LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Tag des Handwerks

Mit Alternativwörtern, auf die im Rheinland zurückgegriffen wird, wenn man die richtige Bezeichnung für ein Werkzeug gerade nicht parat hat, haben wir uns bereits hier beschäftigt. Zum Tag des Handwerks (dritter Samstag im September) nehmen wir uns das Thema aber mal ernsthaft vor und schauen uns umgangssprachliche Bezeichnungen für Werkzeuge genauer an.

Schwarz-weiß-Fotografie von vier Hämmern. Ein Mottek samt einiger kleinerer Hämmer. Foto: Klapdor, Katharina/LVR, CC BY 4.0 (1982-198-54/Archiv des Alltags im Rheinland)

Mottek als regionaltypische Bezeichnung für einen schweren Hammer wird gern als Beweis dafür herangezogen, dass das Polnische Einfluss auf die ruhrdeutsche Umgangssprache genommen hat. Das Wort trat zunächst nur im Ruhrgebiet auf, wo polnische Gastarbeiter als Bergleute gearbeitet hatten; von dort aus breitete es sich im Rheinland aus. Mottek ist aber so ziemlich das einzige polnische Wort, das heute noch in der Umgangssprache gebräuchlich ist. Die Annahme, es hätte im Ruhrgebiet Sprachkontakt gegeben, ist somit falsch und das Gegenteil ist der Fall: Die polnischen Gastarbeiter haben ihre Muttersprache zugunsten des Deutschen komplett aufgegeben.

Schwarz-weiß-Fotografie einer Holzkiste, die eine Kneifzange und weitere Werkzeuge enthält. Kneifzange oder Petschzange? Foto: LVR, CC BY 4.0 (1976-009-01/Archiv des Alltags im Rheinland)

Im südlichen Rheinland, wo man das Verb petschen, pitschen in der Bedeutung ‚kneifen, zwicken‘ kennt, verwendet man die Petschzange. Woher das Wort petschen, pitschen stammt, ist unklar: Sehr wahrscheinlich ist es mit dem gleichbedeutenden süddeutschen petzen, pfetzen verwandt. Interessant ist dabei, dass das Wort nur im südlichen Rheinland gebräuchlich ist. Am Niederrhein ist das Wort unbekannt, daher greift man dort zur Kneifzange. kneifen ist abgeleitet vom niederdeutschen und niederländischen knīpen und fand auch den Weg in die hochdeutsche Standardsprache.

Schwarz-weiß-Fotografie eines hölzernen Rechens. Ein Rechen. Oder doch eine Harke? Foto: Matthias Zender/LVR, CC BY 4.0 (zend-013-58/Archiv des Alltags im Rheinland)

Ein weiterer rheinischer Spezialfall ist die Verwendung von Rechen und Harke: Im gesamten deutschen Sprachraum außerhalb des Rheinlands wird entweder das eine oder das andere Wort verwendet; im Norden Deutschlands und auch am Niederrhein werden die Beete mit der Harke bearbeitet, im Süden des deutschen Sprachraums mit dem Rechen. Nur im südlichen Rheinland sind beide Wörter in Gebrauch. Sie sind allerdings nicht austauschbar: Harke bezeichnet das Gartengerät aus Eisen, ein Rechen dagegen ist aus Holz.

Für den Schraubenzieher kennt man nur am Niederrhein ein Dialektwort: Schruwetrekker (Schraubentrecker). –trecker ist eine Substantivableitung vom Verb trecken, was im Niederdeutschen und Niederfränkischen ziehen bedeutet. Das standarddeutsche Schraubenzieher hat übrigens nichts mit ziehen im heutigen Sinne zu tun, sondern mit dem Ein- und Festziehen der Schraube. Der leichter zu entschlüsselnde Begriff Schraubendreher wird fast ausschließlich in der Fachliteratur verwendet, kaum jemand benutzt ihn im täglichen Gebrauch.

Literatur: