LVR-Institut für Landeskunde
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  • Beesel (Niederlande)

    Der niederländische Ort Beesel liegt unmittelbar an der Grenze zu Deutschland, nicht weit entfernt von Bracht oder Brüggen (Kreis Viersen), Beesel gehört zur Provinz Limburg. Als alle noch Platt sprachen, konnten sich Limburger*innen und Niederrheiner*innen mit Hilfe ihrer Dialekte gut verständigen, besonders dann, wenn sie nahe an der Grenze zuhause waren. Denn die heutige Staatsgrenze durchschneidet alte grenzübergreifende Dialekträume.

    Die Sprachkarte zeigt grün hinterlegt das Sprachgebiet um die niederländischen Städte Roermond und Beesel sowie Born und Brüggen in Deutschland

    Das zeigt sich auch im Dialektwörterbuch von Beesel, das zugleich die Mundart des Nachbarortes Reuver dokumentiert. Ein großer Teil der Stichwörter ist in den benachbarten niederrheinischen Dialekten ebenfalls bekannt. Beispiele:

    Bütt 'Büttenrede'
    Hüülbessem 'Staubsauger'
    Kruënekran 'Kranich'
    Mick 'Weißbrot'
    Quetschbüjel 'Akkordeon'
    Schottelsplack 'Spültuch'
    siepe 'stark regnen'
    Vastelovend 'Fastnacht'
    Vott 'Hintern'

    Nicht wenige Einträge erinnern auch ans Hochdeutsche:

    Hexeschöt 'Hexenschuss'
    hübsch 'schön'
    kränkelik 'kränklich, krank'
    lebendig 'lebendig'
    lustig 'fröhlich'
    quatsche 'Unsinn erzählen'

    Die Schreibung der Dialektwörter wurde im Vorangehenden verändert. Bütt ist im Lexikon als buut zu finden, Schottelsplack wird sjottelsplak geschrieben. Wer die sprachliche Verwandtschaft der Grenzdialekte untersuchen will, hat immer mit den verschiedenen Verschriftungen zu tun.

    Im Wörterbuch finden sich auch Redewendungen wie door kappes en tabak gaon (jetzt in der Originalschreibung; unter dem Stickwort "kappes"). Bedeutungen können sein: 'sich nicht aufhalten lassen' oder: 'besonders eigensinnig zu Werke gehen'. Diese Wendung war auch in den Dialekten des Rheinlands einmal stark verbreitet.

    Das Wörterbuch für Beesel und Reuver trägt den Titel "De Groeëte Zeumer", in niederrheinischer Schreibung: De Gruëte Sömer. Das Verb sömere (= zeumere) wurde beiderseits der Staatsgrenze verwendet, wenn es um das Einsammeln der Feldfrüchte nach der bäuerlichen Ernte ging; Kinder gingen sömere. Der Titel ließe sich also durch "Der große Sammler" übersetzen.

    Georg Cornelissen

    Literatur: