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  • Dialekt à la carte: ge-hört

    Karte mit der Verbreitung der unterschiedlichen Anlaute bei gehört Grammatikkarte "ge-hört" aus dem Dialektatlas Westmünsterland – Achterhoek – Liemers – Niederrhein

    Die Präfixe ge-/e-/ Ø: drei Areale

    Auf dem Fragebogen, der dieser Dialektkarte zugrunde liegt, waren die Gewährpersonen aufgefordert worden, den Satz 'Ich habe nichts gehört/Ik heb niets gehoord' in den Dialekt zu übertragen. Gefragt war nach dem Partizip Perfekt des schwachen Verbs hören (niederländisch horen). Auf der Karte lassen sich nun drei Bildungsmuster unterscheiden:

    - Präfix ge- (wie in den beiden Standardsprachen), z.B. gehört;
    - Präfix e-, z.B. ehört;
    - präfixlose Formen (Ø), z.B. hört.

    Im Südwesten wird die jeweils mit der Standardsprache übereinstimmende ge-Form verwendet. Ihr Verbreitungsgebiet reicht in etwa bis zur Oude IJssel/Issel; sie lässt sich als kleverländische Form einstufen. Daran schließen sich in östlicher Richtung Mundarten an, deren Partizip Perfekt das Präfix e- aufweist. Diese Form wird in den Dialekten des Achterhoek verwendet; sie ist nach den Auskünften unserer Gewährspersonen auch in den deutschen Orten Bocholt, Dingden, Raesfeld und Erle bekannt. Formen ohne jede Vorsilbe (hört o.ä.) sind für die übrigen Ortsmundarten des Kreises Borken zu notieren; auch für das niederländische Haaksbergen, das ja bereits zu Overijssel gehört, war ein präfixloses Partizip zu verbuchen.

    Ein Blick auf die Karten der bereits vorliegenden großräumigen Sprachatlanten zeigt, dass in diesem Gebiet drei große Areale aneinandergrenzen; jedes dieser Areale wird von der Staatsgrenze durchschnitten. Das Verbreitungsgebiet der ge-Form setzt sich, vereinfacht gesagt, nach Westen und Süden hin fort (mit u. a. der rheinischen Variante je-). Das Areal der präfixlosen Form, das sich weiter nach Nordosten (s. u.) und Osten hin ausdehnt, reicht, jenseits des rechten Kartenrandes, weit über das Münsterland hinaus; das Fehlen jeder Vorsilbe im Partizip Perfekt ist sogar typisches Merkmal der meisten niederdeutschen Dialekte. Das dritte Areal schließlich (e-) erstreckt sich weiter nach Norden und Nordwesten. Es reicht über Amersfoort und Zwolle hinaus bis ans (frühere) IJsselmeer, im Norden liegt auch Assen noch in diesem e-Gebiet, dessen kleiner südlicher Ausläufer durch die vier deutschen Orte auf der Karte markiert wird.

    Haaksbergen: hört

    An den Nordosten des Achterhoek schließt sich nach den Angaben des Taalatlas van Noord- en Zuid-Nederland ein kleines Gebiet (rund um Enschede) an, für das die präfixlose Bildung des Partizips Perfekt als eine – und zwar die vorherrschende – von zwei Alternativen verbucht wird; daneben wird hier auch die e-Form verwendet. Haaksbergen, für das im Taalatlas van Noord- en Zuid-Nederland übrigens beide Möglichkeiten aufgeführt werden, markiert auf der gehört-Karte den südlichen Zipfel dieses sich an das große hört-Areal auf deutscher Seite anlehnenden Gebietes.

    gehörtehörthört: Vokalismus und Suffix

    Die 60 erfassten Ortsmundarten haben – wie im Deutschen – in dem Verb hören ausnahmslos einen umgelauteten Vokal (niederländisch horenhehoord). In der Regel handelt es sich um einen langen ö-Laut; für einige Orte des Liemers und für das benachbarte Zyfflich ist allerdings ein Kurzvokal anzusetzen, wie die Verschriftungen in den Fragebogen zeigen (Zyfflich gehörrt, Leuth gehurd, dagegen Groesbee geheurd). Das Suffix -t, Bestandteil der Partizip-Perfekt-Form schwacher Verben, kann in den hier untersuchten Mundarten nach bestimmten Lauten fortfallen (z.B. in Winnekendonk: makegemak 'machen', seggegesag 'sagen'); im Falle von hören wird es jedoch nicht gekürzt (höregehört).

    Georg Cornelissen

    Literatur: