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Pützchens Markt
Mit der Kamera zur Kirmes
Süßes in pink: Süßigkeitenbude auf Pützchens Markt
Die "Beueler Mädchen" freuen sich auf den Festumzug, die Lebkuchenherzen kommen mit.
Pützchens Markt: Schausteller beim Festzug
Ende der 1970er Jahre drehte das Amt für rheinische Landeskunde (unser heutiges ILR) drei Filme über das traditionsreiche Volksfest Pützchens Markt in Bonn und die Adelheidiswallfahrt, aus der sich der Jahrmarkt herausgebildet hat. Nun weckt Pützchens Markt unter aktuellen kulturwissenschaftlichen Fragestellungen einmal mehr die Neugier der Volkskunde-Abteilung. Mit Blick auf das 650-jährige Jubiläum im Jahr 2017 soll eine neue Film-Dokumentation entstehen. Dabei werden die vielfältigen kleineren und größeren Rituale rund um das Jahrmarktsgeschehen zwischen Festumzug und Geisterbahn, zwischen Kettenkarussell und Fassanstich, zwischen Zuckerwatte und Straußwirtschaft in den Blick genommen. Untersucht werden die vielschichten Bedeutungen und Funktionen, die das Fest für ganz unterschiedliche Protagonisten hat.
Die 1977 entstandene Doku-Reihe über Pützchens Markt und Adelheidisverehrung vermittelt aus heutiger Sicht einen gewissen Retro-Charme. Nicht nur, weil sie als zeitgeschichtliches Dokument Einblicke in Alltags- und Festkultur der 1970er Jahre gibt, sondern auch, weil Filmsprache und inhaltlicher Fokus ganz dem damaligen Zeitgeist verpflichtet sind. Die volkskundlich-filmischen Interessen lagen eher im minutiösen Nachzeichen des Ablaufs von Wallfahrt und Kirmes und ihren einzelnen Elementen. Aus heutiger Sicht sind diese Dokumentationen nicht nur eine Fundgrube, um einen Eindruck vom damaligen Fest zu bekommen, sondern auch Beleg für den Wandel volkskundlichen Arbeitens.
Auf dem Jahrmarkt: Bunte Plüschhunde mit Sonnenbrille
Arbeiten auf dem Jahrmarkt
Luftballons und Fahrgeschäft auf Pützchens Markt
Die für 2016 geplanten neuen Filmarbeiten möchte vor allem der Frage nachgehen, welche Menschen auf dem Volksfest zusammenkommen und welche Interessen und Motivationen der Jahrmarkt spiegelt. Denn wenn sich auf dem Rummelplatz fünf Tage lang rund eine Millionen Besucherinnen und Besucher tummeln, dann mag das aus der Vogelperspektive nach einer vergnügungsbereiten Menschenmasse aussehen. Der nahe Blick aber zeigt, auf welch unterschiedliche Weise sich die Akteure das Volksfest aneignen. Worin besteht für sie die Faszination am Kirmesgeschehen? Welche Bedürfnislagen werden dort ausgehandelt und welche Rituale - private wie institutionelle - bilden sich dabei heraus? Wie sind diese möglicherweis miteinander verzahnt?
Nah an exemplarischen Protagonistinnen und Protagonisten soll die geplante Filmdokumentation diese Fragen beantworten. Nach ersten Recherchen in diesem Jahr sollen die Dreharbeiten 2016 begingen. Die Kamera begleitet dann möglicherweise: Den 20jährigen Kirmes-Fan, der begeistertet Mitglied im Förderverein „Freundeskreis Pützchens Markt“ ist; die ansonsten ernährungsbewusste Bonner Familie, für die Zuckerwatte und Bratwurst beim Kirmesausflug selbstverständlich dazugehören; den Schützenbruder in Uniform, der einer Fahrt in der Geisterbahn nicht wiederstehen kann; die Lokalpolitikerin, für die der Besuch im Festzelt auch ein Stück Öffentlichkeitsarbeit ist; den Rechtanwalt, der mit seinen Kanzlei-Mitarbeitern einen spontane Betriebsausflug macht; oder die Anwohnerin, die am Wochenende vorübergehend in die Rolle der Schaustellerin schlüpft und Waffeln verkauft. Inwieweit gibt es Schnittstellen zwischen all diesen Menschen, was verbindet sie? Wie sieht ihre individuelle Sicht auf das Jahrmarktgeschehen aus?
Vor dem Festumzug auf Pützchens Markt: Drei Männer vom "Freundeskreis Pützchens Markt".
Fahrgeschäft auf Pützchens Markt
Süße Grüße vom Pützchens Markt
Die Neuauflage der Filmarbeiten bietet darüber hinaus auch die Möglichkeit, exemplarisch am Phänomen Jahrmarkt und Volksfest kulturelle Transformationsprozesse zu beobachten. Pützchens Markt steht so auch exemplarisch für ein Stück kulturellen Erbes, das sich dynamisch entwickelt und an veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen anpasst, um lebendig zu bleiben.
Über die weiteren Planungen zum Film-Konzept informieren wir auf dieser Homepage.
