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  • Dialekt à la carte: Schmetterling

    Karte mit der Verbreitung der unterschiedlichen Wörter für Schmetterling Wortkarte "Schmetterling" aus dem Dialektatlas Westmünsterland – Achterhoek – Liemers – Niederrhein

    a) Begriff

    Der Fragebogen enthielt neben der Zeichnung eines Schmetterlings einen schriftlichen Hinweis darauf, dass die allgemeine Bezeichnung und nicht die Benennung für eine bestimmte Schmetterlingsart erbeten wurde. Die Frage wurde daher in so gut wie allen Belegorten richtig gedeutet und erbrachte nur vereinzelt eine sachlich falsche Antwort (Motte o.ä.) Das geläufige deutsche Standardlexem ist Schmetterling, neben seltenerem Falter, das niederländische Standardlexem ist vlinder.

    b) Heteronymik

    Im deutschen Teil des Untersuchungsgebietes zeigen die meisten Belegorte das standardsprachliche Lexem Schmetterling, daneben drei Einzelmeldungen von Falter (Kranenburg, Anholt, Gemen). Dass es sich dabei um Neuerungen handelt, beweisen die gelegentlichen Reliktwörter bzw. Zweitmeldungen. Auch im niederländischen Teil des Untersuchungsgebiets überwiegt die standardsprachliche Form: vlinder findet sich in fast jedem Belegort, daneben gibt es noch einige Zweitmeldungen mit älteren Heteronymen.

    Das Grundwort Voggel und Varianten: Das ältere westfälische Heteronym Sommervoggel wird nur noch aus zehn Belegorten gemeldet, obwohl es 1950 noch weit verbreitet war und nur im münsterländischen Teil des Grenzlandes von Schmetterling bedrängt wurde (vgl. Kremer 1979, Teil 2, S. 183). Im niederländischen Teil des Untersuchungsgebiets herrschte früher die Form Panne-, Pennevoggel im Raum Achterhoek-Twente vor, es wird meist als Zweitmeldung heute aus Haaksbergen, Ruurlo, Winterswijk und Lichtenvoorde gemeldet; daneben gibt es sechs Belege am linken Niederrhein zwischen Rheinberg und Zyfflich-Keeken.

    Flögel: Das Grundwort Flögel 'Flügel' überlappt z. T. mit den Voggel-Arealen im Bereich Kleverland – Liemers, wo es in den Verbindungen Spanneflögel und Panneflögel belegt ist.

    Als seltene Belege finden sich Pannelapper/-läpper (Groesbeek, Kleve) und der Einzelbeleg Schmandfix (Groß, Reken), letzteres offensichtlich in der Bezeichnungsmotivik "Butter, Sahne" für den Kohlweißling gehörig.

    c) Wortgeographische Deutung

    Was in älteren Umfragen aus dem Jahre 1950 (vgl Kremer 1979, Teil 2, S. 183) bereits erkennbar wurde, zeigt sich hier in weit fortgeschrittenem Zustand: die Ablösung der älteren, für Objekte dieser Art meist sehr kleinnräumige Heteronymik durch standardsprachliche Lexeme, zunächst in punktueller Durchsetzung, später in flächendeckenden Wortarealen (vgl. Kremer 1983).

    Ludger Kremer

    Literatur: