LVR-Institut für Landeskunde
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Rheinische Velarisierung: Ohne Dom, ohne Rhing, ohne Sunnesching!

"Superjeile Zick", "Hey Kölle, du ming Stadt am Rhing", "Ohne Dom, ohne Rhing, ohne Sunnesching" oder "Wo die Minsche Kölsch verstonn, weed die Sproch nie ungerjonn" – ein typisches Merkmal des ripuarischen Sprachraums (und daher auch vieler kölscher Lieder) ist die sogenannte Velarisierung (in älteren Studien auch Gutturalisierung oder Mouillierung). Unter diesem Begriff versteht man in der Sprachwissenschaft, dass statt eines n, eines t oder eines nt der Laut ng, nk oder k gesprochen wird: Hund > Honk, Wein > Wing oder Leute > Löck. Hierbei können zwei verschiedene Entwicklungen voneinander unterschieden werden:

1) /nd/, /nt/ > /ngk/, /ng/: unter > unger, hinter > hinger, finden > finge

Diese Veränderung ist keine exklusive Besonderheit des rheinischen Sprachraums, es gibt sie auch in anderen Dialekten in Mitteldeutschland. Im Rheinland kommt sie im Ripuarischen und auch im Südniederfränkischen sowie im Ostbergischen vor. Nur das Kleverländische hat diese Entwicklung nicht erreicht, hier heißt es onder, achter, finde/fende. Die genaue Verbreitung der velarisierten Form kann von Wort zu Wort unterschiedlich sein, was an einer Karte, die Georg Wenker Ende des 19. Jahrhunderts für seinen Sprachatlas der Rheinprovinz anfertigt hat, sehr deutlich wird:

Sprachkarte, die die Verbreitung der velarisierten Formen der Wörter Rhein, Wein, neun etc. zeigt Karte zu den Wörtern Wein, Rhein, neun, ... aus Georg Wenkers Sprachatlas der Rheinprovinz

2) /n/, /t/ nach hochdeutschem ei, eu, au > e/i, ö/ü, o/u + /ng/ oder /k/: dein > ding/deng, heute > hück/höck, braun > brung/brong

Diese Entwicklung kommt nur im Ripuarischen vor und wird deshalb auch Rheinische Velarisierung genannt. Neben der Veränderung der Konsonanten im Auslaut (n, t > ng/k) weichen diese Wörter auch bei den Vokalen vom Hochdeutschen ab. Dies liegt daran, dass das Ripuarische hier noch deutliche Ähnlichkeit mit dem Mittelhochdeutschen aufweist und dass es Umwandlungen nicht mitgemacht hat, die im Hochdeutsche stattfanden. Auch bei der Rheinischen Velarisierung ist die genaue Verbreitung der velarisierten Formen je nach Wort unterschiedlich.

Zudem besteht ein Gegensatz zwischen der Stadt Köln und der ländlicheren Umgebung: Während in der Stadt die mittelhochdeutschen Vokale i, ü und u beibehalten und nur kürzer ausgesprochen werden als früher (schneiden > schnigge, Kraut > Kruk, bedeuten > bedügge) werden sie in der umliegenden Region zu e, ö, o gesenkt (und ebenfalls kurz gesprochen: schnegge, Krok, bedögge). Hier hat in den letzten Jahrzehnten allerdings eine Veränderung stattgefunden, wie Jürgen Macha in einer Studie zur Sprache von Handwerksmeistern aus Siegburg und Umgebung zu Beginn der 1990er Jahre zeigen kann. So verwenden die Männer aus Siegburg, Eitorf und Windeck häufig statt der ursprünglich ortsüblichen Form die Kölner Variante: hük statt hök, brunge statt brong und Ziggen statt Zeggen 'Zeiten' (Macha 1991, S. 95-108). Hier wird der Kölner Stadtdialekt zum Vorbild für die kleineren Ortsdialekte.

Werbung für eine Karnevalsparty mit dem Thema "In Düx gebützt"

Die Velarisierung tritt auch in Namen auf: So ist der rheinische Familienname Frings eine verkürzte und velarisierte Form des Namens Severin (Severin > Frin > Fring).

Charlotte Rein

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