LVR-Institut für Landeskunde
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Pronominaladverbien – Da bin ich für zu haben

"Viel Butter, viel Zucker – da bin ich auf jeden Fall für zu haben." So kommentierte eine junge Frau bei einer Backsendung im Fernsehen die Kreation ihrer Konkurrentin. Egal, wie sie zu den Backkünsten ihrer Konkurrentin stand, was ihre Aussage interessant macht, ist die Verwendung von dafür als gespaltener Konstruktion, die auch im Rheinland vielfach verwendet wird (vgl. Atlas zur deutschen Alltagssprache).

Konstruktionen wie diese, die aus da-, hier- oder wo- und einer Präposition (mit, von, für, …) bestehen, werden in der Sprachwissenschaft Pronominaladverbien genannt. Beginnt der zweite Teil dieser Pronominaladverbien mit einem Vokal (etwa auf, an, aus, …), so wird an da- und wo- jeweils ein -r- angehängt, um zu vermeiden, dass Vokale zweier verschiedener Wörter oder Silben aufeinandertreffen (wie etwa bei Theater): worauf, woran, daraus. Pronominaladverbien sind nicht veränderbar, sie passen sich nicht wie Verben oder Substantive grammatisch an, bleiben also stets in ihrer Form erhalten.

Wann aber nutzen wir diese Pronominaladverbien? Sie stehen immer in stellvertretender Funktion, das heißt, sie ersetzen nicht einen Ausdruck, sondern stellen innerhalb eines Gesprächs Referenz zu einem vorher geäußerten Sachverhalt dar: Viel Butter, viel Zucker – da bin ich auf jeden Fall für zu haben. Dafür bezieht sich in diesem Fall auf die leckere Kombination von Butter und Zucker; durch das Pronominaladverb dafür müssen die Wörter Butter und Zucker nicht noch einmal wiederholt werden. Dass sich der zweite Teil der Aussage auf diese Zutaten bezieht, wird durch das Pronominaladverb deutlich.

Butterkuchenstücke mit Mandeln und Zucker bestreut verteilt in kleinen Papierformen Ein leckeres Stück Kuchen – da sind viele von uns für zu haben

Besonderheit der Pronominaladverbien ist, dass sie in verschiedenen Stellungsvarianten vorliegen können. Dazu zählen neben der im Anfangssatz dargestellten Spaltungskonstruktion (da bin ich auf jeden Fall für zu haben) auch zwei Varianten, bei denen das Pronominaladverb verdoppelt wird: da weiß ich nichts davon (Distanzverdopplung) und dadavon weiß ich nichts (kurze Verdopplung). Bis ins Frühneuhochdeutsche (etwa 1350 bis 1650) wurden hauptsächlich gespaltene Formen verwendet; erst im späten 18. Jahrhundert galt diese Verwendung dann als schlechtes Deutsch, sodass heute nur noch die zusammengeschriebene Variante als standardsprachlich gilt: Davon weiß ich nichts.; dafür bin ich auf jeden Fall zu haben. Gerade in der mündlichen Kommunikation werden aber vor allem nicht-standardsprachlichen Varianten genutzt: So ist die Spaltungskonstruktion besonders im mittleren Westen Deutschlands sowie im Norden Deutschlands gängig, die kurze Verdopplung hingegen eher im südlichen deutschsprachigen Raum (die genaue regionale Verbreitung kann hier eingesehen werden). Auch in den deutschen Dialekten sind mehr Konstruktionen möglich als im schriftlichen Standarddeutsch - sowohl die Spaltungs- als auch die Verdopplungskonstruktionen werden dort verwendet. Dabei fällt gerade diesen Konstruktionen ein Vorteil zu: Sie bieten für den Hörer eine Dekodierungshilfe, die ihm hilft, den Bezug zum Rest des Satzes herzustellen. In schriftlichen Daten finden sich nur vereinzelt Belege für nicht-standardsprachliche Formen, häufig bei der Wiedergabe von Zitaten oder Äußerungen: ""Sein Weg" heißt das 176-Seiten-Opus der Stern-Redakteure Rüdiger Barth und Bernd Volland. Ein Porträt, keine Autobiografie: "Da bin ich einen Tick zu jung für", meint der 29-Jährige."

Im Rheinland unterscheiden sich die verwendeten Konstruktionen je nach Pronominaladverb: Während bei davon und damit sowohl die Spaltungskonstruktion (Da weiß ich nichts von. Da kann ich nichts mit anfangen.) als auch die normkonforme Variante (Davon weiß ich nichts. Damit kann ich nichts anfangen.) gängig sind, ist darauf hauptsächlich in der Spaltungskonstruktion im Rheinland belegt: Da habe ich keine Lust drauf. Vereinzelt hört man hier auch die Form Darauf habe ich keine Lust.

Die Spaltungskonstruktion ist dabei nicht ein rein deutschsprachiges Phänomen, viele Sprachen germanischen Ursprungs weisen diese Konstruktion auf: What did he talk about? 'Worüber redete er?' (Englisch), Wer wachtsje jimme op? 'Auf wen wartet ihr?' (Friesisch), Waar pratten wij over? 'Worüber haben wir gesprochen?'.

Sarah Puckert

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