LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Lammersdorf (Nordeifel)

Kirche von Lammersdorf Kirche St. Johann Baptist in Lammerdorf

2002 wurde in Lammersdorf in der Nordeifel eine Befragung zum Dialekt durchgeführt. Lammersdorf liegt an der belgischen Grenze, es hatte Mitte 2002 genau 2443 Einwohner und Einwohnerinnen. 53 von ihnen, Menschen beiderlei Geschlechts im Alter zwischen 15 und 89 Jahren, nahmen an der Erhebung teil. Elf gehörten der Altersgruppe 15 bis 24 Jahre an; nur noch einer von ihnen beherrschte nach eigenen Angaben den Dialekt!

Umgekehrt sah es in der ältesten Altersgruppe aus (65 Jahre und älter): nur eine von acht Personen war ohne Dialektkompetenz. Auch die Dorfbewohner zwischen 45 und 64 Jahren gehörten in ihrer Mehrzahl zu den Plattsprechern: 14 von 16. Die Wende hat sich in diesem Eifelort in der Zeit zwischen 1958 und 1977 vollzogen: nur fünf der 18 befragten Einwohner aus dieser Altersgruppe, zum Zeitpunkt der Befragung also zwischen 25 und 44 Jahre alt, sprechen offensichtlich noch Platt! Die Eltern unter den Gewährspersonen wurden um Auskunft gebeten, ob ihre Kinder den Dialekt beherrschen ("Kann Ihr Kind/Können Ihre Kinder Platt sprechen?"). Die jüngste Gewährsperson, die diese Frage – mit Einschränkungen – bejahte, gehörte dem Geburtsjahrgang 1944 an. Eltern, die jünger als 58 Jahre waren, verneinten die Frage.

Eine andere Frage bezog sich auf den Spracherwerb: "Haben Sie eher Platt oder eher Hochdeutsch gelernt oder beides gleichzeitig?" Die jüngste Person, die den Dialekt als ihre Erstsprache nannte, war 1962 geboren, also etwa 1968 eingeschult worden. Sie stammte nicht aus Lammersdorf, sondern aus einem kleinen Nachbardorf. (Neben gebürtigen Lammersdorfern wurden auch Menschen, die aus der unmittelbaren Umgebung stammten, in die Erhebung einbezogen.) Die meisten der nach dem Zweiten Weltkrieg geborenen Dialektsprecher haben den Dialekt jedoch neben dem Hochdeutschen, wenn nicht gar erst als Zweitsprache erlernt (sieben von neun Sprechern). Umgekehrt gaben die vor Kriegsende Geborenen nur in Ausnahmefällen das Hochdeutsche als ihre Erstsprache an (nämlich drei von 18 Personen).

Die, die sich selbst nicht mehr als Dialektsprecher einstuften, wurden gefragt: "Verstehen Sie das Platt von Lammersdorf?" Niemand antwortete hier mit Nein, aber einige brachten zum Ausdruck, dass sie nicht mehr alles verstehen: Es waren ausnahmslos jüngere Leute, geboren 1974 oder später, die solche Einschränkungen machten.

Die Dialektkontinuität in Lammersdorf ist also abgebrochen. Es ist zu erwarten, dass sich die Sprachverhältnisse in der Eifel denen am unteren Niederrhein oder im Bergischen Land angleichen werden, wo der Dialektverlust heute bereits deutlicher sichtbar ist. Anders als dort kann man heute in der Eifel jedoch auch bei jungen Erwachsenen noch mit passiven Dialektkenntnissen rechnen.

Informationen zur Geschichte des Ortsnamen Lammersdorf finden sich hier.


Literatur:

Bildnachweis: