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    Dialektkarte zur Verbreitung der Varianten von "Hund"

    In den meisten Dialekten des Rheinlands wird der Hund als Hond oder Honk bezeichnet. Hond (rotes Kreissymbol) herrscht am Niederrhein vor und Honk (hellblaues Kreissymbol) im südlichen Teil der Karte. Die nördlichsten Honk-Belege stammen aus Wankum und aus Hülser Berg (in Krefeld). Dabei ist Hond die ältere Form, aus der Honk dann entstanden ist; dieser Lautwandel wird "Velarisierung" genannt. Er zeigt sich beispielsweise auch in Formen wie angersch 'anders', onger 'unter' oder Hank 'Hand'. Man geht davon aus, dass die Verbreitungsgebiete der velarisierten Formen von Köln und dem Kölner Dialekt geprägt wurden.

    Neben Hond ist auch Hund (rotes Dreieck) zu hören, beispielsweise in Bonn, im Bergischen Land Haund (rotes Quadrat). Entsprechende Varianten von Honk lauten Hunk (hellblaues Dreieck) zu finden unter anderem in Mönchengladbach und Hounk in Jüngersdorf (Langerwehe) (hellblaues Quadrat).

    Im Selfkant ganz im Westen des Rheinlands sind "moullierte" Formen beheimatet: Hondj (u.a. in Gangelt) und Hundj (u.a. in Höngen) (beide: gelb). Am Rand des Honk-Gebiets werden vereinzelt die Lautformen Hongd in Stahe (Gangelt) und Hungd u.a. in Baldenberg (Bergneustadt) gemeldet (beide: braun). In Stahe wurden vier verschiedene Lexeme für Hund genannt, daher ist der Ort mit einem in lila gefärbten Punkt versehen. In der Nachbarschaft zu Westfalen kennen die Dialektsprecher die Bezeichnung Rüe (mit lautlichen Varianten) für den Hund im Allgemeinen (R). Unter anderem wurde Rüe im Raum Radevormwald angeben, z.B. in Herbeck. Rüe ist eins der typischsten Wörter für das Westfälische und es meint, anders als Rüde im Hochdeutschen, eben nicht den männlichen Hund.

    Georg Wenker hat auf seinem Dialektfragebogen in den 1880er Jahren ebenfalls nach 'Hund' gefragt. Auf der Basis dieses Materials wurde von Theodor Frings 1926 eine Hund-Karte für das Rheinland gezeichnet. Vergleicht man die Antworten der Gewährsleute von 2017/2018 mit der Wenker-Frings-Karte (Frings 1926/66, S. 161), fällt auf, dass die Varianten Hondj/Hundj und Hongd/Hungd offensichtlich seltener geworden sind. Die Wenker-Daten sind auch bei einer Karte für das Gebiet der heutigen Großstadt Essen verwendet worden.

    Allerdings muss man auch die hier angewandte Kartierungsmethode in Rechnung stellen: Für jeden Ortspunkt wurde genau eine Variante berücksichtigt; waren von den Gewährspersonen eines Ortes zwei oder mehr Varianten gemeldet worden, wurde die am häufigsten genannte in die Karte eingezeichnet. Lila wurde gewählt, wenn mehrere Varianten für einen Ort gleich oft aufgetaucht waren.

    Von den Gewährsleuten genannt, auf der Karte aber nicht berücksichtigt wurden:
    Houng: Gangelt
    Houndj: Stahe (Gangelt)

    Einmal wurde Hun gemeldet, diese Variante kommt in Korschenbroich vor. Die vier übrigen Gewährspersonen aus diesem Ort gaben Honk an.

    Die FragebogenbearbeiterInnen haben ferner eine Reihe weiterer Bezeichnungen verwendet, die für die Karte nicht berücksichtigt wurden: Dies waren in der Reihenfolge der Häufigkeit: Möpp in beispielsweise Köln, Köter in Aachen und Kilf in Hamminkeln. Nur je einmal tauchten Bello im Raum Velbert, Fex in Kaldenkirchen und Töle in Steele (Essen) auf.

    Georg Cornelissen/Christina Dick

    Literatur:

    Bildnachweis (Teaser):