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  • Dialekt à la carte: Spatz

    Karte, die die Verbreitung der unterschiedlichen Wortformen für Spatz am Niederrhein (Niederlande und Deutschland) zeigt

    Im Westmünsterland wird zumeist die aus dem Hochdeutschen entlehnte Form Spatz genannt, daneben in einigen Orten die älteren westfälisch-niederdeutschen Varianten Lünink, Lönink und Leunink. Diese kennt man auch im nahe der Staatsgrenze gelegenen Ort Winterswijk (NL). Ansonsten nennen die Sprecherinnern und Sprecher im Achterhoek überwiegend Mösse bzw. Möske. Hierbei handelt es sich um zwei längere Varianten von mus. Diese Form dominiert deutlich im Liemers südwestlich der Oude Ijssel, sie ist auch in der niederländischen Hochsprache üblich. Im Grenzgebiet zum deutschen Niederrhein treten beidseits der Grenzen die Varianten Klött und Hüsklött mit lautlichen Varianten (-klaats, -klat, -kont) auf. Auf der deutschen Seite wird in einigen Orten zudem Spatz als übliche Form angegeben. Verstreut kommen am Niederrhein und an der Issel auch im deutschen Gebiet Nennungen von Mös und ähnlichen Varianten vor. Von diesen Belegen abgesehen, stoßen die hochsprachlichen Formen mus bzw. Spatz an den Staatsgrenzen aneinander. Sie zeigen, vor allem im Vergleich mit älteren Sprachdaten, einen fortgeschrittenen Prozess der Anpassung alter Mundartlexeme an die jeweiligen Standardsprachen, der sich vermutlich unverändert fortsetzen wird.

    Einen ausführlicheren Kommentar von Ludgar Kremer zu dieser Karte enthält der Textband zum Atlas "Dialekt à la carte" (S. 26-27). Weitere Dialektkarten zum selben Thema, die sich zum Vergleich heranziehen lassen, liegen in folgenden Publikationen vor: Goossens 1988, Lausberg/Möller 2000, Cornelissen 2006.

    Literatur: