LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Otzenrath

Ausschnitt aus einer google-Karte mit den beiden Orten "Otzenrath" Alt-Otzenrath und Neu-Otzenrath von oben

Wer den Ortsnamen Otzenrath bei Google maps eingibt, wird direkt zweimal fündig - und das im Abstand von wenigen Zentimetern (auf dem Computerbildschirm) beziehungsweise wenigen Kilometern in der Realität. Während das nördlichere Otzenrath wie zu erwarten aus Straßen, Wohnhäusern und Geschäften besteht, klafft auf Höhe des südlichen Otzenraths ein großes braun-graues Loch: Wie andere Orte der Gegend auch, ist das Dorf dem Tagebau zum Opfer gefallen, genauer gesagt dem Tagebau Garzweiler II. Die Umsiedlung der Bewohner nach Neu-Otzenrath begann 1999 und endete offiziell 2007, gemeinsam mit dem Nachbarort Spenrath waren 1.600 Menschen von der Entscheidung betroffen. Die Geschichte und das kulturelle Leben des Ortes wurden durch den Abriss des Dorfes natürlich nachhaltig beeinflusst und ihre Bewahrung erhielt in der Dorfgemeinschaft einen hohen Stellenwert. So wurde 2003 der Geschichtskreis Otzenrath-Spenrath gegründet. Dieser widmet sich auch dem Dialekt des Ortes - wie in vielen Dörfern des Rheinlandes konnte auch hier schon lange beobachtet werden, dass das Utzenrother Platt im Alltag immer weniger gesprochen wird. Daher war die Befürchtung groß, dass mit der Auflösung der alten Dorfgemeinschaft auch der Ortsdialekt endgültig verschwinden würde. Doch glücklicherweise fanden sich eine Reihe interessierter Otzenrather und Spenrather, die das Platt noch beherrschten, und die es für die Nachwelt festhalten und dokumentieren wollten.

Martkstraße in Alt-Otzenrath Marktstraße in Alt-Otzenrath Marktplatz von Neu-Otzenrath Marktplatz in Neu-Otzenrath

In Jahren gemeinsamer Arbeit konnte eine beachtliche Sammlung von Wörtern und Redewendungen zusammengestellt werden, die etwa 160 Seiten füllt. Und dabei handelt es sich mit Sicherheit noch längst nicht um alle Wörter der Ortsdialekte, doch Vollständigkeit ist bei einem Wörterbuch nahezu unerreichbar.

Das Vorwort des Utzenrother Platts liefert eine erste dialektgeographische Einordnung der Mundart: Sie gehört zum ripuarischen Sprachraum, was durch Wörter wie Zick 'Zeit', mache 'machen' und loofe 'laufen' ganz deutlich wird, auch wenn in unmittelbarer Nähe zu Mönchengladbach bereits südniederfränkische Mundarten gesprochen werden (Tiet, make, loope). Der eigentliche Wörterbuchteil umfasst dann zahlreiche Dialektwörter, die typisch für Otzenrath und Spenrath sind und die oftmals auch das Leben im alten Dorf widerspiegeln. Das war lange Zeit landwirtschaftlich geprägt, wie sich an Wörtern wie Kromm 'Sichel', Hühjer 'Furchenzieher', Jötschklomp 'Jauchenschöpfer' und auch Knolli-Brändi 'minderwertiger Schnaps aus Zuckerrüben' ablesen lässt. Neben den Mundartwörtern steht entweder eine hochdeutsche oder eine umgangssprachliche Übersetzung, teilweise ist auch eine genauere Erläuterung notwendig, um jüngeren Lesern das Verstehen zu ermöglichen. Eine Besonderheit stellt die Aufnahme von Spitznamen in das Wörterbuch dar. So ist hier zum Beispiel von Willi Melzener zu lesen, der nur Melznesch Schümmel genannt wurde, weil er strohblonde Haare hatte. Genauer vorgestellt wird das Wörterbuch hier.

Ein ausführlicher Bericht zum Utzenrother Platt von Eva Schmitt-Roth kann hier (PDF-Datei, 427 KB) eingesehen werden.

Literatur:

Bildnachweise: