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  • Schüringshof (Sonsbeck)

    Ansicht von Sonsbeck Gemeinde mit vielen Höfen: Sonsbeck

    Bei Namen von Höfen und den Familiennamen ihrer Bewohner stellt sich den Namenforscher oft die Frage: Wer ist Huhn, wer ist Ei? Denn bei Hofnamen gibt es zwei Typen von Namenübertragung: 1) vom Hof auf den Bewohner, 2) vom Bewohner auf den Hof. Der zweite Typ führt dazu, dass sich in der Geschichte eines Hofes, Guts oder einer Kate der Name (mehrfach) ändert - wenn ein neuer Eigentümer einzieht, erhält das Anwesen einen neuen Namen. Für die Namenforschung sind diese Fälle besonders knifflig, denn nur bei einer umfangreichen und möglichst lückenlosen Überlieferung von Schriftstücken wie Chroniken, Urkunden und Katastern können alle Namen dokumentiert und in eine chronologische Abfolge gebracht werden. Dies ist bei einem Sonsbecker Hof, dem heutigen Schüringshof, tatsächlich der Fall, so dass wir die Namengeschichte dieses Anwesens gut nachzeichnen können:

    Der Hof taucht im Kataster von 1735 als Balendoncks Kaht auf, die sich zu diesem Zeitpunkt im Eigentum der Bewohnerin befindet. An anderer Stelle des Katasters wird eine Witwe namens Bahlendonck (jetzt mit h geschrieben) erwähnt, welcher eine Flur (ein Stück Land) gehört, die Omgreefers Kaht genannt wird, aber kein Gebäude mehr aufweist. Witwe und Kate Ba(h)lendonck tragen denselben Namen, ein Name, der Jahrhunderte zuvor zu einem Bauernhof auf der Grenze zwischen Winnekendonk und Sonsbeck gehört hat. Er lässt sich wohl mit dem Hof Barendonk in Achterhoeck identifizieren. Ba(h)lendonck und Barendonk dürften also Varianten dieses Namens sein. Die Sonsbecker Balendoncks Kaht ist auf einer Karte von 1802/04 als Bahlendoncks Kat aufgenommen, auf einer Karte von 1835/36 wird sie jedoch Umpgraf genannt, 1843/45 ebenso. In diesem Umpgraf ist vermutlich umgrave enthalten, ein Flurname, der hier für das ausgehende Mittelalter durch eine Xantener Urkunde von 1474 bezeugt ist. Offenbar war der Name Umgreefers Kaht (1735) auf die Balendoncks Kaht übergegangen. Die Mutter des heutigen Bewohners hat den Namen Umpgraf für das Anwesen noch in der Form Ömgraf gekannt. Aus Umpgraf (Ömgraf) wurde schließlich Schüringshof, nachdem der Großvater des heutigen Hofbewohners, der den Familiennamen Schüring trug, den Hof um 1888 erworben hat. Mit Schüringhof trägt das Anwesen also zumindest seinen dritten Namen!

    Literatur:

    Bildnachweis: