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    Karte zeigt die Verteilung der Wörter für böse im Rheinland (quoj, quood, gefteg, lellek, bös/bos/bees, geck/jeck, granteg)

    Im Jahre 1425 schickte der Herzog von Kleve, der zugleich Graf von der Mark war, einen Brief an die Stadt Werden. Er befahl darin, die Stadttore gut zu bewachen; niemand sollte eingelassen werden, dar men quaet vermoiden op heben moichte. Niemand sollte die Stadt betreten, bei dem man quaet 'Böses' vermuten könnte (Kastner 2004, S. 144). Das e in quaet diente damals als Längenzeichen. Ersetzt man das a durch ein o, gelangt man zu einer Form, die noch heute mancherorts am Niederrhein zu hören ist: In der Kartenlegende wird sie quood geschrieben, der Unterstrich soll dabei andeuten, dass es sich um ein offenes o handelt.

    Das Material für die Karte wurde im Jahr 2004 im Rahmen einer Fragebogenerhebung gesammlt. Der Fragebogen enthielt u. a. den Satz 'Er wurde böse', der in den örtlichen Dialekt übertragen werden sollte. 'Böse' war also als 'wütend, aufgebracht' zu verstehen. Die Karte lässt erkennen, dass quood und quoj, eine Lautvariante, nimmt man sie einmal zusammen, am häufigsten genannt wurden, gefolgt von gefteg. Beide Varianten sind auch in den benachbarten Dialekten jenseits der Staatsgrenze bestens bekannt, im Standardniederländischen wird das Wort kwaad geschrieben.

    Auf der Karte findet man die roten Symbole für gefteg in allen Teilregionen – mit Ausnahme der Klever Ecke und der Kleve benachbarten niederländischen Dialekte. Das muss nicht bedeuten, dass dieses Wort dort tatsächlich völlig unbekannt wäre; aber im Bewusstsein der Menschen, die den Fragebogen bearbeitet haben, tritt es auf jeden Fall deutlich hinter quoj zurück.

    Die Karte zeigt noch eine Reihe weiterer Dialektwörter, die in einem Satz wie 'Er wurde böse' verwendet werden können: lellek, bös/bos/bees, geck/jeck, frech, granteg und "andere". Hier sei nur noch lellek angesprochen, ein Wort, das auf der Karte kein zusammenhängendes Areal bildet, sondern in lockerer Streuung erscheint. Wahrscheinlich war es früher einmal besser bekannt, die verstreuten Belege sind wohl als letzte Reste zu deuten. Im "Vogteier Wörterbuch" für den Raum Nieukerk-Aldekerk findet man unter dem entsprechenden Stichwort die Einträge lelleke Taantping 'schlimme Zahnschmerzen', ne lelleke Keerl 'ein bösartiger Kerl', lelleke Senn 'schlechte Laune' und lellek Weer 'ungemütliches Wetter' (Dicks 1998, S. 411; hier in z. T. veränderter Schreibung). Mit lelijk existiert auch in diesem Fall eine Entsprechung im Standardniederländichen, deren Hauptbedeutung ist 'häßlich'.

    Neben den Fragebögen von 2004 wurde für die Karten auch Material verwendet, das aus dem Jahr 1991 stammt und damals für einen grenzüberschreitenden Dialektatlas gesammelt worden ist (Dialekt à la carte 1993).

    Georg Cornelissen

    Literatur: