LVR-Institut für Landeskunde
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    Beggendorf liegt ganz im Westen des Rheinlands, nicht weit von der Grenze zu den Niederlanden entfernt. Heute gehört der Ort zur Stadt Baesweiler. Der dortige Dialekt wird zum Ripuarischen gerechnet, wenn auch die Benrather Linie nicht weit vom Dorf entfernt verläuft. Als in den 1880-er Jahren die Dialekterhebung Georg Wenkers stattfand, gelangte ein Fragebogen auch nach Beggendorf. Auf diesem Formular wurde auf der Rückseite darum gebeten, die Bezeichnungen der Wochentage aufzulisten. Nach der Befragung seiner Schüler*innen notiert der Beggendorfer Lehrer damals:

    SonndechMondechDengsdichMettwochDonneschtichFridichSamstich.

    Ausschnitt aus einem alten Fragebogen Ausschnitt aus dem Beggendorfer Wenkerbogen (Regionalsprache.de)

    Für Sprecher*innen vieler anderer ripuarischer Dialekte ist die Beggendorfer Bezeichnung des zweiten Werktags auffällig: Dengsdich – mit Velarisierung. Dass das ursprüngliche n zu ng wird, ist ein weitverbreitetes Phänomen. Vielerorts im Rheinland finden sich Lautvarianten wie Ling 'Leine', ming 'mein', Ping 'Pein, Schmerz' oder Rhing 'Rhein'. Dass ein altes n aber innerhalb einer Silbe und vor folgendem s velarisiert wird, fällt auch im Rheinland auf.

    Der Satz 14 des Fragebogens wurde damals in Beggendorf wie folgt übersetzt:
    14. Mie lef Kenk blief hee onge stonn de koe Gängs bisse dich duet.

    Ausschnitt aus einem alten Fragebogen Ausschnitt aus dem Beggendorfer Wenkerbogen (Regionalsprache.de)

    In der Vorlage hatte gestanden: "Mein liebes Kind, bleib hier unten stehen, die bösen Gänse beißen dich tot." Velarisierte Formen in diesem Satz sind Kenk 'Kind', onge 'unten' und Gängs 'Gänse', wobei sich bei Gängs eine Parallele zu Dengsdich zeigt. Der Beggendorfer Lehrer schrieb damals ein G-, gesprochen wurde und wird jedoch ein J-: Jängs 'Gänse'; die Einzahlform dazu ist Jangs.

    Dagegen taucht 'uns' oder 'unser' als os oder ohs auf. In anderen Orten des ngs-Gebiets, in denen das alte n in diesen Pronomen nicht geschwunden ist, begegnen Formen wie ongs oder onges (ungs, unges). So trägt ein Dialektwörterbuch für Korschenbroich den Titel "Unges Platt".

    Im Jahr 2013 hat Nathalie Strothkämper in Beggendorf junge Erwachsene zu ihren Erfahrungen mit dem Dialekt, zu ihren Spracheinstellungen und zur eigenen Dialektkompetenz befragt: Wie sich zeigte, beherrschte ein Teil der Befragten, die alle aus ortsansässigen Familien stammten, den Dialekt durchaus noch: "Einige verwenden den Dialekt selbst im Gespräch mit Gleichaltrigen" ( Strothkämper 2014 (PDF-Datei, 579 KB), S. 100, mehr dazu hier).

    Georg Cornelissen

    Literatur: