LVR-Institut für Landeskunde
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Rheinisches Weihnachtsgebäck

Printen, Spekulatius und anderes Weihnachtsgebäck: Jede*r im Rheinland kennt die süßen Plätzchen, doch kaum jemand weiß, woher die Bezeichnungen ursprünglich stammen.

Backen hat zu Weihnachten eine lange Tradition. Heute geht es um die Sprachgeschichte von Weihnachtsplätzchen & Co. Das Wort Plätzchen ist bereits interessant: Nein, das Wort kommt nicht daher, dass man platzt, wenn man davon zu viele isst. Plätzchen ist wie die Wortform schon vermuten lässt, die Verkleinerungsform von Platz – die Endung –chen deutet immer eine Verkleinerung an, so auch bei Häuschen, Blättchen oder Hündchen. Damit bezeichnet man nicht nur im Rheinland einen flachen, dünnen Kuchen, der einer ebenen Fläche ähnelt. Ein Plätzchen ist also ein kleiner Kuchen.

Eine besondere Art von Plätzchen im Rheinland sind die Rübenkrautplätzchen. Rübenkraut ist ein in der rheinländischen Küche übliches Süßungsmittel, aber woher kommt eigentlich die Bezeichnung? Schließlich handelt es sich ja nicht um Kraut im heutigen Sinne. Kraut bezeichnet aber auch die dunkle Melasse, die entsteht, wenn man Obst oder Rüben presst und einkocht.

Foto: Weckmann/Stutenkerl aus Teig mit Pfeife Weckmann oder Stutenkerl? Foto: Matthias Süßen, CC BY-SA 4.0

Für das Gebildbrot, das man am Martinstag verzehrt, gibt es in Nordrhein-Westfalen zweierlei Namen: Im Rheinland, besonders den linksrheinischen Gebieten, nennt man es Weckmann, im Bergischen Land und in Westfalen Stutenkerl. Beide haben eine ähnliche Wortgeschichte.

Weck- in Weckmann kommt von althochdeutsch weggi, was 'Keil' bedeutet und später auch auf keilförmige Gebäckstücke übertragen wurde. Ähnlich geht Stuten- in Stutenkerl zurück auf mittelniederdeutsch stut, stute 'Oberschenkel, Steiß' zurück und bezeichnete als Stuten ein süßes Weißbrot, das in seiner Form einem Oberschenkel ähnelt. Der 'Stutenkerl' besteht aus demselben Teig. Dann werden beiden noch -mann bzw. -kerl angehängt – wegen ihrer Gestalt – und fertig ist das Martinstags-Gebäck.

Foto: Schaufenster einer Printenbäckerei In der Printenbäckerei... Foto: Like_the_Grand_Canyon, CC BY-NC 2.0

Printen sind das wohl bekannteste Gebäck aus Aachen, man kann sie dort nicht nur zur Weihnachtszeit kaufen. Die Vermutung, dass das Wort mit englisch print 'drucken' zu tun haben könnte, ist richtig: Printe kommt aus dem Niederländischen, von prent, was 'Abdruck, Aufdruck' bedeutet. Dies wiederum ist hergeleitet von der Gestalt, die Printen ursprünglich hatten; hölzerne Formen, in die Heiligenbilder geschnitzt waren, wurden mit Teig gefüllt, sodass diese sich in die Masse drückten. Heute haben Printen auch andere Formen, der Name ist aber geblieben.

Foto: Einige Spekulatius-Plätzchen Mit Spekulatius spekuliert es sich doch direkt viel besser! Foto: Mr. Wabu, CC BY-SA 2.0

Woher der Name Spekulatius genau kommt, darüber kann man nur spekulieren. Die Bezeichnung wie das Gebäck stammen aus den Niederlanden, wo es seit dem 18. Jahrhundert als speculatie bekannt ist. Das Wort bedeutet ursprünglich 'Betrachtung' oder 'Überdenken', später auch 'Fantasie' und 'Wohlbefinden' und wurde dann auch auf das Gebäck angewendet, im Sinne vom 'Gebäck für Feinschmecker' oder 'Fantasiegebäck'. An die niederländische Wortform wurde im Deutschen noch die lateinische Endung –us gehängt.

Mutzen sind eigentlich ein Fastnachtsgebäck. Der Name Mutze (oder auch Mauze) für kleine Gebäckstücke ist auch andernorts bekannt und leitet sich von mittelhochdeutsch mutzen ab, was 'abschneiden' bedeutet. Das wiederum rührt von der Herstellungsweise der Mutzen her, denn dazu wird der Teig in kleine Stücke geschnitten. Anschließend werden die Teigstückchen in heißem Fett frittiert. Weil die dabei entstehenden Formen der von Mandeln ähneln, nennt man sie auch Mutzenmandeln.

Christstollen und Bergwerksstollen haben wenig gemeinsam – sie sind aber sprachgeschichtlich verwandt. Beide Stollen gehen zurück auf das althochdeutsche stollo, das 'Stütze, Pfosten' bedeutet. Daraus entwickelte sich in der Bergmannssprache die Bedeutung für den waagerechten Gang, und durch die Ähnlichkeit mit einem Pfosten auch die Bedeutung für das Gebäck.

Kokosmakronen sind nicht unbedingt typisch rheinisch, aber doch recht verbreitet in der Gegend. Der Name geht zurück auf das italienische maccarone ('Röhrennudel') und ist – ja, tatsächlich – mit der Nudelsorte Makkaroni verwandt. Das Gebäck kam im 17. Jahrhundert aus Frankreich als macaron zu uns und wurde zu Makrone eingedeutscht.

Auch Lebkuchen sind im ganzen Land und darüber hinaus verbreitet. Die Herkunft des Wortes ist ungeklärt; Leb- könnte von Laib kommen, oder vom lateinischen libum 'Fladen' – Lebkuchen wären somit eine Art Brotkuchen.

Lassen Sie sich gemeinsam mit Ihrer Familie einen Teller mit gemischtem Plätzchen schmecken! Vielleicht können Sie Ihre Lieben mit der Wortherkunft des Gebäcks überraschen, das sie gerade verzehren.

Verena Kohlmann

Literatur: