LVR-Institut für Landeskunde
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    Geht die Kreisklinik "über die Wupper"? titelte das Rüsselsheimer Echo am 22.06.16 über einem Artikel, in dem es um die mögliche Schließeung des Kreiskrankenhauses Groß-Gerau geht. Die Entfernung Groß-Geraus etwa 200 km vom Wupperquellgebiet bei Marienhagen im Bergischen Land und der Kontext machen schnell deutlich: Hier geht natürlich niemand wortwörtlich (auf einer Brücke) über einen Fluss, sondern hier wird metaphorisch die Redewendung in der Bedeutung 'Konkurs gehen' verwendet. Woher diese Wendung kommt, ist bis heute nicht geklärt, zahlreiche mögliche Entstehungsgeschichten können im Internet an verschiedensten Stellen nachgelesen werden. Eine eindeutige Erklärung wird aber wohl nie möglich sein. Daher soll es in diesem Artikel nicht um die Herkunft der Redewendung gehen, sondern um die des Flussnamens, der diesem zugrunde liegt: der Name Wupper.

    Verlaufskarte der Wupper Verlaufskarte der Wupper

    Betrachtet man die abgebildete Verlaufskarte des Flusses und die umliegenden Orte, sticht sofort eine Besonderheit des bergischen Wasserlaufs ins Auge - auf seinem 115 km langem Verlauf erfolgt ein Vokalwechsel: Im Quellgebiet und auf den ersten 15 km bis Wipperfürth heißt der Fluss Wipper, dann bis zur Mündung in den Rhein bei Leverkusen Wupper. Dieser Unterschied spiegelt sich auch in den Namen der Orte entlang des Wasserlaufs wieder: Klaswipper, Böswipper, Niederwipper und Wipperfürth befinden sich am Oberlauf, Wuppertal, Wupperfeld und der Wupperhof am Mittel- bzw. Unterlauf.

    Ein Blick in die historischen Quellen, in denen der Fluss Erwähnung findet, zeigt, dass früher der gesamte Strom ausschließlich als Wipper bezeichnet wurde: 973 Wippera, 1166 Wippere. Ab dem 14. Jahrhundert tauchen daneben Formen mit u auf: 1390 up der Wupperen. Parallel kann aber auch weiterhin der gesamte Fluss als Wipper bezeichnet werden, wie an einem Beispiel aus der Koehlhoffschen Kölner Chronik (1499, S. 609) zu sehen ist: ind war eyn soyne tusschen vader ind soene gesprochen also dat Herzoch Alff kreich dat lant over die Wipper vnd Herzoch Wilhelm der vader dat lant by dem Rijne ('und war eine Versöhnung zwischen dem Vater und dem Sohn ausgesprochen, nämlich dass Herzog Adolf das Land über der Wipper kriegt und Herzog Wilhelm, der Vater, das Land bei dem Rhein'). In Texten aus den 17. Jahrhundert finden sich dann noch weitere Varianten des Flussnamens, die das "Vokalchaos" komplettieren: z. B. 1610 Wopper, 1630 Wepper. Im 18. Jahrhundert setzt sich dann zunehmend die Form Wupper für den gesamten Wasserlauf durch, bis es schließlich zur Festlegung der heutigen Benennung Oberlauf = Wipper, Mittel- und Unterlauf = Wupper kam.

    Karte von 1803, Wupper bei Leichlingen Karte von 1803: Wupper bei Leichlingen

    Um die Herkunft des Namens Wupper zu klären, ist die früheste Form Wipper der Ausgangspunkt. Hierbei handelt es sich um einen Namen mit einer alten Wurzel, was man daran erkennen kann, dass es im deutschen Sprachraum mehrere gleichlautende Flussnamen gibt. So heißen beispielsweise ein Nebenfluss der Saale, ein Nebenfluss der Unstrut und ein Fluss bei Rügenwald (Pommern) ebenfalls Wipper. Grundlage all dieser Namen ist die germanische Wurzel *wip-, aus der sich auch wippen 'auf und ab bewegen, schaukeln, schlenkern' entwickelt hat. Wupper bedeutet also etwa 'sich auf und ab bewegendes Gewässer'.

    Die Herkunft des Ortsnamen Wuppertal wird übrigens hier erklärt.

    Charlotte Rein

    Literatur:

    Bildnachweise: