LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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    Sprechblase mit der Wendung "Du has ja nen Ratsch am Kappes!"

    In der regionalen Alltagssprache begegnen uns häufig Sätze wie Merkse dat nich, die machen doch den Molli mit dir, Nu hau ma drauf, aber mit Schmackes! oder Kinder, die wat wollen, die krieng wat aufe Bollen.

    All diesen Sätzen ist gemein, dass sie feste Wortverbindungen enthalten, die eine bestimmte Bedeutung haben, welche sich meist nicht unmittelbar aus den einzelnen Wörtern erschließen lässt wie z. B. am Rad drehen 'verrückt sein'. Umgangssprachlich werden solche Formulierungen oft als Redewendungen, Redensarten oder Sprichwörter bezeichnet. In der Sprachwissenschaft bezeichnet man sie als Phraseologismen, wobei sich verschiedene Untergruppen bilden lassen, wie zum Beispiel Routineformeln (Guten Tag!, nicht wahr?), Sprichwörter (Morgenstund‘ hat Gold im Mund), Idiome/Phraseme (jmd. geht ein Licht auf). Die Beispiele zeigen bereits, dass Redewendungen unterschiedlich umfangreich sein können – von Verbindungen aus zwei oder mehr Wörtern, die in einen beliebigen Satz eingebettet werden können (Der dreht am Rad, wenn der dat merkt, Ich glaub, ich dreh am Rad) bis hin zu ganzen Sätzen wie Wer et lang hat, kann et lang hängen lassen.

    Ein wichtiges Merkmal von Phraseologismen ist ihre Festigkeit, d.h. sie werden in einer Sprachgemeinschaft immer wieder in gleicher Form verwendet, wodurch sich ein hoher Wiedererkennungswert ergibt. Wobei dies nicht bedeutet, dass es keine Varianz gibt: So kennen die Rheinländer*innen sowohl die als auch den Molli machen. Außerdem sind Redewendungen gerade aufgrund des großen Wiedererkennungswertes beliebt für Sprachspiele: Lieber arm dran als Arm ab, Wir sind uns grün mit ihrem Grün (Werbung Gartenlandschaftsbau-Unternehmen) oder nach allen Riegeln der Kunst genießen (Werbung Kölln Müsliriegel).

    In der Rubrik "Redewendungen" werden sowohl Untersuchungsergebnisse zur geographischen Verbreitung bestimmter Phraseologismen in der Alltagssprache an Rhein und Ruhr vorgestellt, als auch Erklärungen zu Herkunft und Bedeutung gegeben.

    Bekanntheit und Bedeutung von einzelnen Redewendungen

    Weitere Auswertungen: Varianten, Relevanz des Alters, ...

    Literatur

    • Harald Burger: Phraseologie. Eine Einführung am Beispiel des Deutschen. (Grundlagen der Germanistik, 36). 5., neu bearbeitete Auflage. Berlin 2015.
    • Elisabeth Piirainen: Phraseologie in arealen Bezügen: ein Problemaufriss. In: Linguistik online 27, 02/2006, S. 195-218.
    • Elmar Schafroth: Online-Tutorialreihe zum Thema „Phraseologie“ an der Heinrich Heine-Universität Düsseldorf. [URL: https://phraseologie.phil.hhu.de/].