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  • Dialekt à la carte: Streichholz

    Karte mit der Verbreitung der unterschiedlichen Wörter für Streichholz Wortkarte "Streichholz" aus dem Dialektatlas Westmünsterland – Achterhoek – Liemers – Niederrhein

    a) Begriff

    Die Streichhölzer in der heute üblichen Funktionsweise als Sicherheitszündhölzer wurden 1848 von Rudolf Christian Böttger eingeführt und sind seit Beginn des 20. Jahrhunderts allgemein üblich; im Jahre 1907 wurden nämlich die seit etwa 1830 verbreiteten und sehr leicht entzündlichen Phosphor- oder Schwefelhölzer in Deutschland verboten. Umgangssprachlich finden sich im Wesentlichen zwei Areale: in ganz Mittel- und Norddeutschland Varianten von Streichholz, in Süddeutschland Varianten von Zündholz, das gleichzeitig die "amtliche" Form genannt werden könnte, da es auf den Streichholzschachteln verwendet wird (Eichhoff 1977/78, Bd. 2, 22 und Karte 75).

    b) Heteronymik

    Das deutsche Standardlexem Streichholz wird nur an zwei Orten (Vreden, Heiden) als Zweitmeldung genannt, findet sich aber als Lehnübersetzung in der Form Striekholt im Raum Anholt-Raesfeld, in Kleve-Elten und in Legden. Daneben findet sich in fast allen Orten des Niederrheins und des Liemers die Diminutivform Striekhöltje, -höltche, Striekhoutje, was im Hinblick auf die niederländischen Belegorte natürlich nicht als standardsprachlicher Einfluss oder Stützung durch die Standardsprache interpretiert werden kann, sondern eher als Reliktlage eines älteren Heteronyms. Im Achterhoek findet sich daneben ein Reliktwort mit demselben Bestimmungswort, Strieksweevel (in Lochem, Ruurlo und Hengelo ausdrücklich als veraltet bezeichnet). Fast alle niederländischen Belegorte weisen daneben das Standardlexem lucifer auf (Ausnahmen: Zeddam, Wehl, Oud-Zevenaar und Leuth).

    Im östlichen Teil des Westmünsterlandes ist Sticke meist als einziges Heteronym genannt worden; das Areal ist Teil eines größeren westfälischen Gebietes (vgl. Eichhoff 1977/78, Bd. 2, Karte 75).

    Am Niederrhein findet sich in Gemengelage mit Striekholt-Varianten das wohl veraltete Heteronym Striekspoon, -spööntje (im Deutschen Wortatlas: Bd. 3, Karte 12 noch mit einigen Meldungen unmittelbar am Rhein zwischen Lippemündung und Kleve vertreten).

    c) Wortgeographische Deutung

    Auf der niederländischen Seite der Staatsgrenze hat lucifer, wie zu erwarten, fast alle Belegorte erreicht, auf der deutschen Seite scheint sich das Standardlexem Streichholz aber nicht durchsetzen zu können und eine Lehnübersetzung auch nur am Niederrhein und im westlichen Westmünsterland, während östlich davon Sticke sich behauptet; vielleicht, weil es auch in der hochdeutschen Umgangssprache neben Streichholz gebraucht wird.

    Ludger Kremer

    Literatur: