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  • Dialekt à la carte: Flugzeug

    Karte mit der Verbreitung der unterschiedlichen Wörter für Flugzeug Wortkarte "Flugzeug" aus dem Dialektatlas Westmünsterland – Achterhoek – Liemers – Niederrhein

    a) Begriff

    Mit einer nennenswerten Verbreitung des Flugzeuges ist etwa seit dem Ersten Weltkrieg zu rechnen; im Krieg erlangte es durch die Luftkämpfe Manfred von Richthofens ("Roter Baron") und anderer Jagdflieger Bekanntheit bis in den letzten Winkel Deutschlands. Möglicherweise geht die umgangssprachliche Bezeichnung Flieger auf eine Identifizierung von Pilot und Maschine zurück, die durch die Jagdfliegerei und die Kriegspropaganda begünstigt wurde.

    b) Heteronymik

    Das deutsche Standardlexem Flugzeug und die niederländische Lehnbildung vliegtuig dominieren im jeweiligen Sprachgebiet. Daneben gibt es im deutschen Teil des Untersuchungsgebietes einige (partielle) Lehnbildungen nach Flugzeug, nämlich Fliegtüg (Elten, Wertherbruch), Flugtüg (Werth) und Fliegzeug (Rheinberg).

    Es gibt jedoch auch Relikte älterer Benennungen: im deutschen Teil des Untersuchungsgebietes das umgangssprachliche Flieger, das an einigen Belegorten in der übersetzten Form Fleeger genannt wird (Legden, Hochmoor, Heiden, Gemen), und im niederländischen Teil des Untersuchungsgebietes das Relikt Flieg-, Fleegmaschinn(e), das in deutscher Lautgestalt auch an drei Orten des Niederrheins genannt wird. Der Beleg Fliegert aus Zyfflich ist möglicherweise eine Verwechslung mit der Bedeutung 'Windvogel'.

    c) Wortgeographische Deutung

    Obwohl die niederländische und die deutsche Standardform demselben Wortbildungsmuster und -motiv entspringt, trennt die unterschiedliche Lautform die beiden Verbreitungsgebiete entlang der Staatsgrenze. Das hat auch für die jeweiligen älteren Belege gegolten, die ebenfalls Entlehnungen aus der entsprechenden Standard- bzw. Umgangssprache sind.

    Ludger Kremer