LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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(Nichts) für die schlanke Linie!? - rheinisches Karnevalsgebäck

Auch wenn dieses Jahr aus bekannten Gründen die fünfte Jahreszeit im Rheinland anders gefeiert werden muss als gewohnt, dürfen dennoch die typischen Karnevalsgebäcke nicht fehlen - gerade in Anbetracht der nahenden Fastenzeit, in der manch eine*r auf die ganzen Leckereien verzichtet. Dabei gibt es zur 5. Jahreszeit eine Vielzahl dieser in Fett ausgebackenen und in Zucker gewälzten Köstlichkeiten: Ob Bullebäusken (in seinen Lautformen), Krebbelche, Puffel, Krapfen, Nonnenfürzchen, Muzen oder Mutzenmandeln, fast jede (Karnevals-)Region bietet zur jecken Jahreszeit eines dieser Teilchen an.

Foto: vier Berliner, drei davon mit unterschiedlichen Überzügen: Schokolade, Zuckerguss und Smarties, Eierlikör Schmeckern zu jeder Jahreszeit, aber an Karneval sind sie noch etwas bunter als sonst. Foto: Dr. Bernd Gross, CC BY-SA 3.0

Überall im zentralen Rheinland bei Köln und Bonn und am unteren Niederrhein kennt man etwa die Muzen (mit langem u) oder Mutzen. Allerdings sind sie nicht nur eine rheinische Spezialität; die Bezeichnungen Mutzen, Motze, Mötzchen, Mutsche oder Mitschen dienen in vielen Regionen des deutschsprachigen Gebietes dazu, Gebäck oder kleine Brote im Allgemeinen zu bezeichnen (RhWB, Band 5, Sp. 1016). Ihren Ursprung haben die Bezeichnungen wohl im mittelhochdeutschen Verb mutzen ‚abschneiden‘; sie sind bereits im Mittelalter als dreieckiges Gebäck oder Brot bekannt. Auch heute haben die meisten Muzen noch diese Form. Mutzenmandeln hingegen sehen aus wie die kleinen Nüsschen selbst und werden in Fett ausgebacken.

Auch die im Kleverland bekannten Olikrabben (RhWB Band 4, Sp. 1389 ) sind eine Form der in Schmalz gebackenen Teilchen, das Grundwort krabben ist auf ‚Krapfen‘ zurückzuführen. Dieses beruht auf *ger- ‚drehen, winden‘, derselben Wurzel wie Kringel, Krampf, Krüppel. Oli hingegen dürfte dem niederländischen Wort olie ‚Öl‘ entsprechen; in den benachbarten Niederlanden sind oliebollen ein in Öl ausgebackenes Gebäckstück und äußerst beliebt. Krapfen selbst haben eine lange Tradition. Allerdings sind sie im Rheinland eher unter Bullebäusken/Bollebäusken (rechter Niederrhein) oder Balbäuschen/Bullebäuchskes (Bergisches Land) bekannt. Interessant ist hier die sprachgeschichtliche Entstehung: Während rheinisch bol ‚hohl, rund, aufgedunsen‘ bedeutet und auf mittelhochdeutsch bolle ‚rund‘ zurückgeht, ist Bäuschen die Verkleinerungsform zu mundartlich Bause, Bouse ‚Anschwellung, Beule‘, das wohl von älterem bausen ‚aufblasen, anschwellen‘, aber auch ‚schlemmen‘ (Honnen 2018) stammt. Damit würde das Wort die Form und Gestalt des Gebäckes beschreiben: etwas Aufgeblasenes und Rundes zum Schlemmen!

Foto: frittiertes und in Zucker gewälztes Gebäck in verschiedenen Größen Buntes Angebot an Gebäck zur Karnevalszeit. Foto: Sarah Puckert, LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte.

Als Sammelbezeichnung für Fettgebäck in Aachen ist Puffel bekannt– teilweise werden damit Krapfen und Muzen bezeichnet, manchmal auch nur Berliner. Im Rheinischen Wörterbuch (Band 6, Sp. 1171 ) werden Puffel als Karnevalsgebäck beschrieben, das ähnlich wie die kleverländische Variante Ballebäuschen hergestellt wird und sowohl in Bonn, Köln, Düren, Jülich, Monschau, Aachen, Mönchengladbach als auch in Düsseldorf verbreitet ist. Zur Herstellung wird, ebenfalls den Ballebäuskes ähnlich, eine bestimmte Pfanne benutzt (Ballebäuskespann, RhWB, Band 1, Sp. 419 ), deren Einbuchtungen nach unten mit Teig gefüllt und dann gebacken werden.

Besonders beliebt, nicht zuletzt aufgrund der leicht anrüchigen sprachgeschichtlichen Entstehungslegenden, sind die Nonnenfürzchen (in unterschiedlichen Schreib- und Lautvarianten) im Rheinland. Dabei ist auch dieses Karnevalsgebäck nicht ausschließlich den Rheinländer*innen bekannt, denn auch in Frankreich kennt man diese Schmalzkringel: pets de nonne ‚Nonnenfürzchen‘. Ursprung ist vermutlich das Wort nunneckenfurt, das ‚Nonnenfurz‘ bedeutet, -furt ist dabei lediglich die unverschobene Variante . Ob die Nonnenfürzchen aufgrund ihrer Form so benannt wurden, lässt sich nicht mehr klären; sicher ist aber, dass das Gebäck von Nonnen gebacken und verkauft wurde.

Literatur: