LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Mit Gebet und Gebell.

Tiersegnung und -wallfahrt als religiöse Handlungen

2012/2013
Buch und Regie: Andrea Graf
Länge: 50 Minuten
Preis: 15 Euro
Signatur: A24

Cover Tiersegnung: Grafik eines braunen Kreuzes mit Tieren darin auf gelbem Grund

Tiere sind aus dem Alltagsleben des Menschen nicht wegzudenken: Sie dienen nicht nur als Nahrungsspender und Arbeitskraft, sondern auch als Beschützer und treue Partner.

Zur Kulturgeschichte des Mensch- und Tierverhältnisses sind in den vergangenen Jahren zahlreiche fachliche Publikationen erschienen, die die aktuelle Relevanz des Themas verdeutlichen. Manche Tiere sind Prestigeobjekte, Zeichen von Macht und Einfluss, z. B. im Pferdesport, die meisten jedoch bleiben anonym und ihre Lebensbedingungen – als sogenannte Nutztiere – sind vielen Menschen unbekannt.

Ein Aspekt des Verhältnisses von Mensch und Tier, der viel über die Beziehung verrät, sind Haustiere und religiöse Rituale. Die Volkskundler des LVR-ILR widmeten sich diesem Thema filmisch und dokumentierten Formen und Funktionen der Einbindung von Haustieren in religiöse Handlungen der Gegenwart. Religion und Spiritualität sind ein wichtiger Teil des Alltagslebens des Menschen. Auch Tiere haben in religiösen Vorstellungen ihren Platz: bereits in der biblischen Schöpfungsgeschichte wird auf die Rolle des Tieres als vom Menschen zu beherrschendes Lebewesen verwiesen. Das Verständnis vom Tier hat sich jedoch im Bereich der Haustiere stark gewandelt, heute wird es zumeist als Mitgeschöpf betrachtet.

Wenn Menschen ihren Tieren den christlichen Segen zuteilwerden lassen wollen, wird deutlich, welche Bedeutung das Tier für sie hat. Noch vor hundert Jahren bekamen in katholischen Gemeinden die Stalltiere als Schutz vor Unheil oder gegen Krankheiten gesegnetes Wasser oder Brot verabreicht – schließlich waren sie das wichtigste Kapital des Haushalts. Starben die Tiere, so mussten oftmals auch die Menschen hungern. Heilige, die als Schutzpatrone für bestimmte Tierarten fungierten, wurden an ihrem Gedenktag geehrt und angerufen. Ganz selbstverständlich wurde zur Einweihung eines neuen Stalls der Geistliche gerufen, um Gebäude und auch seine Bewohner zu segnen. Um die Beziehung des heiligen Franziskus von Assisi zu den Tieren ranken sich zahlreiche Legenden. Sein Heiligentag, der 4. Oktober, ist heute zugleich Welttierschutztag.

Gerade in den letzten 5-15 Jahren haben sich in vielen Gemeinden Tiersegnungen und -gottesdienste, vor allem um die Tage der Heiligen Franziskus von Assisi, Antonius und Brigitta, neu etabliert, so etwa im Franziskanerkloster Velbert-Neviges.

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