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  • Dialekt à la carte: Kino

    Karte mit der Verbreitung der unterschiedlichen Wörter für Kino Wortkarte "Kino" aus dem Dialektatlas Westmünsterland – Achterhoek – Liemers – Niederrhein

    a) Begriff

    Mit dem Aufkommen von Kinos ist wohl seit den 30er Jahren zu rechnen, doch wird in den meisten kleineren Orten des Untersuchungsgebietes das Kino eine Nachkriegseinrichtung gewesen sein, die zudem in den siebziger Jahren als Folge der Fernsehkonkurrenz wieder aus dem öffentlichen Leben verschwunden ist. Es gibt weder im Deutschen noch im Niederländischen ein geläufiges Synonym zu Kino bzw. bioscoop. Die Wortfrage "Kino" führt bei einer Reihe von Informanten offenbar zu einer syntaktischen Einbettung im Sinne von "Wir gehen in …", was die Ergänzung "das Kino" oder "den/einen Film" erlaubt. Außerdem finden sich einige Einzelmeldungen, die z.T. abwertend gemeint sind.

    b) Heteronymik

    Im deutschen Teil des Untersuchungsgebietes findet sich fast ausschließlich das standardsprachliche Lexem Kino, im niederländischen Teil entsprechend bioscoop. Das Lexem Film kommt in drei deutschen und drei niederländischen Belegorten als Zweitmeldung, in vier niederländischen Belegorten als einzige Benennung vor. Daneben gibt es im deutschen Teil fünf Einzelmeldungen: Kintop (umgangssprachlich), Felmsaal, Flimmerkiste/Flimmertheater (abwertend) sowie Lichtburg (Name des örtlichen Kinos). Die Belegorte ohne Angaben können zu den jeweiligen standardsprachlichen Transferenzen gerechnet werden.

    c) Wortgeographische Deutung

    Die Dialekte im gesamten Untersuchungsgebiet haben das Lexem der jeweiligen Standardsprache übernommen, die Staatsgrenze erweist sich als Wortgrenze. Die Streumeldungen von Film sind möglicherweise auf die ursprüngliche Darbietung von Filmen in Wirtshaussälen oder Schulen statt in festen Kinos zurückzuführen.

    Ludger Kremer