LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
Logo LVR
  • Publikationen
  • Veranstaltungen
  • Über uns
  • Kontakt
  • Rheinberg

    Landkarte, auf der das kleverländische Sprachgebiet mit Rheinberg eingezeichnet ist Rheinberg im kleverländischen Dialektgebiet

    Ganz im Norden des Rheinlandes liegt das kleverländische Dialektgebiet, zu dem auch die Mundart der Stadt Rheinberg und ihrer Stadtteile gehört. Das Kleverländische stellt eine Besonderheit in der sprachlichen Landschaft Deutschlands dar, da es sich hierbei um einen Sprachraum handelt, der die Landesgrenze übertritt: Auch die Dialekte der grenznahen Sätze Nijmegen, Gennep und Venlo gehören dazu. Diese Verwandtschaft zeigt sich bei vielen Wörtern des alltäglichen Sprachgebrauchs - Rheinberg: Boks 'Hose', Fott 'Hintern', Pätt 'Kröte', Plaatekopp 'Glatze', Schottelsplack 'Spültuch', Venlo: boks, vot, ped, platekop, schottelslet.

    Gegenüber dem östlich angrenzenden Westfälischen lässt sich das Kleverländische durch die Einheitsplurallinie abgrenzen - Kleverländisch: wij maken, gij maakt, zij maken 'wir machen, ihr macht, sie machen', Westfälisch: wi maket, gi maket, se maket. Im Süden reicht das Sprachgebiet bis zur Uerdinger Linie, südlich von ihr liegt das Südniederfränkischen. Die Uerdinger Linie trennt nördliches ek (Rheinberg) von südlichem ech oder esch ('ich') (Krefeld). Auch die Aussprache von 'g' als /j/ im Anlaut kennen die kleverländischen Dialekte nicht, so heißt es hier Gedöns und glöwe 'Gedöns, glauben' und nicht wie im Ripuarischen und Niederfränkischen Jedöns und jlüewe.

    Einige Merkmale teilt die Rheinberger Mundart aber mit dem Südniederfränkischen und unterscheidet sich von nördlicheren kleverländischen Dialekten wie beispielsweise dem der Stadt Goch. So entspricht der ursprünglich (westgermanischen) Lautgruppe -sk im Südniederfränkischen -sch, im Kleverländischen -s. Das Rheinberger Platt stimmt hier mit der südlichen Lautung überein. So heißt es hier Bosch 'Wald' und fesche 'fischen' und nicht wie in Goch Bos und fese. Gleiches gilt auch für die Lautfolge -rs: In Rheinberg hat man Dorsch 'Durst' und isst Worsch 'Wurst', in Goch sagt man Dorst und Worst. Auch das südlichere Personalpronomen do 'du' findet sich in Rheinberg, während es weiter nördlich gei lautet.

    Bei den Vokalen hat die Rheinberger Mundart dahingegen mehr Übereinstimmungen mit dem nördlichen Dialekt von Goch, während hier die südlicheren kleverländischen Dialekte von Straelen und Vluyn mit dem Südniederfränkischen Gemeinsamkeiten aufweisen. So haben Rheinberg und Goch Is 'Eis' und Boom 'Baum', während es in Straelen Iis und Buem, in Vluyn Iis und Boum heißt.

    Bei den Lauten u und ü finden sich Unterschiede sogar innerhalb der zur Stadt Rheinberg gehörenden Stadtteile. So hat die Mundart von Eversael (im Osten der Stadt) meistens u: üt/ut 'aus', Hus 'Haus', Krut 'Kraut', Tun 'Zaun', brun 'braun' und Duuf 'Taube'. Dahingegen wird in Ossenberg und Millingen (im Norden) meist ü gesprochen: üt, Hüs, Krüt, Tün, brun, Duuf. Der Dialekt des Stadtkerns liegt genau dazwischen: üt, Hüs, Krüt/Krut, Tun, brun, Duuf.

    Eine auffällige Abweichung von der deutschen Standardsprache zeigt sich in Rheinberg bei der Bildung der schwachen Verben. Während diese im Hochdeutschen im Präteritum mit einem -t- gebildet werden (ich badete, trocknete …), wird in Rheinberg ein -n- eingefügt: ek bajne, drööchne. Nur bei wenigen Verben hat auch die Mundart ein -t-: ich meinte - ek mende.

    Georg Wenker verschickte 1884/85 einen Fragebogen im Rheinland. Der Bogen umfasst 40 Sätze, die aus dem Hochdeutschen in den Dialekt übertragen worden sind. Wir haben den damals in Rheinberg ausgefüllten Fragebogen für Sie „abgeschrieben“. Der Bogen wird in Marburg aufbewahrt und kann auf der Homepage des Forschungszentrums Deutscher Sprachatlas angesehen und heruntergeladen werden.

    Wenkersätze aus Rheinberg (Nr. 23031)

    In de Wenter fliege die dröge Bläer dör de Lof heröm.

    Im Winter fliegen die trockenen Blätter in der Luft herum.

    Et hört glick opp te schnee, dann wöd dat Wär wer bäter.

    Es hört gleich auf zu schneien, dann wird das Wetter wieder besser.

    Läg Kohle in den Owend, dat die Mälk geschwind kockt.

    Tu Kohlen in den Ofen, damit die Milch bald zu kochen anfängt.

    Dä gue alde Mann es met et Pärd dör et Is bebroke on in et kalde Water gefalle.

    Der gute alte Mann ist mit dem Pferd(e) auf dem Eis eingebrochen und in das kalte Wasser gefallen.

    Hei es vör vier oder säs Wäke gestörwe.

    Er ist vor vier oder sechs Wochen gestorben.

    Et Füer wor de heet, dröm es de kuk verbrannt.

    Das Feuer war zu heiß, die Kuchen sind ja unten ganz schwarz gebrannt.

    Hei ät de Eier ömmer ohne Salt on Päper.

    Er ißt die Eier immer ohne Salz und Pfeffer.

    De Füt dunt me so weh, ek glöf ek häb se dör gelope.

    Die Füße tun mir sehr weh, ich glaube, ich habe sie durchgelaufen.

    Ek bön be de Frau gewäs, on häb et öhr gesagg, on se sagg, se woll et öhr Dähter sägge.

    Ich bin selber bei der Frau gewesen und habe es ihr gesagt, und sie sagte, sie wolle es auch ihrer Tochter sagen.

    Ek wel et ok nit mer wehr dhun.

    Ich will es auch nicht mehr wieder tun.

    Ek schlon de glick met de Kokläpel öm de Ohre, do Aap!

    Ich schlage dich gleich mit dem Kochlöffel um die Ohren, du Affe.

    Wo gehs do hen sölle wet met gohn?

    Wo gehst du hin? Sollen wir mitgehen mit dir gehen?

    Et sind schlechte Tie.

    Es sind schlechte Zeiten.

    Min liew Kind, bliev hier onder stohn, die freche Ganse bitten de dot.

    Mein liebes Kind, bleib hier unten stehen, die bösen Gänse beißen dich tot.

    Do häs von Dag et mers gelehrt, on bös brav gewäs, do dörfs eher no Hüs gohn as die Andere.

    Du hast heute am meisten gelernt und bist artig gewesen, du darfst früher nach Hause gehen als die anderen.

    Do bös noch nit grot genug, öm en Fläß Win üt te drenke, do moß noch ers en End wasse, on gröter wödde.

    Du bist noch nicht groß genug, um eine Flasche Wein allein auszutrinken, du mußt erst noch wachsen und größer werden.

    Gohn, sin so gut on säg din Söster, se soll die Kleer för öhr Moder färdeg nähje on met den Bössel rein make.

    Geh, sei so gut und sag deiner Schwester, sie soll die Kleider für eure Mutter fertig nähen und mit der Bürste rein machen.

    Hat’s do öm gekent! dann wor et anders gekomme on et dei bäter öm Öm stohn.

    Hättest du ihn gekannt! Dann wäre es anders gekommen, und es täte besser um ihn stehen.

    Wenn hät me mine Körf met Fleisch afgestohle?

    Wer hat mir meinen Korb mit Fleisch gestohlen?

    Hei dei so, als hadde seh öm tu et derschen bestellt; se hadden et äwer selfs gedohn.

    Er tat so, als hätten sie ihn zum Dreschen bestellt; sie haben es aber selbst getan.

    Wenn hät hei die neue Geschich vertält?

    Wem hat er die neue Geschichte erzählt?

    Man mot hart rupe, anders versteht hei ons nit.

    Man muß laut schreien, sonst versteht er uns nicht.

    We sind müh on häben Dös.

    Wir sind müde und haben Durst.

    Wie we gistern Owend no Hüs kome, logen die andere all in et Bett.

    Als wir gestern Abend zurück kamen, da lagen die anderen schon im Bett und waren fest am schlafen.

    De Schnee es von Nach be ons legge geblewe, marr vonn Morge es hei geschmolte.

    Der Schnee ist diese Nacht liegen geblieben, aber heute Morgen ist er geschmolzen.

    Achter ons Hüs stönd dri nette Apelebömkes met rohje Äpeljes.

    Hinter unserem Hause stehen drei schöne drei Apfelbäumchen mit roten Äpfelchen.

    Könt ge nit noch enen Ogenblek ob ons wachte, dann gönnt we met oh.

    Könnt ihr nicht noch einen Augenblick /ein Augenblickchen auf uns warten? Dann gehen wir mit euch.

    Geh dörft nit son Kindereje driewe!.

    Ihr dürft nicht solche Kindereien treiben.

    Ons Berge sind nit erg hog, de oh sind völ höger.

    Unsere Berge sind nicht sehr hoch, die euren sind viel höher.

    Wie völ Pond Wöß wollt ge häbbe on wie völ Brot.

    Wieviel Pfund Wurst und wieviel Brot wollt ihr haben?

    Ek verstohn oh nit, ge möt en bedje hadder spräke.

    Ich verstehe euch nicht, ihr müßt ein bißchen lauter sprechen.

    Häb ge ken Stök wette Seb för meh ob minen Desch gefonde?

    Habt ihr kein Stückchen weiße Seife auf meinem Tisch gefunden?

    Sin Brür wel sech twe nette, neue Hüser in ohe Gade baue.

    Sein Bruder will sich zwei schöne neue Häuser in eurem Garten bauen.

    Dat Wort kom öm van Herte!

    Das Wort kam ihm von Herzen!

    Dat wor rech von oh!

    Das war recht von ihnen!

    Wat sette dor von Vögeljes ob et Mürke?

    Was sitzen da für Vögelchen oben auf dem Mäuerchen?

    Die Bure hadde fif Osse on nege Köh on twelf Schöpkes, vör dat Dörb gebrach, die wolle se verkope.

    Die Bauern hatten fünf Ochsen und neun Kühe und zwölf Schäfchen vor das Dorf gebracht, die wollten sie verkaufen.

    Die Lü sind von Dag all de bütte ob et Feld an mähje.

    Die Leute sind heute alle draußen auf dem Feld und mähen.

    Gohn merr, dä brunen Hund dät de neks.

    Geh nur, der braune Hund tut dir nichts.

    Ek bön met de Lü do achter öwer de Wei in et Korn gefaere.

    Ich bin mit den Leuten da hinten über die Wiese ins Korn gefahren.

    Literatur:

    Bildnachweis: