LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Tönnies

Kaum ein Familienname wurde im Kontext der Corona-Krise in den letzten Tagen so häufig genannt wie Tönnies: Seit im Hauptwerk des Branchenriesen im nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück zahlreiche Mitarbeitende an Covid-19 erkrankt sind, vergeht kein Tag, an dem der Name nicht in den Medien zu hören oder zu lesen ist. Deshalb wollen wir uns den Namen heute einmal aus onomastischer Perspektive näher anschauen!

Verbreitet ist Tönnies (auch in der Variante Tönies) vor allem im westlichen Niedersachsen, aber auch in Westfalen und im Rheinland. Wie viele Familiennamen in Deutschland geht auch Tönnies auf einen Rufnamen zurück: Anton(ius). Heiligennamen wie dieser waren im Mittelalter sehr beliebt und wurden häufig vergeben. Um die vielen Namensträger dennoch auseinanderhalten zu können, entwickelten sich zahlreiche Kurz- und Koseformen. Ein Antonius konnte so beispielsweise Anton, Antun, Toni, Tunn, Tünn, Tönn, Tünnes, Tönnes, Tönnche, Tönneske oder Tönntje genannt werden (mehr zum Rufnamen Anton(ius) gibt’s hier). Aus vielen dieser Namenvarianten haben sich Familiennamen entwickelt: So ist auch Tönnies eine Kurzform von Antonius – die unbetonte erste Silbe An- ist weggefallen, o wurde zu ö umgelautet und -ius zu -ies abgeschwächt.

Neben Tönnies gibt es im Rheinland noch viele weitere Familiennamen, die auf Antonius-Kurzformen zurückgehen: zum Beispiel Tönnessen , Teunissen oder Tönnes(jeweils mit zahlreichen Schreibvarianten). Die genitivischen Patronyme (= Vaternamen) Tönnessen und Teunissen (Tönnes/Teunis + sen ‚Sohn‘) kommen dabei besonders häufig am unteren Niederrhein vor, im zentralen Rheinland und im Bergischen Land heißen Antonius-Nachfahren häufig Tönnes. Im südlichen Rheinland und im nördlichen Rheinland-Pfalz kommt die Form Thönnes besonders häufig vor.

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