LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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flottikowski

Stammt flottikowski aus dem Ruhrgebiet? Das Wort ist nach dem Vorbild von Familiennamen wie Barinowski und Kalinowski gebildet, von Namen also auf -ikowski. Solche slawisch aussehenden Familiennamen gibt es besonders oft im Ruhrgebiet, was den Arbeitsmigranten des 19. und 20. Jahrhunderts zu verdanken ist.

Die Karte beruht auf einer Fragebogenerhebung. Im westlichen Ruhrgebiet ist flottikowski bekannt, weitere Bestätigungen für diese Juxvokabel kamen vom Niederrhein und aus dem Bergischen Land. Im Aachener Raum und in der Nordeifel ist flottikowski dagegen offensichtlich weniger geläufig. Dieses Kartenbild kann als Indiz dafür genommen werden, dass flottikowski sich tatsächlich vom Ruhrgebiet aus ausgebreitet hat.

Der Wortbauplan ähnelt dem von Marmelitschka, Kontroletti oder futschikato: Wie blass sehen dagegen Marmelade, Kontrolleur oder futsch aus!

Bei der Erhebung des ILR-Instituts für Landeskunde und Regionalgeschichte haben insgesamt nur vergleichsweise wenige Menschen die Frage nach der Bekanntheit von flottikowski bejaht. Von acht Gewährsleuten in Essen waren dies beispielsweise nur zwei, in Mülheim an der Ruhr eine von sechs, in Duisburg nur eine von acht. Auch anderswo erweist sich flottikowski als Minderheitenwort, in Köln blieben acht von zehn Menschen das Wort schuldig.

Damit gehört flottikowski zu einer besonderen Wortgruppe der regionalen Umgangssprache: zu den "seltenen Wörtern". Dies sind Vokabeln, die a) nur wenigen Menschen vertraut sind und/oder b) auch nur selten zu hören sind. Sie sind deshalb jedoch noch lange nicht zum Aussterben verurteilt: Denn sie haben "ihre" Fans: Menschen, die gern mit Sprache spielen und die vielleicht auch tschüssikowski sagen, wenn sie beim Abschied einen besonderen Effekt erzielen wollen.

Georg Cornelissen

Literatur: