenschaftliche Erschließen digitaler Bildsammlungen gehört zu den Kernangelegenheiten des kulturanthropologischen und historischen Betätigungsfelds. Die Bilder werden inventarisiert, mit Metadaten versehen und anhand sorgfältig recherchierter Kontextinformationen für weitere Forschungen zugänglich gemacht. Doch ist dieser Arbeitsprozess im hohen Maße zeitaufwändig, die bisherige Methode der einzelnen Erfassung durch Menschen wenig effizient.
Um diesem Problem zu begegnen, werden die neuen Chancen der künstlichen Intelligenz in Betracht gezogen. Da KI heutzutage für eine stetig wachsende Zahl an Aufgaben eingesetzt wird, soll in diesem Pilotprojekt untersucht werden, ob sie dazu genutzt werden kann, digitale Bildbestände in größeren Mengen und kürzerer Zeit zuverlässig zu erschließen.
Zu diesem Zweck sieht das Projekt vor, ein kleines Konvolut aus einem umfangreichen Sammlungsbestand alter landwirtschaftlicher Fotografien zu analysieren: Einerseits mittels KI, andererseits durch eine Expertengruppe im Sinne des Crowdsourcing bzw. der Citizen Science. Die Ergebnisse daraus sollen miteinander sowie mit den vom Urheber, Dr. Wolfgang Schiffer, mitgelieferten Kontextinformation auf ihren Gehalt hin verglichen werden. Das Ziel ist es, die Möglichkeiten der KI für größer angelegte Erschließungsprojekte auszuloten.
Dr. Wolfgang Schiffer (1927-1999) war einer der renommiertesten deutschen Landwirtschaftsfotografen des 20. Jahrhunderts. Schiffer dokumentierte detailliert das bäuerliche Leben in Deutschland von 1950 bis 1990. Im Jahr 2002 überließ die Tochter von Dr. Schiffer den Nachlass aus 370.000 Einzelmotiven auf 10.000 Negativtaschen, 600.000 Papierabzügen und 700 Dias dem Archiv des LVR-Instituts für Landeskunde und Regionalgeschichte in Bonn. Seither wird dort die „Sammlung Schiffer“ stetig digitalisiert, erschlossen und für wissenschaftliche Projekte wie Ausstellungen verwendet.
Da sich das aus der Sammlung herausgegriffene, auf etwa 150 Bilder eingegrenzte Konvolut auf den thematischen Bereich der Entwicklung landwirtschaftlicher Gerätschaften weg von Eigenkonstruktionen durch die Bauern und hin zu kommerzialisierten Maschinen beschränkt, ist vorgesehen, für den Citizen-Science-Teil des Projekts fachkundige Interessierte zu gewinnen, die sichere Aussagen zu den abgebildeten Fahrzeugen treffen können.
Daher sind Sie nun gefragt: Wenn Sie sich für alte Traktoren interessieren oder allgemeine Fachkenntnisse über die Landwirtschaftstechnik der Nachkriegsjahrzehnte haben, kontaktieren Sie uns gerne und tragen Sie mit Ihrem Wissen zu unserem Projekt bei!
Ansprechpartner
Frederic Kausch
Mail: frederic.kausch@lvr.de
Tel.: 0228-9834 241
