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    Karte zeigt die Verteilung der unterschiedlichen Wörter für Kesselskuchen in Bonn

    Im Jahr 2011wurde in Bonn eine Erhebung durchgeführt, die sich mit der Dokumentation des Bönnschen beschäftigte. Dafür wurden Fragebögen ausgegeben, auf denen auch die Frage nach der mundartlichen Bezeichnung für ein traditionelles rheinisches Gericht, das typischerweise an Sankt Martin gegessen wird, vermerkt war. Die Gewährspersonen meldeten neben Kesselskooche (in seinen Lautvarianten) auch Döppekooche, K(n)üles, (Diejels-, Kessels-)Knall/Knällche oder Puttes (jeweils in unterschiedlichen Lautvarianten). Wo welche dieser Varianten am geläufigsten ist, zeigt die Sprachkarte.

    Die Punktsymbole mit unterschiedlicher Farbeinteilung verweisen dabei auf die einzelnen Varianten: Kesselskooche (blau), Döppekooche (pink), K(n)üles (grün), (Diejels-, Kessels-)Knall/Knällche (flieder/violett) und Puttes (gelb). Die Füllung des Punktes mit der jeweiligen Farbe verweist dabei darauf, wie viele Gewährspersonen in Prozent die jeweilige Variante nannten.

    So dominieren für 'Kesselskuchen' im Zentrum der Stadt (Zentrum, Südstadt, Weststadt, Nordstadt, Castell) die Varianten Kesselskooche (blau) und Döppekooche (pink). Döppekooche meldete etwa jede dritte Gewährsperson aus Bonn für das traditionelle Martinsessen aus Kartoffeln, Fleisch und Zwiebeln. So gaben Fragebogenbearbeiter*innen aus allen Stadtbereichen Bonns diese Variante an und auch im rheinland-pfälzischen Teil des Rheinlandes (bei Cochem, Koblenz, Mayen und Neuwied) ist sie geläufig. Auch im Rheinischen Wörterbuch ist Döppekooche bereits vermerkt als Gericht aus geriebenen Kartoffeln, die in Öl im Tiegel und nicht in der Pfanne gebacken werden (RhWB, Band 1, Sp. 1575). Dabei meint das Bestimmungswort Döppe ‚Topf‘ das Gefäß, in dem das Gericht zubereitet wird; meist ist damit ein irdenes, hohes Gefäß aus gebranntem Ton oder Steingut mit zwei Henkeln gemeint, das seltener auch aus Porzellan oder Holz, allerdings nie aus Eisen, gefertigt ist (RhWB, Band 1, Sp. 1569). Auch der Kessel bezeichnet, ähnlich wie Döppe, das Gefäß, in welchem gekocht wird. Allerdings ist dieser Kessel meist größer und emailliert (RhWB, Band 4, Sp. 434). Die westlichen Stadtteile (Dransdorf, Lessenich/Meßdorf, Endenich, Lengsdorf, Duisdorf) essen am liebsten Kesselskooche, genau wie ihre Nachbarn in der Gemeinde Alfter. Diese Variante ist ebenfalls bereits im Rheinischen Wörterbuch verzeichnet und bezeichnet dort einen dicken Kartoffelreibekuchen (RhWB, Band 4, Sp. 436f.).

    Im südlichen Bonn (Poppelsdorf, Kessenich, Dottendorf, Ippendorf, Ückesdorf, Röttgen) meldeten Gewährspersonen dann eine weitere Variante neben Kessels- und Döppekooche: K(n)üles. Je weiter man nach Süden fährt, desto häufiger wurde diese Form gemeldet. In Bad Godesberg ist K(n)üles sogar die am häufigsten genannte Variante; auch in Wachtberg meldeten Gewährspersonen überwiegend diese Form. K(n)üles bezeichnet wohl ähnlich wie die uns bekannteren Wörter Knopf, Knauf oder Knubbel und Knolle etwas Kleines oder Rundes, das verdichtet ist. Damit meint diese Variante wohl eine verdickte Variante des Reibekuchens.

    Im Norden der Stadt (Graurheindorf, Auerberg, Buschdorf, Tannenbusch) und im Bezirk Beuel sind hingegen die Formen (Diejels-, Kessels-)Knall und Knällchen am geläufigsten.Ähnlich wie K(n)üles besteht bei Knall und Knällchen wohl ein Zusammenhang mit den Begriffen Knauf oder Knubbel und bezeichnet dann etwas Kleines oder Rundes.

    Eine weitere Variante für das Traditionsgericht am Martinstag ist in den Bonner Stadtgebieten außer im Norden kaum geläufig und wurde hauptsächlich aus Niederkassel, Troisdorf und St. Augustin gemeldet: Puttes. Im Rheinischen Wörterbuch ist diese Variante verzeichnet mit der Bedeutung ‚dicker Reibekuchen aus rohen geriebenen Kartoffeln mit Zwetschen, im Tiegel gebacken‘ (RhWB, Band 6, Sp. 1242).

    Deutlich wird aus diesem Kartenbild, dass nahezu jeder Ortsteil seine eigene Variante für das den ‚Kesselkuchen‘ hat – Kesselskooche und seine Varianten sind so eine Besonderheit des Bönnschen. Gemein ist allen Bezeichnungen, dass sie jeweils das Gefäß, in dem das Gericht zubereitet wird, als Bestimmungswort benennen.

    So vielfältig wie die Bezeichnungen des traditionellen Martinsessen sind, so unterschiedlich sind auch die verschiedenen Rezepte und Zutaten. Gleich bleibt immer, dass es sich um eine Masse von Kartoffeln, Fleisch und Zwiebeln handelt. Wie die Kartoffeln jedoch zubereitet sind – geschnitten oder geraspelt – und welches Fleisch verwendet wird – Speck, Blutwurst, Mettwurst – das ist in den einzelnen Stadtteilen und Gebieten Bonns durchaus verschieden.

    Sarah Puckert

    Literatur: