LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Kölsch

Der bekannteste Dialekt des Rheinlands ist zweifellos der Kölner: „Kölsch“.

Kölsch ist ein Stück fränkisch-germanischer Sprachgeschichte. Entstanden ist es als Teil der fränkischen Sprachlandschaft am Rhein, die sich nach dem Ende des Römischen Reiches herausgebildet hat. Aus dieser Zeit stammt etwa noch das u in Dume ‚Daumen‘, Duuf ‚Taube‘, Huus ‚Haus‘ oder Muus ‚Maus‘.

Kölsch – als Dialekt der Stadt Köln – ist der größte Dialekt im Rheinland und auch in Nordrhein-Westfalen. Ob es anderswo in Deutschland einen, gemessen an der Sprecherzahl, „größeren“ Dialekt gibt, lässt sich mangels verlässlicher Zahlen nicht sagen. In Berlin wird seit langem überhaupt kein Dialekt mehr gesprochen (das „Berlinisch“ unserer Tage ist eine Umgangssprache oder ein „Regiolekt“). Der Anteil der Plattsprecher in Hamburg dürfte gegenwärtig weit unter dem Kölner Wert liegen.

Kölsch ist für manche Menschen die eigentliche „Muttersproch“. In der Generation von Willi Ostermann (1876-1936) gab es noch zahlreiche Muttersprachler. Von den heutigen Kölsch-Sprechern und -Sprecherinnen werden die meisten Standarddeutsch und Kölsch gleichzeitig erlernt haben – wenn Kölsch nicht sogar ihre zweite Sprache (nach dem Hochdeutschen erlernt) war/ist.

In linguistischer Sicht ist der Kölner Dialekt eine „Sprache“: mit eigenem Wortschatz, eigener Grammatik und eigenem Lautinventar. In Köln hat sich die Bezeichnung „kölsche Sproch“ inzwischen auch durchgesetzt.

Das Verhältnis zwischen den Dialekten in der Stadt Köln (in ihren Grenzen von 1887) und in den seitdem eingemeindeten Orten beiderseits des Rheins ist bislang nur ansatzweise untersucht worden. Wo sagt man zum Beispiel Fleysch und heyß, wo Fleesch und heeß ‚Fleisch, heiß‘? Wie verteilen sich Oug und loufe bzw. Oog und lofe ‚Auge, laufen‘? Die ersten Varianten gelten jeweils als „stadtkölnisch“, die zweiten als „landkölnisch“ (bzw. „stadtkölsch“ und „landkölsch“). Im rechtsrheinischen Stadtteil Dünnwald ist inzwischen beides zu hören (Cornelissen 2014).

„Kölle“, so singen die „Höhner“, ist „e Jeföhl“ - das Kölsche, so ließe sich ergänzen, nicht minder. Anders als etwa in Düsseldorf oder Münster hat es der Dialekt in Köln geschafft, zu einem (fast) unverzichtbaren Element der lokalen Identität zu werden. Ortsloyalität drückt sich in Köln durch den Gebrauch des Kölschen aus, ob man es nun symbolisch einsetzt oder in alltäglicher Kommunikation verwendet. Wer Kölsch spricht oder sich zu einem Kölsch-Kurs anmeldet, demonstriert, wie eng er sich mit der Domstadt verbunden fühlt. Kölsch hat einen hohen Gefühlswert. Kein Zufall ist es deshalb, dass hier die „Akademie för uns kölsche Sproch“ gegründet wurde.

Außerhalb Kölns wird Kölsch oft mit „Rheinisch“ gleichgesetzt. Wer einen rheinischen Dialekt spricht, von dem wird heute schnell gesagt, er spreche „Kölsch“, besonders dann, wenn er aus der unmittelbaren Umgebung Kölns stammt, etwa aus Frechen oder Hürth. Kölsch war und ist medial besonders präsent, erinnert sei an die früheren Fernsehübertragungen aus dem Millowitsch-Theater. Heute sorgen Musikgruppen wie die Bläck Fööss oder BAP für die Bekanntheit einer Sprache, die von Menschen in Hannover oder Stuttgart wohl ebenso selbstverständlich unter „rheinisch“ wie unter „kölsch“ einsortiert wird. Wie das Öcher Platt klingt oder der Dialekt von Krefeld, wird man dagegen kaum wissen. Die Sprachwissenschaft geht davon aus, dass keine andere Ortssprache im Rheinland im Laufe der Jahrhunderte intensiver in ihre Nachbarschaft „ausgestrahlt“ hat als das Kölner Idiom.

Es ist kaum noch zu überblicken, welche Sprachphänomene heute nicht alle das Etikett „Kölsch“ angehängt bekommen: Dialekte und Regiolekte, aus Köln oder aus anderen Orten im Rheinland stammend, alltagssprachliche Äußerungen und sonntägliche Gottesdienste („kölsche Mess“), Gespräche in den eigenen vier Wänden und Darbietungen auf der Bühne, „tiefster“ Dialekt und bloße Sprachfärbung – all das kann den Menschen „kölsch“ vorkommen.

Wie das Kölsche klingt, zeigt die Sprechende Sprachkarte: Köln .

Georg Cornelissen, 19.03.2018

Literatur

Cornelissen, Georg: Die Kölner Sprachgeschichte nach 1500 – Ergebnisse und Desiderate der Forschung. In: Anna Karim/Sivia Ulivi/Claudia Wich-Reif (Hg.): Regiolekt, Funktiolekt, Idiolekt: Die Stadt und ihre Sprachen. Akten der 31. Tagung des Internationalen Arbeitskreises Historische Stadtsprachenforschung. Bonn, 29. September – 02. Oktober 2013. (= Sprache in kulturellen Kontexten/Language in Cultural Contexts, 1). Bonn 2015, S. 67-83.

Hilgers, Heribert A.: Kölsch (Sprache). In: Jürgen Wilhelm (Hg.): Das große Köln-Lexikon, S. 277-279. Köln 2005.

Wrede, Adam : Neuer Kölnischer Sprachschatz. Mit einer Einführung von Peter Honnen. Köln 13. Aufl. 2010.