LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Dazwischen oder längst schon mittendrin?

Der Alltag junger Menschen mit Fluchterfahrung

Geht es um das Thema Flucht und Vertreibung, kommen oft abstrakte Zahlen ins Spiel. Etwa wie viele geflüchtete Menschen stammen von woher? Wie viele Flüchtlinge kann ein Land, eine Stadt, ein Kommune aufnehmen? Oftmals werden organisatorische, rechtliche, soziale oder politische Herausforderung im Umgang mit Geflüchteten diskursiv verhandelt. Einzelschicksale geraten über solche thematische Fokussierung schnell aus dem Blick oder die Medienberichterstattung stellt exemplarische Fluchtbiografien in den Mittelpunkt, wobei Wege aus den Herkunftsländern nachgezeichnet oder Situationen an Grenzen und in Aufnahmelagern mit drastischen Bildern vermittelt werden. Über den konkreten Alltag derjenigen, die bereits länger in Deutschland angekommen sind und versuchen, hier Fuß zu fassen, ist in der breiten Öffentlichkeit wenig bekannt. Ein Ausstellungs- und Forschungsprojekt soll diese Lücke schließen und Einblicke in alltägliche Lebenswelten geflüchteter junger Menschen geben.

Eine Gruppe Kostümierter hält ein Banner hoch, auf dem steht: Vielfalt ohne Grenze janz Jodesbersch sull glänze. Vielfalt im Karneval: Junge Geflüchtete von AsA e.V. beteiligten sich am Bad Godesberger Karnevalszug

Das ILR kooperiert dafür mit dem Bonner Verein „AsA e.V. Ausbildung statt Abschiebung“. Mit Unterstützung von AsA kommt das ILR in Kontakt mit Jugendlichen und jungen Erwachsen, die eine Fluchterfahrung haben und nun im Bonner Raum leben, zur Schule gehen, eine Ausbildung machen oder einem Beruf nachgehen. Zentraler Bestandteil des Projektes sind Interviews, in denen diese jungen Leuten von ihren alltäglichen Tagesabläufen, von Herausforderungen, Erfolgen und Zukunftsträumen erzählen. Das Projekt untersucht, welche Hürden die jungen Menschen in ihrem Alltag bewältigen, welche Potentiale sie mitbringen und welche Strategien sie entwickeln, um Anker in einer Gesellschaft zu finden, in der sie sich neuorientieren müssen. Darüber hinaus geht es auch um subjektive Vorstellungen von „Heimat“ und in inwieweit Gefühle der Zugehörigkeit im Kontext von prekären Lebenssituationen und Unsicherheiten entstehen.

Ergebnisse des Projektes sollen in einer Ausstellung präsentiert werden. Die Ausstellung möchte authentische Einblicke in die Lebenswelten von jungen Menschen geben, über die im gesellschaftlichen Diskurs um Flucht um Migration zwar oft geredet wird, mit denen die breite Öffentlichkeit aber nur selten direkt in Kontakt kommt. Bisherige Gruppendiskussionen, kurze Gespräche und längere Interviews mit den beteiligten Jugendlichen machten bereits deutlich: Die jungen Leute haben vielfältige Erfahrungen gemacht, sie sind bereit, von diesen Erfahrungen zu erzählen, sie zu reflektieren, und individuelle Meinungen zu äußern. Kurzum, sie haben etwas zu sagen. AsA e.V. und dem ILR ist es wichtig, diese Stimmen lauter werden zu lassen in einer in der Ausstellung ein Gesicht zu geben.

Aktuell ist die Interviewphase für dieses Projekt angelaufen, muss jedoch derzeit wegen der eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten im Zuge der Corona-Pandemie ruhen. Wir informieren an dieser Stelle, wie und wann es weitergeht. Wir wünschen AsA e.V. und allen beteiligten Jugendlichen: Bleibt gesund und kommt gut durch diese Zeiten!

Ansprechpartnerin
Gabriele Dafft
LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte
Endenicher Str. 133
53115 Bonn
Telefon: +49 (0) 228 9834 - 207
E-Mail: Gabriele.Dafft@lvr.de