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Nachwuchs im Kölner Zoo: Elefantenbaby mit "kölsch-birmanischem" Namen

Mitte Juni war es nach langer Tragezeit endlich soweit: Im Kölner Zoo brachte die Elefantenkuh Shu Thu Zar ein gesundes Elefantenkalb zur Welt. Der Name des Nachwuchses wurde dann am 26.06.2020 verkündet: Leev Ma Rie heißt das kleine Elefantenmädchen. Angelehnt ist dieser asiatisch klingende kölsche Name natürlich an den Liedtitel "Leev Marie" der Kölner Band "Die Paveier", die es sich als Paten auch nicht nehmen ließen, am Elefantenpark im Zoo ein Ständchen zu bringen: Video.

Mehrere Elefanten auf einer Außenanlage mit Wasser und Bäumen "Leev Ma Ries" Zuhause: Das Außengehege des Kölner Elefantenparks

Doch im Vergleich zum Liedtitel fällt ein Unterschied auf: die Schreibung des Elefantennamens. Denn Marie wird mit einem Leerzeichen zwischen den beiden Silben geschrieben: Ma Rie. Dass es sicher dabei nicht einfach um eine grafische Spielerei handelt, zeigt der Vergleich mit den Namen von Leev Ma Ries Verwandten. La Min Kyaw heißt beispielsweise ihr Bruder, Shu Thu Zar ihre Mutter. Hierbei handelt es sich um birmanische Namen, denn Shu Thu Zar stammt ursprünglich aus Myanmar (auch Birma/Burma). Hier gibt es ein ganz anderes Personennamensystem (nach dessen Vorbild auch die Elefantennamen gebildet sind) als in Deutschland. So besteht jeder birmanische Name aus ein bis vier Silben, die jeweils eine konkrete Bedeutung tragen, z.B. hwe 'Gold', Thet 'Leben', Thàn 'Millionen', Aung 'Erfolg' oder Hlá 'hübsch'. Üblich ist außerdem, einen Namenbestandteil mit einem Buchstaben beginnen zu lassen, der dem Wochentag der Geburt zugeordnet ist: Án ist an einem Sonntag geboren, Yin an einem Donnerstag. Auch kann eine Silbe etwas über die Position des Namenträgers innerhalb der Familie aussagen: Maung 'jüngerer Bruder' oder Lat 'mittel, zwischen Geschwistern'. Darüber hinaus wird üblicherweise die Familienzugehörigkeit nicht im Namen angezeigt, d.h. Familiennamen wie wir sie kennen, die von den Eltern auf die Kinder vererbt werden, gibt es nicht. Doch gerade Eltern mit Kontakt in den Westen geben ihren Kindern manchmal einen Bestandteil des eigenen Namens, um die Verbindung zu kennzeichnen. So hat Ù Bá Maw, birmanisches Staatsoberhaupt von 1943–45, seine Kinder Zali Maw, Omma Maw und Tinza Maw genannt. Zwar kann theoretisch jede Silbe zum Namenbestandteil werden, in der Praxis sind aber nur etwa 80–100 unterschiedliche üblich. Daher kommen die Namen, auch wenn sie immer individuell zusammengesetzt werden, jeweils häufiger vor.

Birmanischer Schriftzug für den Namen Shu Thu Zar Der Name "Shu Thu Zar" in birmanischen Schriftzeichen

Der Name von Leev Ma Ries Mutter Shu Thu Zar kann so übersetzt werden: Shu bedeutet in etwa 'etwas ist es Wert, angesehen zu sein', Thu Zar ist zusammengehörig und bedeutet 'Engel', bezeichnet eine weibliche Person und ist häufig auch ein weiblicher Name. Das th in Thu wird wie ein englisches th in this oder that ausgesprochen. Durch Thu Zar wird angezeigt, dass die Elefantenkuh an einem Freitag (03.06.1994) geboren wurde.

Leev Ma Rie ist übrigens nicht der erste kölsch-birmanische Name, der im Kölner Zoo vergeben wurde: 2007 brachte die Elefantenkuh Tong Koon einen kleinen Elefantenbullen mit Namen Ming Jung, Kölsch für 'Mein Junge' auf die Welt. Er lebt heute in einem Zoo in England. Ob dort der Sprachwitz des Namens noch verstanden wird, ist allerdings fraglich…

Ein herzlicher Dank geht an Frau Khin Yae Kyi Tar, die den Namen "Shu Thu Zar" für uns analysiert und in birmanischer Schrift aufgezeichnet hat!

Literatur:

Bildnachweis: