LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
Logo LVR
  • Publikationen
  • Veranstaltungen
  • Über uns
  • Kontakt
  • Dialekt à la carte: Schnitte Brot

    Karte mit der Verbreitung der unterschiedlichen Wörter für eine Schnitte Brot Wortkarte "Schnitte Brot" aus dem Dialektatlas Westmünsterland – Achterhoek – Liemers – Niederrhein

    "Man kann gut dicke Schnitten machen von fremden Brot"

    Die Karte Schnitte Brot zeigt in fast dem gesamten Untersuchungsgebiet flächendeckend Belege für die Form Schnee (mittelniederländisch, mittelniederdeutsch snede), die mit standardniederländisch snede/snee und hochdeutsch Schnitte übereinstimmt. Ursprünglich abgeleitet vom Verbum schneiden (altsächsisch snīthan, althochdeutsch snīdan) in der Bedeutung 'das, was man abgeschnitten hat', wird erst später überwiegend auf Lebensmittel, vor allem Brot bezogen (Kluge/Seebold 1989, S. 671; de Vries 1971, S. 662; Woordenboek der Nederlandsche taal, Bd. 14, Sp. 2274-2282). Daneben erscheint im Niederrheinischen, in Groesbeek sowie im Südwesten und Süden des Westmünsterlands (Anholt, Werth und Raesfeld) die mundartliche Form Schief, die hochdeutsch (Brot)-Scheibe entspricht und zum gemeinsamen alten Wortgut (mittelhochdeutsch schibe, mittelniederländisch, mittelniederdeutsch schive) gehört. Während jedoch die allgemeine Bedeutung 'runder, flacher Körper; Scheibe' (Deutsches Wörterbuch, Bd. 14, Sp. 2385-2389; Woordenboek der Nederlandsche taal, Bd. 14, Sp. 604-611) in allen drei mittelalterlichen Sprachstufen verbreitet ist, scheint die Verwendung in der Bedeutung 'Schnitte Brot' eher auf die deutschen Mundarten beschränkt zu sein.

    Im Nordosten tritt ein fast geschlossenes Placke-Gebiet hervor, das sich weiter in die Twente und ins Bentheimische hinein fortsetzt. Im Niederländischen weit verbreitet in der Bedeutung 'dünne Scheibe oder flaches Stück von etwas; dünn abgeschnittenes Stück von verschiedenen Sachen, vor allem von Lebensmitteln' (Woordenboek der Nederlandsche taal, Bd. 12,1, Sp. 2191), in Gelderland und Overijssel auch in der Bedeutung 'Butterbrot', scheinen die Belege im Westmünsterland und in Südwestniedersachsen auf niederländischen Einfluß zurückzugehen, da Placke im Niederdeutschen sonst nirgends die Bedeutung 'Brotscheibe' entwickelt hat (Kringe 1963, S. 270).

    Nicht in die Karte aufgenommen wurden zwei Einzelmeldungen aus dem niederrheinischen Rheinberg ("Kill") bzw. aus Bronkhorst im Achterhoek ("pille"). Während Kiel vereinzelt auch in Westfalen, aber ebenfalls schon seit dem Mittelalter in süddeutschen Mundarten in der Bedeutung 'derbes, keilförmiges, vom Brotlaib geschnittenes Stück' überliefert wird (Deutsches Wörterbuch, Bd. 1, Sp. 447; Kringe 1963, S. 231), ist pille, das bereits im vergangenen Jahrhundert für den IJsselraum belegt wird (Schaars 1983, S. 82) und vermutlich eine scherzhafte Bedeutungserweiterung von Pille 'Arzneimittel' darstellt, recht selten. Es ist auch für das Bearbeitungsgebiet des Westfälischen Wörterbuches gemeldet und kommt ebenfalls in der Bedeutung 'derbes Stück Butterbrot' sporadisch im Mittelrheinischen vor (RhWb, Bd. 6, Sp. 837).

    Timothy Sodmann

    Literatur: