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  • Dialekt à la carte: Staubsauger

    Karte mit der Verbreitung der unterschiedlichen Wörter für Staubsauger Wortkarte "Staubsauger" aus dem Dialektatlas Westmünsterland – Achterhoek – Liemers – Niederrhein

    a) Begriff

    Der Staubsauger ist als technische Neuerung sicher ein Kind der Zwischenkriegszeit, wird im Untersuchungsgebiet aber wohl nicht vor den fünfziger Jahren eingeführt worden sein. Die standardsprachlichen Benennungen entsprechen einander in Wortbildungsweise und –motivik: dem deutschen Staubsauger entspricht niederländisch stofzuiger. Die Bildung einer mundartlichen Entsprechung ist als einfache Lehnübersetzung möglich: Stoffsuger/Stoffsüger.

    b) Heteronymik

    Der deutsche Teil des Untersuchungsgebietes wird beherrscht vom standardsprachlichen Lexem Staubsauger, das also als Lehnwort in die Dialekte übernommen worden ist. Dies gilt im Kleverland in geringerem Maße als im Westmünsterland. Die niederländische Standardform stofzuiger wird dagegen nirgendwo gemeldet, vielmehr gilt im niederländischen Teil des Untersuchungsgebietes ausschließlich die Lehnübersetzung Stoffsüger bzw. Stoffsuger (letzteres nur in Eibergen und Winterswijk). Vereinzelt findet sich auch im deutschen Untersuchungsgebiet die Lehnübersetzung, insbesondere am Niederrhein, wo allerdings auch die meisten Belege für die ursprünglich wohl scherzhafte Neubildung Hüülbessem (und Varianten) vorkommen. Meine mündliche Befragung Mitte der siebziger Jahre erbrachte weit weniger Lehnübersetzungen und keinerlei scharzhafter Bildung, weil bei der Befragung auf den normalsprachlichen Gebrauch verwiesen werden konnte (vgl. Kremer 1979: Teil 2, 243).

    c) Wortgeographische Deutung

    Obwohl die Dialekte beiderseits der Staatsgrenze die Möglichkeit zur Bildung einer nur im Stammvokal des Grundwortes sich unterscheidenden Lehnübersetzungen besitzen, machen nur die niederländischen davon Gebrauch. Die deutschen Dialekte übernehmen hingegen mehrheitlich die Standardform als Lehnwort, so dass auch in diesem Falle die Staatsgrenze wieder zur Wortgrenze wird.

    Ludger Kremer

    Literatur: