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  • Dialekt à la carte: (ich) bin

    Karte mit der Verbreitung der unterschiedlichen Formen für (ich) bin Grammatikkarte "(ich) bin" aus dem Dialektatlas Westmünsterland – Achterhoek – Liemers – Niederrhein

    Die sehr unregelmäßigen Präsensformen des Verbs sein (niederländisch zijn) gehen im Deutschen wie im Niederländischen gleichermaßen auf verschiedene Wortstämme zurück; zwei Beispiele:

    1. Person Singular: ich binik ben
    2. Person Plural: sie sindzij zijn

    Die Verteilung von b- und s-Formen (bin/bensind/zijn) stimmt hier in den beiden Standardsprachen also überein.

    Dagegen lässt die bin-Karte zahlreiche Belege für einen s-Anlaut erkennen. Die niederrheinische Form sin (mit ihren Varianten si/sij und sit) reicht im Süden nicht bis nach Geldern oder Rheinberg; drei niederländische Nachbarmundarten jenseits der Grenze haben ebenfalls si/sij bzw. sit. Nördlich und östlich davon erstreckt sich auf beiden Seiten der Grenze das Verbreitungsgebiet der Form bön/bün; die (ältere) zweisilbige Variante bönne wurde dabei nur für Orte im Achterhoek angegeben. Für Epe, Schöppingen und Legden in der Nordostecke des Kreises Borken war die münsterländische Form sin zu notieren, die sich im Osten anschließt. Mischformen mit s-Anlaut und dem gerundeten Vokal (ö, ü) des Westmünsterlandes findet man an einigen Nahtstellen (Werth: sön, Stadtlohn, Velen: sün).

    Georg Cornelissen