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Jeck im Sunnesching – Wann kann man schon mal Karneval im Sommer feiern?!

Jeck im Sunnesching oder Karneval bei meist sommerlichen Temperaturen. Auch dieses Jahr sollte das Familienfest natürlich wieder stattfinden – aber dann kam Corona dazwischen, sodass die Feier ausfällt und stattdessen auf nächstes Jahr verschoben wurde. Nichtsdestotrotz wollen wir uns aber zumindest sprachlich mit dem sommerlichen Karneval beschäftigen.

Wald mit Sonnenstrahlen Bei Jeck im Sunnesching ist der Name häufig Programm.

Manch ein/e Nicht-Rheinländer*in mag sich vielleicht fragen: Karneval im Sommer? Wo gibt es denn sowas? Na, im Rheinland natürlich! Jeck im Sunnesching, initiiert von einem Kölner Gastwirt, findet seit 2015 jedes Jahr im August statt. Nach dem Rekordsommer im letzten Jahr hätten die Jecken wohl dieses Jahr angenehmere Temperaturen gehabt. Apropos Jecken – Jeck im Sunnesching bedeutet so viel wie 'verrückt (oder närrisch) im Sonnenschein', denn jeck, das weiß im Rheinland jeder, meint 'verwirrt, verrückt, närrisch'. Das j am Anfang des Wortes, ähnlich wie in Jeföhl 'Gefühl' oder Jedöns 'Getue, Aufwand', ist eine Eigenheit des ripuarischen Dialekts, die es auch noch im Regiolekt gibt. Der Ursprung des Wortes jeck ist allerdings ungewiss; viele Legenden kursieren, aber keine davon scheint das Wort endgültig klären zu können (Honnen 2018, S. 199f.). Welch große Rolle jeck aber dennoch in der Sprache des Rheinlands spielt, zeigt sich beim Blick ins Rheinische Wörterbuch (hier geck; Band 2, Sp. 1082f.). Auch im Duden kann man mittlerweile einen Eintrag zu diesem typisch rheinischen Wort finden (Duden online).

Was ist aber mit dem Wort Sunnesching? Bei Adam Wrede heißt es Sonnesching, gemeint ist in beiden Fällen der 'Sonnenschein', durch den es besonders in den vergangenen Wochen mal wieder extrem warm war und der nicht immer zur eigentlichen Karnevalszeit Anfang des Jahres vorhanden ist. Der Unterschied von Sunne und Sonne erklärt sich mit dem im Rheinischen regelmäßig vertretenen u-o-Gegensatz (vgl. auch standardsprachlich bunt – dialektal [bont]). Im ripuarischen Dialekt wird zudem das n am Ende der Laut ng gesprochen; in der Sprachwissenschaft wird dieses Phänomen als Velarisierung bezeichnet.

Jeck im Sunnesching – ein dialektal gefärbter Name für ein Fest, das seine Wurzeln bereits im Altertum hat und dessen Bräuche bis heute tradiert werden: "Wie das hier immer so ist, wird bei kölscher Musik immer geschunkelt, und man verkleidet sich. Das ist die DNA der Rheinländer!" (GA Bonn) Hoffentlich dann im nächsten Jahr wieder!

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