LVR-Institut für Landeskunde
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  • noch nicht an Schmitz Backes vorbei sein

    Die Sprachkarte zeigt die Bekanntheit und Verbreitung der Redewendung noch nicht an Schmitz Backes vorbei sein 'etwas noch nicht überstanden haben, etwas ist noch nicht vorbei' in der regionalen Alltagssprache der Landkreise und Städte des Rheinlandes und des Ruhrgebietes.

    Sprachkarte, die die Verbreitung der Redewendung "noch nicht an Schmitz Backes vorbei sein" im Rheinland zeig

    Die Sprachkarte zeigt deutlich, dass die Redewendung noch nicht an Schmitz Backes vorbei sein im Untersuchungsgebiet ganz unterschiedlich verbreitet ist: Im zentralen Rheinland, rund um Aachen, Bonn und Köln und am südlichen Niederrhein kennen die meisten Befragten den Spruch und viele von ihnen verwenden ihn auch im täglichen Sprachgebrauch. Am nördlichen Niederrhein und im Ruhrgebiet zeigt sich ein ganz anderes Bild: Hier kennen die wenigsten Teilnehmer*innen unserer Umfrage die Wendung, diejenigen, die sie kennen, verwenden sie nicht aktiv.

    Auch hinsichtlich der Altersstruktur zeigt sich bei der Bekanntheit und Verwendung von noch nicht an Schmitz Backes vorbei sein ein deutlicher Unterschied: Umso älter die Teilnehmer*innen sind, umso eher kennen und verwenden die die Redewendung. Je jünger die Befragten sind, umso eher verwenden sie den Ausspruch nicht selbst oder kennen ihn gar nicht.

    Ein Blick in das große Rheinische Wörterbuch erklärt dieses Kartenbild (Bd. 1, Sp. 378). Die Wendung stammt ursprünglich aus den ripuarischen und südniederfränkischen Dialekten: Du bes noch net langs (et) Schmitz Backes lautet die dialektale Variante des Spruchs. Diese Dialekte wurden (und werden) genau in dem Gebiet gesprochen, in dem die Wendung auch heute noch in der regionalen Alltagssprache bekannt ist.

    Woher der Ausspruch noch nicht an Schmitz Backes vorbei/langs Schmitz Backes sein kommt, ist bis heute ungeklärt – allerdings ranken sich zahlreiche Entstehungslegenden hierum. Die wohl bekannteste stammt aus Köln: "Meines Wissens geht der Ausdruck ins Mittelalter zurück, als "Spießrutenlaufen" noch gängige Bestrafungsart war und Übeltäter über die Vringsstrooß durch die Vringspooz gejagt wurden. Unmittelbar vor dem Severinstor befand sich die Bäckerei Schmitz. Wenn man daran vorbei war, hatte man das Schlimmste hinter sich" (Martin Baunach, Köln, RhMWb). Aus anderen Orten des Rheinlandes gibt es weitere Geschichten, Peter Honnen hat sie für unsere Institutszeitschrift "Alltag im Rheinland" gesammelt und vorgestellt: "Die 'Wahrheit' über Schmitz Backes" (PDF-Datei, 73 KB).

    Charlotte Rein

    Literatur: