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    Ausschnitt aus einer Dialektkarte zum Wort Spatz

    Schermbeck liegt ganz im Osten des Kreises Wesel und gehört damit noch zum Rheinland. Der dortige Dialekt aber wird schon zum Westfälischen gerechnet. Als "Grenze" zwischen den niederfränkischen Dialekten und den westfälischen Dialekten wird der "Einheitsplural" genommen. Nach diesem Kriterium ist das Schermbecker Platt Teil des Westfälischen. Das zeigt sich schon im ersten Satz des Fragebogens von 1884/85: In’n Winter flegt de dröge Blähr in de Loft heröm. 'Im Winter fliegen die trockenen Blätter durch die Luft herum.' Es geht um die Pluralform flegt.

    Im Westfälischen hat die einheitliche Mehrzahlform (Pluralform) im Präsens sowohl in der 1. wie in der 2. und in der 3. Person ein -t: Die trockenen Blätter fliegen: De dröge Blähr flegt.

    Der Satz ist auf dem Dialektfragebogen zu finden, den Georg Wenker 1884/85 verschickt hat. Er wird in Marburg aufbewahrt und kann auf der Homepage des Forschungszentrums Deutscher Sprachatlas angesehen und heruntergeladen werden. Der Bogen umfasst 40 Sätze, die damals aus dem Hochdeutschen in den Dialekt übertragen worden sind. Wir haben diesen Fragebogen für Sie "abgeschrieben". Schermbeck ist auch einer der Orte im Dialektatlas "Dialekt à la carte", dessen Karten Sie hier finden.

    Wenkersätze aus Schermbeck (Nr. 23294)

    1. In’n Winter flegt de dröge Blähr in de Loft heröm.

    Im Winter fliegen die trockenen Blätter in der Luft herum.

    2. Glik hört et op te scheen, dann wott dat Währ wer better.

    Es hört gleich auf zu schneien, dann wird das Wetter wieder besser.

    3. Doo Kohlen in den Ofent, dat de Melk anfängt te koken.

    Tu Kohlen in den Ofen, damit die Milch bald zu kochen anfängt.

    4. Denn goden ollen Mann es met de Perde dür das Is gebroken und in dat Waater gefall.

    Der gute alte Mann ist mit dem Pferd(e) auf dem Eis eingebrochen und in das kalte Wasser gefallen.

    5. He es vö ver of säs Wäken gestorwen.

    Er ist vor vier oder sechs Wochen gestorben.

    6. Dat Föör wor te heet, de Kooken bönt ganz schwatt gewodden.

    Das Feuer war zu heiß, die Kuchen sind ja unten ganz schwarz gebrannt.

    7. He ett de Eier ömmer ohne Sald und Päpper.

    Er ißt die Eier immer ohne Salz und Pfeffer.

    8. De Föte doht mi döchteg weh, ek glöw, ek hep se dürgeloopen.

    Die Füße tun mir sehr weh, ich glaube, ich habe sie durchgelaufen.

    9. Ek bön bi de Frau gewest un hepp et öhr gesagt, un se hett gesagt, se wollet ok öhre Dochter seggen.

    Ich bin selber bei der Frau gewesen und habe es ihr gesagt, und sie sagte, sie wolle es auch ihrer Tochter sagen.

    10. Ek well et ok net mehr wehr dohn!

    Ich will es auch nicht mehr wieder tun.

    11. Ek hau di glik met denn Kokläppel öm de Ohren, du Aape.

    Ich schlage dich gleich mit dem Kochlöffel um die Ohren, du Affe.

    12. Wo gehst du hen, sö wi mett di gohn?

    Wo gehst du hin? Sollen wir mitgehen mit dir gehen?

    13. Et bönt schlechte Tihen.

    Es sind schlechte Zeiten.

    14. Min lev Kind, bliv her under stohn, de geftege Gansen bitt di dot.

    Mein liebes Kind, bleib hier unten stehen, die bösen Gänse beißen dich tot.

    15. Du hes vantage et meste gelährt, un bös adeg gewest, du kans äher noh Hus gohn, es de Andern.

    Du hast heute am meisten gelernt und bist artig gewesen, du darfst früher nach Hause gehen als die anderen.

    16. Du bös noch net grot genog, öm ene Flässe Wien utedrenken, du mos äher noch en Ende wassen und grödder wodden.

    Du bist noch nicht groß genug, um eine Flasche Wein allein auszutrinken, du mußt erst noch wachsen und größer werden.

    17. Goh, sih so got und segg din Söster, se soll de Kleeder vö öhre Mooder ferdeg nähen un mett den Bossel rein maken.

    Geh, sei so gut und sag deiner Schwester, sie soll die Kleider für eure Mutter fertig nähen und mit der Bürste rein machen.

    18. Hätts du öm gekennt! Dann wör et anders gekommen, un et döh better öm öm stohn.

    Hättest du ihn gekannt! Dann wäre es anders gekommen, und es täte besser um ihn stehen.

    19. Wenn hett mi minen Korf met Fleiß afgestohlen?

    Wer hat mir meinen Korb mit Fleisch gestohlen?

    20. He döch so, es hätt he mi dot daßen bestellt, se häppt et aber selvs gedohn.

    Er tat so, als hätten sie ihn zum Dreschen bestellt; sie haben es aber selbst getan.

    21. Wenn hett he de neje Geschechte vertellt?

    Wem hat er die neue Geschichte erzählt?

    22. Man mott hatt roopen, söns kann he et net verstohen.

    Man muß laut schreien, sonst versteht er uns nicht.

    23. Wi bönt möh un häppt Dost.

    Wir sind müde und haben Durst.

    24. Es wi gestern Ofend trögge kemen, lachen de Andern all in Bedde un wören fast ant schloopen.

    Als wir gestern Abend zurück kamen, da lagen die anderen schon im Bett und waren fest am schlafen.

    25. Denn Schnee es dösse Nacht bi uns leggen geblewen, awer vanmorgen es he geschmolten.

    Der Schnee ist diese Nacht liegen geblieben, aber heute Morgen ist er geschmolzen.

    26. Achter unse Hus stoht dre nette Appelbömkes met rode Äppelches.

    Hinter unserem Hause stehen drei schöne drei Apfelbäumchen mit roten Äpfelchen.

    27. Könnt ih net noch enen Ogenblek opp uns wachten, dann goh wi met uh.

    Könnt ihr nicht noch einen Augenblick /ein Augenblickchen auf uns warten? Dann gehen wir mit euch.

    28. Ih dörft net sone Kinderrehen driwen.

    Ihr dürft nicht solche Kindereien treiben.

    29. Unse Berge bönt net ganz hoch, de uhnen bönt völl höger.

    Unsere Berge sind nicht sehr hoch, die euren sind viel höher.

    30. Bovöll Pund Wost un bovöll Brod wellt ih hemmen?

    Wieviel Pfund Wurst und wieviel Brot wollt ihr haben?

    31. Ek verstoh uh net, ih mött en bettchen hatter spreken.

    Ich verstehe euch nicht, ihr müßt ein bißchen lauter sprechen.

    32. Häppt ih kenn Stöksken wette Sepe vö mi op minen Tes gefunnen?

    Habt ihr kein Stückchen weiße Seife auf meinem Tisch gefunden?

    33. Sin Brohr well sek twe nette neje Hüser in uhnen Gaden bauen.

    Sein Bruder will sich zwei schöne neue Häuser in eurem Garten bauen.

    34. Dat Wort kem öhm van Hatten.

    Das Wort kam ihm von Herzen!

    35. Dat wor recht van uh!

    Das war recht von ihnen!

    36. Wat sett dor vö Vögelches bowen op dat Müerken?

    Was sitzen da für Vögelchen oben auf dem Mäuerchen?

    37. De Buren hadden vif Ossen un negen Köje un twälf Schöpkes vö dat Dorp gebracht, de wollen se verkoopen.

    Die Bauern hatten fünf Ochsen und neun Kühe und zwölf Schäfchen vor das Dorf gebracht, die wollten sie verkaufen.

    38. De Lüh bönt vantage alle butten op dat Feld ant mähen.

    Die Leute sind heute alle draußen auf dem Feld und mähen.

    39. Goh me, den brunen Hund döht di neks.

    Geh nur, der braune Hund tut dir nichts.

    40. Ek bön bi de Lüh dor achter op de Wisse in dat Korn gefahren.

    Ich bin mit den Leuten da hinten über die Wiese ins Korn gefahren.

    Literatur:

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