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Aussprache von 'g' als /j/: jut ...

Werbeplakat der Bäckerei Nelles für eine "Jute Tasche" Gelungenes Spiel mit dem Dialekt: Ne gute Tasche aus Jute!

Ne jut jebratene Jans is ne jute Jabe Jottes – dieser vielzitierte Spottvers spielt auf eine der bekanntesten Eigenheiten des ripuarischen Dialekts an: Im Anlaut eines Wortes wird g als j ausgesprochen. Der Ausspruch wird auch schon einmal Altkanzler Konrad Adenauer zugesprochen, der vielen Menschen auch aufgrund seines deutlich rheinisch gefärbten Hochdeutschs in Erinnerung geblieben ist. Auf Hochdeutsch lautet der Spruch also 'ewine gut gebratene Gans ist eine gute Gabe Gottes'.

Diese Regel betrifft alle Lautkombinationen, in denen g am Wortanfang vorkommen kann, also sowohl vor Vokal wie in Jaade 'Garten' oder jejange 'gegangen' als auch vor Konsonanten wie in Jnade 'Gnade', jlöve 'glauben' oder Jras 'Gras'. Wie das Beispiel jejange 'gegangen' zeigt, ist der Wechsel von g zu j auch nicht allein auf die anlautende Position begrenzt, auch im Wortinneren kommt er vor. Hier allerdings nur in bestimmten lautlichen Kontexten, d. h. nur zwischen bestimmten Lauten, und zwar zwischen zwei Vokalen (bieje 'biegen', jejange 'gegangen') und/oder im Silbenanlaut (Metzjer 'Metzger').

Bei der Aussprache von g als j handelt es sich um ein altes Dialektmerkmal des Ripuarischen, dass auch im Regiolekt von vielen Sprechern noch verwendet wird. Ob diese Variante gebraucht wird und wenn ja, wie oft, ist dabei von Sprecher zu Sprecherin ganz verschieden. Dialektkompetenz ist dabei keine Voraussetzung – auch jüngere Menschen, die den Dialekt nicht mehr erlernt haben, nutzen das rheinische j in ihrer Alltagssprache, gerade in Wörtern wie jut 'gut', die häufig vorkommen.

Im Vergleich von Dialektaufnahmen und Aufnahmen des rheinischen Deutsch haben sich aber auch einige Unterschiede gezeigt, die mehrfach zu beobachten waren und nicht sprecherspezifisch sind. So verwenden die meisten Sprecher und Sprecherinnen am Wortanfang vor einem Konsonanten kein j, wenn sie Regiolekt sprechen. Dann heißt es wie im Hochdeutschen Glas und nicht Jlas: Wer selbst nicht Dialekt spricht und einmal versucht, ein j vor l, n oder r zu sprechen, wird nachvollziehen können, warum – vor einem e oder i geht das j viel leichter von der Zunge! Am häufigsten wird das j in der Vorsilbe ge- verwendet, also zum Beispiel in der Vergangenheitsform von Verben: jelaufen 'gesagt', jesacht 'gesagt' oder jemacht 'gemacht'.

Wie das Beispiel jesacht vermuten lässt, wird auch in anderen Positionen das hochdeutsche g nicht als g ausgesprochen – hierzu gibt es hier mehr Informationen.

Charlotte Rein

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