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  • auf die Schnüss kriegen

    Die Sprachkarte zeigt die Bekanntheit und die Verbreitung der Redewendung auf die Schnüss kriegen in den Landkreisen des Rheinlandes und des Ruhrgebietes. Die Wendung wird in diesen Regionen mit zwei unterschiedlichen Bedeutungen verwendet: Entweder mit der wörtlichen Bedeutung 'ins Gesicht geschlagen werden' oder aber mit der übertragenen Bedeutung 'zurechtgewiesen werden, eine Niederlage einstecken müssen': Gleich krichste einen aufe Schnüss! (RhMwb) oder Der FC hat ganz schön auf die Schnüss bekommen!

    Sprachkarte, die die Verbreitung der Redewendung "auf die Schnüss kriegen" im Rheinland zeig

    Der Karte liegen die Antworten von fast 2000 Menschen aus der Region an Rhein und Ruhr zugrunde. Sie sollten in einer Online-Umfrage angeben, ob sie die Redewendung auf die Schnüss kriegen in ihrer Alltagssprache "kennen und verwenden", "kennen, aber nicht verwenden" oder aber "nicht kennen". Wie das Kartenbild zeigt, unterscheiden sich die Antworthäufigkeiten abhängig davon, von die Befragten herkommen. Im Süden des Befragungsgebiets, im zentralen Rheinland rund um Aachen, Bonn und Köln gibt etwa die Hälfte aller Fragebogenbearbeiter*innen an, dass sie die Wendung "kennen und verwenden", die andere Hälfte kennt den Ausspruch zwar, verwendet ihn selbst aber nicht. Nur ganz vereinzelt ist auf die Schnüss kriegen völlig unbekannt. Je weiter man nun nach Norden blickt, desto mehr verändert sich das Antwortverhalten – und zwar zu Ungunsten der Redewendung. So kennen am südlichen und am nördlichen Niederrhein zwar viele Menschen die Wendung, verwendet wird sie allerdings nur von etwa einem Viertel der Befragten. Im Ruhrgebiet ist auf die Schüss kriegen sehr selten zu hören, aber immer noch sehr bekannt.

    Betrachtet man die Ergebnisse der Online-Umfrage hinsichtlich des Alters der Befragten, zeigen sich in Bezug auf die Kenntnis und Verwendung des Ausspruchs auf die Schnüss kriegen in den vier Gruppen (vor 1945 geboren, 1946–1965, 1966–1987, 1988–2009) keine großen Unterschiede: Die Redewendung ist in allen Altersgruppen sehr bekannt, ob sie verwendet wird, scheint mehr von der Herkunft abzuhängen als vom Alter. Etwas häufiger wird sie im zentralen Rheinland, am südlichen Niederrhein und im Ruhrgebiet anscheinend von den jüngsten Sprecher*innen verwendet. Es ist allerdings fraglich, ob dies auf eine zunehmende Verbreitung der Wendung hinweist oder vielleicht eher auf einen grundsätzlich etwas unterschiedlichen Sprachgebrauch von jüngeren und älteren Menschen. Betrachtet man die Bedeutungsangaben, die die Teilnehmer*innen gemacht haben, ist allerdings ein Altersunterschied zu bemerken: Die ältesten Sprecher*innen geben deutlich überwiegend die bildliche Bedeutung 'zurechtgewiesen werden, eine Niederlage einstecken müssen' an, während in den anderen drei Gruppen die wörtliche Bedeutung 'ins Gesicht geschlagen werden' überwiegt. Häufig werden von derselben Person aber auch beide Bedeutungen angegeben.

    Die Schnüss hat diese alltagssprachliche Redewendung aus den rheinischen Dialekten entlehnt: Schnüss (oder auch Schnöss) ist die (durch die 2. Lautverschiebung) verschobene Form der niederdeutschen Schnute (mittelniederdeutsch snut, niederländisch snuit, englisch snout; der gleiche lautliche Gegensatz wie in nördlichem Water und südlichem Wasser). Das erklärt auch, warum die Wendung im Süden unseren Befragungsgebiet häufiger verwendet wird als im Norden: Hier ist sie heimisch und in den örtlichen Dialekten verwurzelt, während sie insbesondere im Kleverländischen am nördlichen Niederrhein sowie im Ruhrgebiet "zugewandert" ist. In Zusammenhang mit Schnüss und Schnute steht auch die hochdeutsche Schnauze. Wie genau das Verwandtschaftsverhältnis hier ist, ist allerdings nicht sicher geklärt, da Schnauze eigentlich lautgesetzlich "falsch" ist: Auch hier hätte, wie in der rheinischen Form, t zu s werden müssen, nicht zu z. So schreibt Luther im 16. Jahrhundert auch noch Schnauße. Das z hat sich vermutlich unter dem Einfluss von schnäuzen (althochdeutsch snūzōn, mittelhochdeutsch sniuzen) entwickelt und schließlich durchgesetzt.

    Charlotte Rein

    Literatur: