LVR-Institut für Landeskunde
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    Jedes Jahr am 5. Dezember ist es soweit: Kinder in der ganzen Republik (und darüber hinaus) stellen ihre frischgeputzten Schuhe vor die Haustüren, damit der Nikolaus sie in der Nacht zum 6. Dezember mit kleinen Geschenken, Obst, Nüssen und Süßigkeiten füllt.

    Rosafarbener Stiefel vor einer Wohnungstür Es ist Nikolaus!

    Doch der Heilige Nikolaus von Myra hat uns weitaus mehr hinterlassen als diesen Brauch: eine Fülle von Familiennamen. In der namenkundlichen Literatur wird das Beispiel Nikolaus immer wieder herangezogen, um zu demonstrieren, wie viele Familiennamen auf nur einen einzigen Rufnamen zurückgehen können. In ihrer Dissertation zu eben diesem Thema behandelt Kathrin Dräger rund 4000 Namen, von denen etwa 1000 mit Sicherheit von Nikolaus abgeleitet worden sind und die heute noch in Deutschland vorkommen. Insgesamt tragen etwa 290.000 Menschen in der Bundesrepublik einen Nikolaus-Familiennamen. Einige der Namen sind überregional verbreitet, wie zum Beispiel Nickel, Klose oder Klaus. Viele kommen aber auch nur in bestimmten Gebieten vor und sind für diese besonders typisch. Auch das Rheinland mit seiner sehr regionalspezifischen Namenlandschaft hat mehrere Nikolaus-Familiennamen hervorgebracht, die nur hier zu finden.

    Die Familiennamen, die auf den Rufnamen Nikolaus zurückgehen, gehören zu den Patronymen (= Vaternamen). Diese werden im Rheinland in der Regel durch das Anhängen einer Genitivendung an den Rufnamen gebildet (Hannes Dreesen, Sohn des Drees (= Andreas)), wobei zwischen dem schwachen Genitiv auf -en und dem starken Genitiv auf -s unterschieden werden kann: Dahmen > Dahm (= Adam) oder Frings > Fring (= Severin). Unter den vielen rheinischen Nikolaus-Nachnamen (von den meisten Namen gibt es mehrere Schreibvarianten: C oder K, ä oder ae, ö oder oe, ß oder ss …) finden sich beide Varianten: Klasen, Claßen oder Claassen neben Klasses, Clahses oder Claßes. Auch eine doppelte Genitivform (= schwacher + starker Genitiv) gibt es: Claessens. Diese ist, genauso wie Klasses und Clahses "besonders rheinisch" – während viele der anderen genitivischen Namenvarianten auch in anderen nordwestlichen Regionen Deutschlands vorkommen, wohnen Träger und Trägerinnen dieser drei Namen fast ausschließlich im Umkreis von Viersen, Krefeld und Mönchengladbach.

    Eine weitere rheinische Spezialität ist die Kombination einer Genitivendung mit der Verkleinerungsform -gen oder -ken: Cläsgens oder Kleuskens. Da der Rheinländer (oder die Rheinländerin) an sich manchmal ein wenig sprechfaul ist, ist in vielen Namen das -n- geschwunden, so in Kläsges, Klösges oder Klöskes. Das ö in den beiden letzten Namen ist auf die mundartliche Aussprache der Nikolaus-Kurzform Klaus zurückzuführen: Kloos (mit offenem oder geschlossenen o). Namen wie Klösgen oder Kläsgen wurden nur mit der Verkleinerungsform gebildet, ohne Genitiv.

    Nikolausfigur aus Filz vor unscharfem, grünem Hintergrund

    Drei weitere Nikolaus-Familiennamen kommen ebenfalls exklusiv im Rheinland vor, sind aber nicht den oben beschriebenen Bildungsformen mit Genitiv zuzurechnen: Klois, Klesing und Kolping. Bei Klois handelt es sich im die rheinische Kurzform des Rufnamen Klaus, die hier ohne weitere Kennzeichnung zum Familiennamen geworden ist. Typisch rheinisch ist die Schreibung oi – das i (alternativ auch e) dient hier zur Längenkennzeichnung, man spricht also ein langes o. Diese Schreibweise und Aussprache begegnet im Rheinland noch in vielen Ortsnamen, zum Beispiel in Troisdorf, Grevenbroich oder Soest. Der Name Klesing kommt besonders häufig zwischen Aachen und Koblenz vor. Die Endung -ing hat ähnliche Funktionen wie der Genitiv, sie zeigt ebenfalls die Zugehörigkeit einer Person an – entweder zum Vater, aber auch zu einer ganzen Sippe oder einer Örtlichkeit wie zum Beispiel einem Hof. Weitere Namen dieser Bildungsform kommen heute noch besonders häufig in Westfalen vor, wie zum Beispiel Klausing, Clausing oder Klasing. Ein weiterer typisch rheinischer Nikolaus + -ing-Name ist Kolping, ein Familienname, der besonders durch den Namensträger Adolph Kolping aus Kerpen bei Köln, Wegbereiter für die katholische Sozialbewegung und Namengeber des Kolpingwerks, bekannt ist. Der Name geht zurück auf den von Nicolas abgeleiteten französischen Familiennamen Colpin. Bei seiner Eindeutschung wurde er um die Endung -ing ergänzt; so finden sich für die Familie des Theologen Adolph Kolping in der schriftlichen Überlieferung aus Köln folgende Belege: 1651 Kolpein, 1669 Colpein, 1686 Culpin und 1732 Kolping. Familien mit diesem Namen leben auch heute noch zum größten Teil in Köln und Umgebung.

    Charlotte Rein

    Literatur:

    Bildnachweise: