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    Karte, die die Verbreitung der unterschiedlichen Wörter für Hund in Essen (1885) zeigt

    Ein schwarzer Hund konnte früher im Raum Essen als schwatten Rüe, schwatten Hund oder schwatten Honk bezeichnet werden; weitere Lautvarianten in den alten Dialekten waren Haund/Hound, Hond und Hong. Auf der Karte sind die Bezeichnungen für diesen Vierbeiner eingetragen, wie sie auf den Fragebögen zu finden sind, die von den Lehrern im Rahmen der Dialekterhebung Georg Wenkers im ausgehenden 19. Jahrhundert ausgefüllt wurden.

    Rüe – in der Bedeutung 'Hund', nicht 'Rüde'! – gilt als typisch westfälisches Wort. Seine Verbreitung auf der Karte lässt das auch sehr schön erkennen: Die Rüe-Belege für Katernberg, Schonnebeck, Frillendorf und Steele bilden einen westlichen Ausläufer des westfälischen Verbreitungsgebiets dieses Wortes.

    Im Süden haben Kettwig und Kettwig vor der Brücke das für das Rheinland typische Honk (Hong), mit "Velarisierung" also. In der Nachbarschaft, zwischen Haarzopf und Heisingen, benutzten die Dialektsprecher die Lautvariante Haund/Hound. Die sprachgeografische Komposition, die diese Karte zeigt, ist alles andere als zufällig: Haund setzt sich im Westen nach Mülheim hin fort, Honk zum Südwesten hin, Hond (in Frintrop und Dellwig) zum Niederrhein hin und Hund zum westfälischen Norden und Osten hin. Hier mussten sich Hund und Rüe aber das Revier teilen.

    Als die Menschen im Ruhrgebiet noch Platt sprachen, bestanden zwischen Nachbarorten deutliche Sprachunterschiede. Schon wenn jemand nur schwatten Rüe oder schwatten Haund sagte, war für die Einheimischen zwischen Emscher und Ruhr der Fall ziemlich klar.

    Die Karte stellt sowohl einen lexikalischen Gegensatz (RüeHund, Hond usw.) als auch die räumliche Verbreitung lautlicher Varianten (Hund, Honk, Haund usw.) in den alten Dialekten dar.

    Georg Cornelissen

    Literatur: