LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
Logo LVR

Platt (der Begriff)

Der Begriff Platt wird im Norden und Westen des deutschen Sprachraums, also auch im gesamten Rheinland, häufig anstelle der Bezeichnungen Dialekt und Mundart verwendet (dies zeigt gut eine Karte des Atlas zur deutschen Alltagssprache). Bönnsch Platt oder Kävels Platt meint also den Dialekt von Bonn bzw. von Kevelaer.

Das Wort platt zu Anfang des 17. Jahrhunderts aus dem Niederdeutschen in die hochdeutsche Schriftsprache übernommen wurde und allgemein 'flach, eben' bedeutet. In das Niederdeutsche kam der Begriff aus dem Niederländischen und hierher stammt auch die erste dokumentierte Verwendung des Wortes in Bezug auf Sprache: Im Vorwort einer Delfter Übersetzung des Neuen Testaments aus dem Jahr 1524 wird betont, dass diese in goede platten duytsche angefertigt worden sei. Plat wird hier in der Bedeutung 'einfach, deutlich, verständlich' verwendet, die Übersetzung ist also 'in vertrauter, verständlicher Volkssprache' verfasst und nicht in der Gelehrtensprache Latein bzw. Griechisch. Damit bezieht sich die Sprachbezeichnung Platt ursprünglich nicht, wie oft zu lesen, darauf, dass die Dialekte auf dem 'platten Land' gesprochen werden, oder auf einen niedrigeren sozialen Status der Sprecher, sondern darauf, dass diese Sprache für viele Menschen verständlicher und alltäglicher war als Latein oder Griechisch. Aus Formulierungen wie dieser entstand dann zuerst die Zusammensetzung Plattdeutsch, daraus wiederum die Kurzform Platt. Das Wortgeschlecht (das Platt) ging dabei von der Lang- auf die Kurzform über.

Aufkleber mit der Aufschrift "ver kalle platt os Moddersproch darf net sterve" Aufkleber der Sparkasse Würselen-Bardenberg

Eine Abwertung als Sprache ungebildeter Personen erfuhren die Dialekte und damit auch der Begriff Platt im 17. Jahrhundert. Grund dafür war eine zunehmende Verbreitung des Hochdeutschen, die dazu führte, dass die Mundarten immer häufiger als schlechtere und minderwertigere Sprache wahrgenommen wurden. Platt wird so gleichbedeutend mit 'unterlegen, minderwertig‚ grob'. Erst durch die aufkommende Dialektforschung im 19. Jahrhundert wird Platt (wieder) zunehmend als wertungsfreier Begriff zur Bezeichnung der nord- und westdeutschen Dialekte genutzt, so beispielsweise in Georg Wenkers Schrift "Das rheinische Platt" (1877). Heute nennen auch die rheinischen Dialektsprecher selbst ihre Sprache meistens Platt, häufig in Kombination mit dem Ortsnamen: Öcher Platt (Aachener Platt). Aber auch die Langform Plattdeutsch begegnet im Rheinland immer wieder, wobei hier die Verwendung mit einem Ortsnamen seltener ist, eher wird die Bezeichnung allgemein als Gegenpol zu Hochdeutsch gebraucht. Dies wird in einem Gedicht der Mundartautorin Anna Paris aus Winnekendonk deutlich:

Wat ons de Älders achterloate,
Dat dörf ni üt stärve,
Dörm lehrt de Kinder plattdeuts proate,
Dat sej et wijer verärve!

(Was uns die Eltern hinterlassen,
Das darf nicht aussterben,
Darum lehrt die Kinder plattdeutsch zu sprechen,
Dass sie es weiter vererben!)

Literatur: