LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Sprache in NRW

Wer Wörter wie döppen und knibbeln, plästern und Pott benutzt, spricht "Nordrhein-Westfälisch". Auch Peias und pingelig fallen in diese Kategorie, die Aufzählung ließe sich mit Fanne und Fisematenten oder mit Köpper und Pläte fortsetzen.

Ein Mensch, der in NRW aufwächst, bewegt sich in zwei Sprachwelten (wenn er nicht aufgrund seiner Familiengeschichte und seines Migrationshintergrundes noch eine weitere Sprache spricht): Die eine ist leger, manchmal hemdsärmelig, auf jeden Fall aber regional gesprägt: das ist der "Regiolekt", man könnte ihn auch "dat-und-wat-Sprache" nennen. Dem steht als Gegenpol das Hochdeutsche gegenüber, das spätestens mit dem Deutschunterricht in der Schule Teil des individuellen Repertoires wird. Der Pott mutiert im Hochdeutschen zum Topf, aus dem Köpper wird bei dieser Gelegenheit ein Kopfsprung. In der Klassenarbeit wird die Deutschlehrerin auf heftig regnen pochen, wenn plästern gemeint ist. Außerdem müssen die Nordrhein-Westfalen lernen, 'pf' zu schreiben, wenn es um Wörter wie Fanne, Firsich oder Fusch geht. Gern wird dann auch schon mal Pfisch oder Pfuß geschrieben - in Bayern, wo das pf regional verankert ist, sind solche Schreibungen nicht zu erwarten.

Das Rheinland und Westfalen - auf sprachlicher Ebene gibt es vieles, was die beiden Landesteile miteinander verbindet. Hier Rheinisch, dort Westfälisch: diese schlichte Opposition galt schon in den Zeiten nicht, als alle noch Platt sprachen. Es gibt mehr sprachliche Gemeinsamkeiten zwischen Rheinländerinnen und Westfalen, als manche von ihnen wahrhaben wollen! Im heutigen Regiolekt haben besonders solche einheimischen Wörter eine gute Chance, die man auch anderswo kennt - was zu einem sprachlichen Zusammenwachsen des Landes führt.

Düsseldorf und Dortmund

Das rheinische Düsseldorf und das westfälische Dortmund verbindet, zumindest sprachlich, eine große Nähe. Die folgende Liste bietet eine Auswahl typisch nordrhein-westfälischer Wörter, die in beiden Großstädten (und weit darüber hinaus) beheimatet sind:

In allen Ecken des Landes zeigt sich aber auch die Neigung zur sprachlichen Abwechslung, ja zur Sprachspielerei - zum Beispiel in Essen: In dieser Ruhrgebietsstadt nennt man einen Kaffee, wenn er nur noch lauwarm oder zu schlapp ist, wie in Düsseldorf und Dortmund Muckefuck (siehe oben), aber auch Plörre, Plempe, Brühe, Blümchenkaffee, Miege, Lorke, Bodensehkaffee usw.

In Düsseldorf sind, wenn es um döppen II ('untertauchen') geht, auch zoppen, tunken, ducken oder untertuppen gebräuchlich; das zeigte sich bei einer Fragebogen-Erhebung des ILR im Jahre 2000.

Ein (monotones) Einheits-Nordrhein-Westfälisch ist also nicht in Sicht. Auch deshalb nicht, weil die Menschen hier eben doch an bestimmten Wörtern mit kleinräumigem Zuschnitt festhalten: Man gebraucht Klümpken und Klümpchen (siehe oben), anderswo aber sagt man Bröcksken oder Babbelken, Boms oder Bömsken. Und Köln hat seine Kamelle(n).

Wie unterschiedlich die Dialekte NRWs klingen, ist auf der CD "Die Dialekte von Nordrhein-Westfalen" hörbar