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  • Dialekt à la carte: Fußball spielen

    Karte mit der Verbreitung der unterschiedlichen Wörter für Fußball spielen Wortkarte "Fußball spielen" aus dem Dialektatlas Westmünsterland – Achterhoek – Liemers – Niederrhein

    Das Fußballspiel wurde am Ende des 19. Jahrhunderts aus England in Deutschland und den Niederlanden zusammen mit seiner speziellen Terminologie übernommen. Zuerst geschah dies in den sogenannten gehobenen Kreisen, später entwickelte sich das Spiel zu einem richtigen Volkssport. Für die niederländische Elite stellte die englische Sprache kein Problem dar. In Deutschland wurden die englischen Fachausdrücke dagegen schon rasch durch deutsche ersetzt. Der Entlehnungsprozess dieser Sportsprache vollzieht sich in Deutschland anders als in den Niederlanden. Der niederländische Fußballjargon weist relativ viele englische Einflüsse auf. In Deutschland ist, abgesehen von Lehnübersetzungen, ein direkter englischer Einfluss nicht zu beobachten, die standardsprachliche Sportsprache wurde von den Dialektsprechern übernommen. In den Mundarten des deutsch-niederländischen Grenzraumes kommen die unterschiedlichen Entwicklungen zum Ausdruck, wie am Beispiel folgender Begriffe auf den zugehörigen Karten deutlich wird: 'Fußballplatz', 'Tor', 'Torwart', 'Handspiel, Hand', 'Eckstoß', 'Elfmeter', 'abseits', 'Trikot', 'Hose'.

    In den Niederlanden wird für Fußball spielen nur das standardniederländische Verb voetballen verwendet. Entlang der Staatsgrenze wird für einige Orte das Äquivalent fußballen angegeben, was aber nicht auf niederländischen Einfluss hinweist, da das Verb fußballen im Deutschland auch in der Umgangssprache bekannt ist. Doch am verbreitetsten ist im deutschen Teil des Untersuchungsgebiets die Wortgruppe Fußball spielen (die Antworten Fußball wurden hier hinzugerechnet). Insgesamt entfallen 37 Angaben auf fußballen und Fußball spielen, davon sind 16 in der niederdeutschen Form angegeben, mit unterschobenem t und mit den Formen sjpeule und s(j)pöllen. Weiterhin kommen im deutschen Untersuchungsgebiet echte Dialektwörter vor: pöölen, bolzen und flattse. Bolzen bedeutet nach Elisabeth Piirainen/Wilhelm Elling (1992, S. 165) 'grob, schlecht Fußball spielen'. Pöölen ist abgeleitet von hochdeutsch Pfahl, was hier 'Torpfosten‘' bedeuten kann. Harald Dankert (1969, S.24) nennt pöölen als Variante für das Rheinland und Westfalen mit neutraler Bedeutung, während er bolzen auch eine eher negative Bedeutung zuschreibt. Die Tatsache, dass für fußballen das zusammengesetzte Wort Bolzplatz angegeben wird, weist aber darauf hin, dass bolzen im Untersuchungsgebiet nicht schon immer eine negative Bedeutung gehabt haben kann. Für flattse gibt Harald Dankert (1969, S.26) die neutrale Bedeutung 'Fußball spielen' an.

    Wörter, die nur einmal genannt wurden, sind nicht auf die Karte aufgenommen worden: schüssere (Goch), fucken (Haldern), kicken (Hochmoor), kötte (Xanten) und klötzen (Winnekendonk). Kicken kommt vom englischen to kick 'schießen, treten'. Es ist ein überregionales Wort aus dem Fußballjargon; insbesondere in Süddeutschland ist es "wertneutral" in Gebrauch. Schüssere ist von Schuß abgeleite; fuckenkommt nach Adam Wrede von niederdeutsch fucken 'eilig gehen' (Wrede 2010, S. 282). Diese Wörter gehören zum Substandard und entstammen dem Fußballjargon.

    In diesem Bereich muss auch die Erklärung für kötte und klötzen gesucht werden. Das Rheinische Wörterbuch (Band 4, Sp. 1286) gibt für klötzen die Bedeutung 'sehr laut, polternd, steif gehen'; kötten ist schwer zu deuten, denn die im Rheinland übliche Bedeutung 'betteln' ist schwer mit 'Fußball spielen' in Einklang zu bringen.

    Übersetzte und leicht überarbeitete Fassung des niederländischen Kommentars von Jan B. Berns

    Literatur: