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  • Dialekt à la carte: Bezeichnung des Teigvogels am Palmsonntag

    Karte mit der Verbreitung der unterschiedlichen Bezeichnungen des Teigvogels am Palmsonntag Verbreitungskarte "Bezeichnung des Teigvogels am Palmsonntag" aus dem Dialektatlas Westmünsterland – Achterhoek – Liemers – Niederrhein

    "‘n haentjen of zwaentjen op den palmpaosen"

    Während Karte Form des Gebildbrotes am Palmsonntag eine Übersicht der verschiedenen Formen für das Gebildbrot zu Palmsonntag gab, geht es hier um die Vogelart, die - soweit mitgeteilt – das Gebäckstück darstellen soll.

    Unsere Karte zeigt eine Dreiteilung, die der der Karte Termine für Gebildbrote entspricht: Der niederländische Teil des Untersuchungsgebietes – mit Ausnahme der Orte Groesbeek, Tolkamer, Winterswijk und Eibergen – kennt ausschließlich den Hahn, und zwar ohne Einschränkung in der Verkleinerungsform ("haentje", "(palm)paoshaentje"). Das Westmünsterland sowie die niederrheinischen Ortschaften nordöstlich der Issel und Winterswijk haben überwiegend Vogel ("(Palm)vogel, -voggel") bzw. gleich stark vertreten die Diminutiva "(Palm)vögelken, -vöggelken". Heiden, Alstätte und Epe gehen dagegen mit dem Achterhoek zusammen und haben (Palm)hahn. Am deutschen Niederrhein sowie in den angrenzenden niederländischen Gemeinden Groesbeek und Tolkamer herrscht unangefochten (Palm)mös(ke), das ebenfalls für das Grenzstädtchen Anholt belegt ist, wobei die Formen der Verkleinerung bei weitem die Mehrheit alle Belege stellen. Da jedoch Mös in den Mundarten am gesamten Niederrhein zur Gattungsbezeichnung für 'Vogel' schlechthin geworden ist (RhWb, Bd. 5, Sp. 1437-1445), liegt hier das gleiche Benennungsmotiv wie im Westmünsterland vor.

    Im Norden des Achterhoek entlang der Grenze zu den Mundarten der Twente (Lochem und Eibergen) sowie im deutsch-niederländischen Grenzgebiet (Wert und Winterswijk) wurden auch drei ausgesprochene Wasservögel genannt: die Ente ("Pillekes" in Werth, "pieleantjen" bzw. "pielendekes" in Eibergen und Winterswijk) wie auch je einmal "zwaentjen" (Lochem) und "pielegenskes" (Winterswijk). Obwohl besondere Glaubensvorstellungen in Verbindung mit Frühjahrsbrauchtum in unserem Raum bei diesen Vogelarten nicht zu finden sind und die Namengebung vermutlich erst sekundär anhand der Form des Gebildbrotes angeregt wurde, ist die Erscheinung immerhin auffällig.

    Timothy Sodmann

    Literatur: